Robin B.: Revision angenommen – Marco K.: Revision abgelehnt

Die letzten beiden Revisionen sind durch. Das Urteil gegen Marco K. aus Ilmenau ist damit rechtskräftig. K. wurde zu einer Strafe von 2 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt.

Die Revision gegen das Urteil von Robin B. wurde angenommen. B. hatte von allen vier Angeklagten lediglich eine Bewährungsstrafe bekommen. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass sich das Landgericht Gera bei dem gegen ihn verhängten Schuldspruch statt am Jugendstrafrecht am Erwachsenenstrafrecht orientiert habe – deshalb wird vor dem Landgericht erneut über die Strafzumessung verhandelt.

Revision abgelehnt: Urteil gegen Theo Weiland und Steve W. rechtskräftig

Laut einem Pressebericht sind die ersten zwei Neonazis aus dem Jungsturm-Verfahren rechtskräftig verurteilt. Bereits im Januar hatte der Bundesgerichtshof die Revision von Theo Weiland und Steve W. zurückgewiesen. Im März bestätigte dies dann das Landgericht Gera auf Presseanfragen. Damit ist die Haftstrafe gegen Theo Weiland von zwei Jahren und vier Monaten sowie für Steve W. rechtskräftig. Ebenso ist auch die Feststellung des Landgerichts Gera rechtskräftig, dass es sich bei der Gruppe „Jungsturm“ um eine kriminelle Vereinigung handelt sowie bei Theo Weiland und Steve W. um Mitglieder der Vereinigung, die für zahlreiche Angriffe verantwortlich war.

Zwei weitere Entscheidungen stehen noch aus. Die Revision von Robin B. und Marco K. liegen weiterhin beim BGH.

22. Prozesstag: 25. Februar 2021

Der Tag beginnt mit dem Plädoyer der Verteidigung und soll am Ende bereits das Urteil bereithalten.

Es beginnt die Verteidigung von Marco K.. Rechtsanwalt Beisenbusch führt aus, dass die Taten des „Jungsturm“ im Vergleich zur Dresdner Gruppe „Elbflorenz“ eine „Kindergarten“ seien. Dennoch sei das Strafmaß hier höher. Es habe Verfahrensfehler durch schlechte Aktenführung gegeben. Außerdem sei die Gruppe nur auf Gewalt reduziert worden. Ähnliche Gruppen gäbe es in jeder Stadt, jedoch dort keine Verfolgung. Es gab ebenfalls Koordinationen von Spielen und Grillabenden der Gruppe. Auch Choreographien habe sie organisiert. Die Gruppe war keine „Zwangsgemeinschaft“, sondern eine „Fangemeinschaft“. Das Hauptaugenmerk liege auf dem Fußball, Personen seien nicht unter „Jungsturm“ angetreten um zu kämpfen. Es gehe hier nur um eine geringe Menge an Straftaten. Marco K. sei kein Chef der Gruppe, es gäbe Alibi von seiner Verlobten für den Angriff in der Bowlingbahn in Gorndorf. Die Planung sei nicht alleine durch Marco K. gewesen. Rechtsanwalt Held fügt hinzu, dass vier vorgeworfene Taten zum Teil schon mehrere Jahre zurückliegen. Es habe keine regelwidrige Brutalität bei den Ackerkämpfen gegeben. Die Schiedsrichter haben verbal eingegriffen. Bewaffnung habe es nicht gegeben, es gab aber Alters- und Gewichtsklassen und somit keine Abgrenzung zum Kampfsport. Die Rede ist von sportlichen Regeln, an welche sich gehalten worden ist. Es gebe hier einen minderschweren Fall von Körperverletzung, da es eine erhebliche Mitschuld von Geschädigten gegeben habe. Es waren wechselseitige Körperverletzungen, ohne erhebliche Verletztungen. Hunzu komme noch das fehlende Bewusstsein der Strafbarkeit. Es habe bei den Drittortauseinandersetzungen keine unbeteiligten Verletzten und keine Schwerverletzten gegeben.

Zusammenfassend wird positiv gewertet, dass Marco K. nur geringfügig vorbestraft sei, beeindruckt durch Untersuchungshaft, einen guten Lebenslauf und Familienplanung habe sowie eine massive finanzielle Belastung durch den Prozess. Es wird eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwölf Monaten sowie eine Einziehung der Gegenstände gefordert.

Es folgen die Plädoyers der Verteidigung von Theo Weiland. Rechtsanwalt Fehse beginnt, dass sich die Ermittler verrannt haben und nicht mehr zurückgeschraubt haben. Es habe schlechte Aktenführung gegeben. Außerdem wird die Initialzündung der Ermittlungen, Angriff Saalfeld, kritisiert. Zu den Drittortauseinandersetzungen gab es immer Regeln und Schiedsrichter. Er vergleicht dies mit Kampfsport, Fußballfouls und BDSM. Hooligan-Kämpfe seien außerdem weitverbreitet. Man habe also zwangsläufig Kontakt mit sowas über die Fußballszene. Schwere Verletzungen habe es nie gegeben. Zum Überfall am Bahnhof in Gotha wird gesagt, es gäbe keine Zeugen, sondern nur die Geständnisse. Es war ein planmäßiger Übergriff, jedoch seien auf der anderen Seite keine Unbeteiligten, sondern ebenfalls Hooligans von Jena gewesen. Er spricht hier von „Hyänen“ bzw. „Brancos“. Hier liege eine gemeinschaftliche Körperverletzung und Landfriedensbruch vor. Dafür wird eine Einzelstrafe von neun Monaten gefordert. Bezüglich des Überfalls am Bahnhof in Gotha wird von gemeinschaftlicher Körperverletzung gesprochen. Ein Raub sei nicht zu rechtfertigen, da hier ein Mittäterexzess vorliege und es sich um normale Fanartikel handle. Hier wird ebenfalls eine Einzelstrafe von neun Monaten gefordert. In Bezug auf den Überfall in der Bowlingbahn Gorndorf spricht die Verteidigung von einer „konspirativen Fangemeinde“. Die Anwesenheit von Minderjährigen sei bedauernswert und somit eine andere Qualität. Hier wird eine Einzelstrafe von elf Monaten gefordert. In Bezug auf die kriminelle Vereinigung wird ausgeführt, dass die Fankultur und die Drittortauseinandersetzungen schon vorher bestanden. Es gehe hier also lediglich um eine Aufrechterhaltung. Die Rädelsüfhrerschaft sei außerdem nicht in der Anklage enthalten, es habe flache Hierarchien gegeben. Bereits am zweiten Verhandlungstag habe sich Theo Weiland geständig eingelassen, wodurch eine Beweisaufnahme überflüssig wurde. Hier liegt eine Zuwirkung durch Geständnis vor. Außerdem sei es die erste Verurteilung, er sei beeindruckt durch die Untersuchungshaft. Das unzensierte Zeigen in der Presse habe seine Kickboxkarriere beendet. Er habe eine neue Lebensgefährtin, keine Kontakte mehr in die Fußballszene und keine rechten Freunde mehr. Es wird eine Gesamtstrafe von einem Jahr auf Bewährung gefordert.

Rechtsanwalt Dann beginnt das Plädoyer für die Verteidigung von Robin B.. Es habe schlechte Akten gegeben, die Prozessberichterstattung sei stigmatisierend gewesen. Robin B. habe zur vollumfänglichen Aufklärung beigetragen und sei sichtlich beeindruckt gewesen von der Untersuchungshaft. Er habe die Verantwortung übernommen.

In Bezug auf den Überfall in Saalfeld-Gorndorf, war eigentlich eine Drittortauseinandersetzung geplant. Die plötzliche Auseinandersetzung habe ihn sehr beschäftigt, dies wäre so nicht geplant gewesen. Die Zeugen hätten ebenfalls kein Interesse an einer Strafverfolgung gehabt. Als 17-Jähriger hätte er außerdem nicht wissen können, dass Drittortauseinandersetzungen strafbar seien. Für eine kriminelle Vereinigung gäbe es keine Beweise. Es sei ein Freizeitverein, der Jugendliche zum Sport animiere. Die körperliche Fitness stehe im Vordergrund. Die Überfälle in Saalfeld und Gotha gingen nicht vom „Jungsturm“ aus, sondern von Erfurt Fans allgemein. Er habe eine geradlinige Biografie und habe im jugendlichen Übermut gehandelt. Das Jugendstrafrecht sei anzuwenden, da Robin B. noch zuhause wohne und es schon in der Vergangenheit nicht geschafft habe regelmäßig zehn Euro auf das „Jungsturm“-Konto einzuzahlen. Die Gesamtstrafe solle zur Bewährung ausgesetzt werden. Ergänzend fügt Rechtsanwalt Gaspar noch hinzu, ob denn die Drittortauseinandersetzungen überhaupt strafbar wären. Außerdem sei der Überfall in Gorndorf einer der letzten Auseinandersetzungen von Robin B. gewesen.

Die Verteidigung von Steve W. fasst sich kurz. Rechtsanwalt Tuppat geht von konsensualen Gruppenschälgereien aus. Sittenwidrigkeit liege nur bei Todesgefahr vor, diese sei hier nicht gegeben. Außerdem sei der § 129 nur ein politischer, zur Strafverfolgung. Rechtsanwalt Pinkes fügt hinzu, dass ein ordentliches Verfahren schwer möglich war und der Fanartikelklau schon immer weit verbreitet war.

Es folgen die letzten Worte der Angeklagten. Theo Weiland sei aktiv in der Fanszene, habe die Drittortauseinandersetzungen als Sport gesehen, sei für diese Auseinandersetzungen als Kickboxer außerdem gar nicht rund um qualifiziert gewesen. Es sei nie etwas schlimmes passiert und man habe sich an den Fanszenen Kodex gehalten. Die Überfälle in der Bowlingbahn und an den Bahnhöfen seien seine schlimmsten Erinnerungen. Für ihn habe das keine politische Motivation gehabt.

Marco K. will mit seiner Verlobten eine Familie gründen. Die Drittortauseinandersetzungen waren ihm nicht als strafbar bewusst, es habe Schiedrichter gegeben. Der „Jungsturm“ sei nur eine Gruppe von Freunden.

Steve W. beschreibt die Hausdurchsuchungen als traumatisierend. Er sei in die Sache reingezogen worden. Er habe mit der rechten Szene abgeschlossen. Er habe keine Arbeit im Gefängnis gehabt, was sehr belastend für ihn war.

Robin B. betont die Wichtigkeit seiner Familie und Freundschaften. Er bittet um eine zweite Chance.

Nach einer Unterbrechung erfolgt das Urteil.

Die kriminelle Vereinigung wird als erwiesen angesehen. Gründer waren Richie B., Steve „Bifi“ W., Robin „Francesco“ B., Roy-Peter K., Marco K., Benjamin St.. Die Drittortauseinadersetzungen waren bekannt illegal, bei denen gab es mehrere Kopftritte, die trotz Stoppkommando ausgeführt worden sind. Der Raub wird nicht bestraft sowie die Abwesenheit von Marco K. bei einzlenen Überfällen. Der „Jungsturm“ sei für Drittortauseinandersetzungen bekannt. Absprachen haben in Chatgruppen stattgefunden. Der Richter äußert, dass das Urteil weder politisch noch fußballtechnisch zu bewerten sei. Jena-Fans wären genau so behandelt worden.

Letztlich kommen folgende Urteile zustande.

Marco K. wird zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Theo Weiland wird zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Robin B. wird zu zwei Jahren Haft verurteilt, welche zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Steve W. wird zu zwei jahren und vier Monaten verurteilt.

21. Prozesstag: 24. Februar 2021

Der Verhandlungstag beginnt mit mehr Journalisten als üblich. Es beginnt mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Diese will die Beweisaufnahme verlängern und stellt klar, dass es nicht um die Verfolgung politischer Straftaten gehe, sondern um die Frage zu klären, ob man Menschen „zusammenschlagen darf“.

Die Drittortauseinandersetzungen werden thematisiert. Es gehe dabei vor allem um das elf gegen elf gegen die Frankfurter Gruppe „Brigade Nassau“, gegen Babelsberg, gegen Bielefeld und gegen Koblenz. Die Staatsanwaltschaft verweist auf Beleidigungen der besiegten Koblenzer als „Zecken“, es handle sich hierbei um „links gegen rechts“. Durch Kopftritte sei deutlich demonstriert worden, dass wiederholt Regeln verletzt worden sind, sofern diese überhaupt ernstgenommen oder durchgesetzt worden sind. Eine zuverlässige Instanz zur Durchsetzung der Regeln sei nicht gegeben. Die Kopftritte gegen Personen am Boden scheinen ein reguläres Phänomen zu sein bei derartigen Auseinandersetzungen. Es könne deshalb nicht von einem „Mittäterexzess“ die Rede sein. Außerdem habe sich Steve W. in Chatnachrichten zum „guten Ruf“ des „Jungsturms“ in Hooligankreisen gesorgt. Bei den Drittortauseinandersetzungen handelt es sich um Begehung von lebensgefährlichen, gemeinschaftlichen Körperverletzungen, bei denen ein minder schwerer Fall ausgeschlossen sei. Diese Drittortauseinandersetzungen seien sittenwidrig, trotz Einwilligung und Regeln.

Zu den Angriffen auf Jena-Fans in Saalfeld sagt das Plädoyer, dass diese durch die Einlassungen von Theo Weiland und Steve W. bestätigt worden sind. Es fand auch hier kein Mittäterexzess statt. Steve W. und Theo Weiland entwendeten Jenaer Fanutensilien, es handelt sich dabei um keine minderschwere Tat. Alle Jena-Fans waren Ziele. Marco K. habe zwar auf ein „faires Ding“ bestanden, dennoch befindet dies die Staatsanwaltschaft als ziemlich albern, angesichts der Gesamtsituation, dass mehrere gewaltsuchende Kampfsportler gegen zufällige Fußballfans, darunter viele Minderjährige agierten. Marco K. habe sich im Vorfeld zum Großteil um die Organisierung gekümmert, verzichtete jedoch auf das Betreten der Gaststätte in Gorndorf.

Zum Überfall in Gotha, ging es um schwere Körperverletzungen, auch bei Unbeteiligten. Ein Portmonnaie wurde geraubt, aber konnte nicht genau zugewiesen werden. Ziel waren die Jena-Fans, es liegt eine gemeinschaftliche Körperverletzung vor.

In Bezug auf die kriminelle Vereinigung hält die Staatsanwaltschaft fest, dass es mittlerweile eine geänderte Rechtslage gebe. 2014 wurde die Gruppierung gegründet und war nach 2017 weiterhin aktiv. Das Ziel der Gruppe war „Ruhm und Ehre“ für Erfurt. Marco K. sei der Chef der Gruppe. Er sei außerdem mit Theo Weiland der Organisator von Drittortauseinandersetzungen gewesen. Kommuniziert wurde über verschiedene Gruppen bei Telegram. Die Ziele waren die Teinahme an Drittortauseinandersetzungen und Feindschaft zu Jena. Die Essenz der Gruppe ist Gewalt, was auch durch das „5 Jahre Jungsturm“-Video, welches fast nur aus Drittortauseinandersetzung besteht, unterstrichen wird.

Zu den einzelnen Angeklagten führt die Staatsanwaltschaft aus, dass Theo Weiland Rädelsüfhrer sei sowie als anerkannter Kampfsportler für Taktik und Technik zuständig gewesen war. Sie sieht ihn als Co-Anführer. Positiv sei zu bewerten, dass er nur geringfügig vorbestraft sei sowie kooperativ. Für die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung fordert die Staatsanwaltschaft eine Strafe von zehn Monaten. Zu den Raubdelikten, gäbe es ein Geständnis. Hier liege intensive Gewalt für geringe Beute vor. Diese Gewalt sei menschenverachtend. Der pauschale Hass auf Jena-Fans sei ein Angriff auf die Menschenwürde. Dafür wird eine Einzelstrafe von zwei Jahren Haft gefordert. In Bezug zum Angriff in der Bowlingbahn sei negativ hervorzuheben, dass es Theo Weiland kurz vorher frisch vorbestraft war und es hier ein massives Stören des öffentlichen Friedens gab. Die Opfer wollten nicht zur Polizei, was die Täter wussten und ausnutzten. Hier wird eine Einzelstrafe von zwei Jahren Haft gefordert. In Bezug zu Gotha ist ebenfalls die Rede von schwachen Tatopfern, da diese nicht zur Polizei gingen. Ein schwerverletzter Jena-Fan sei nicht ins nächstgelegene Krankenhaus gegangen. Hier liege ein Landfriedensbruch vor und somit wird eine Einzelstrafe von zwei Jahren Haft gefordert. Die Ackerkämpfe waren vielfach lebensgefährlich. Die Staatsanwaltschaft fordert für Theo Weiland eine Gesamtstrafe von vier Jahren Haft.

Zu Steve W. führt die Staatsanwaltschaft aus, dass dieser oft die erste Reihe bei Drittortauseinandersetzungen führte. Er habe sonst keine große Leistung für die Gruppe gebracht, er sei ebenfalls nicht vorbestraft. Für die kriminelle Vereinigung fordert die Staatsanwaltschaft 90 Tagessätze. Für die weiteren Beteiligungen an Überfällen und Drittortauseinandersetzungen fordert die Staatsanwaltschaft eine Gesamtstrafe von drei Jahren Haft.

Marco K. wird als Rädelsführer benannt, hat sich um Trainings gekümmert und hat das Löschen von Spuren übernommen. Außerdem war er zentral in die Organisierung des Angriffs in der Bowlingbahn in Gorndorf beteiligt sowie bei den Drittortauseinandersetzungen. Es wird eine Gesamtstrafe von vier Jahren und sechs Monaten Haft gefordert.

Bei Robin B. wäre die Frage nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht. Es liege ein gefährdendes Umfeld vor, da dieses seine Taten akzeptiere. Es handelte sich nicht um jugendtypische Taten, sondern sie waren gewissenhaft vorbereitet. Es wird eine Gesamtstrafe von drei Jahren gefordert.

Weiter wird hinzugeüfgt, dass die Wiederholungsgefahr bei Steve W. am geringsten sei, da Einziehung von „Jungsturm“-Artikeln zugestimmt worden ist. Das Verfahren habe es nach dem Angriff in Saalfeld gegeben, der öffentliche Druck war da. Es habe zwar Verfahrensfehler gegeben, diese rechtfertigen aber kein Verwertungsverbot.

Damit endet das Plädoyer.

Die Verteidigung von Marco K. merkt an, sie bräuchte mehr Vorbereitungszeit, wie alle anderen Verteidiger ebenfalls.

Die Verteidigung von Robin B. protestiert gegen das Erwachsenenstrafrecht.

Die Verhandlung wird damit beendet.

20. Prozesstag: 18. Februar 2021

Die Verhandlung beginnt mit der Fortsetzung der Beweisaufnahme. Die Inhalte des Selbstleseverfahrens werden zu Protokoll genommen sowie ein Übersichtsbild des Bahnhofs von Gotha. Es folgt die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zu den Beweisanträgen der Verteidigung. In Bezug auf den Stimmsachverständigen, wird gesagt, dass die Zuordnung über Stimme und Kontext erfolgte. Der Anschluss wird auch vom gesondert verfolgten Benjamin St. genutzt. Die Staatsanwaltschaft äußert sich zu den weiteren Zeugen zum Angriff in der Bowlingbahn, dass diese bei der Polizei gesagt haben, diese wären drahtig und unter 1,85 m groß gewesen. Aufgrund des Durcheinander sind keine tauglichen Aussagen zu erwarten. Die Ladung weiterer Zeugen zu Drittortauseinandersetzungen sind überflüssig, da die Nichteinhaltung von Regeln durch die Videos bewiesen wurde.

Es folgen Stellungnahmen von Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K.. Diese besagen, dass der Chat zwischen Martin G. Und Marco K. aus 2017 das Alter, die Anzahl, Schutzkleidung und Fairness sowie Gewichtsklassen geklärt haben. Weiterhin heißt es, dass Felix R. am Angriff in der Bowlingbahn beteiligt war, ohne dass er Mitglied des „Jungsturm“ war. Außerdem seien de Kämpfer Felix Q., Marcel M. und eine „Johannes“ keine Mitglieder des „Jungsturm“ gewesen. Außerdem ergebe sich aus dem Chat vom 21. Februar 2019, zwischen Marco K. und „Paul Quappe“, dass dort die Tatmodalitäten für den Angriff geklärt worden sind. Marco K. habe dort geschrieben „Wenn die nicht rauskommen, dann fahren wir wieder.“ Er sei nicht damit einverstanden gewesen, in die Bowlingbahn zu stürmen.

Es erfolgen Beschlüsse des Gerichts zu den Beweisanträgen.
Der Antrag zur Ladung von Jeremy B. und Patrick A. Zur Drittortauseinandersetzung mit Babelsberg wird zurückgewiesen. Die Tatsachen seien bereits hinreichend aus Chats bewiesen.

Der Antrag zum Stimmsachverständigengutachten wird zurückgewiesen, da niemand benannt werden konnte, der an Stelle von Marco K. das Telefonat geführt haben soll.

Der Beweisantrag zur Ladung weiterer „Jungsturm“-Mitglieder wird zurückgewiesen, es ergab sich bereits aus Einlassungen und Videos.

Antrag zur Ladung weiterer Geschädigter der Bowlingbahn wird zurückgewiesen, dies sei ein Beweisermittlungsantrag. Außerdem sei unklar, warum ausgerechnet diese Person präzise Angaben machen könne, wenn man bereits 14 Zeugen zum Sachverhalt gehört habe.

Zum Antrag, Maurice W. zu hören, der beweisen soll, dass Marco K. am Angriff in Gotha nicht beteiligt gewesen sein soll, wird zurückgewiesen. Aus dem SMS-Verlauf ergebe sich nicht, dass Maurice W. vor Ort war. Die Staatsanwaltschaft merkt dazu an, dass die Zeitzone im Telefon nicht MESZ sei und somit statt 19:45 Uhr die Zeit 21:45 Uhr MESZ entsprechen würde. Demnach sei die Annahme, dass zwischen der Nachricht „Geht los“, zwei Stunden liegen würden falsch, wie es Rechtsanwalt Beisenbusch in seiner Stellungnahme behaupte.

Es folgt ein weiterer Antrag von Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., der die Ladung von Till M., Kevin N., Roy-Peter K., Dennis D., Philipp P. besagt. Diese sollen beweisen, dass Marco K. am 27. Juli 2029 nicht in Gotha gewesen sei. Bis auf Philipp P. werden alle genannten als Beschuldigte bei dem Überfall genannt.

Eine weitere Einlassung von Marco K. folgt. Er sagt zu seinem Verhältnis in Bezug zu Marcel T. aus. Sie seien gute Freunde, Marco K. sei Trauzeuge gewesen sein und habe den Weihnachtsmann für die Kinder von Marcel T. gespielt. Den Boxraum haben sie ab 2013 eingerichtet und sei nur über den Schlüssel von Marcel T. und Marco K. zugänglich gewesen. Er werde allerdings auch durch Hotelgäste und den Tischtennisclub mit genutzt. Rainer K. der Schwiegervater von Marcel T., könne dies bestätigen. Außerdem gibt Marco K. an, er sei in Gotha nicht dabei gewesen.

Es erfolgt ein Beschluss des Gerichts. Der Antrag zu den fünf Zeugen wird zurückgewiesen. Es sei nur ein Beweisermittlungsantrag. Aus der Akte ergebe sich nicht, dass die fünf am 27. Juli 2019 in Gotha dabei gewesen sind. Tatverdacht bestehe viel mehr gegen Till M., Dominic B., Thomas Z. und Richie B.

Daraufhin stellt Rechtsanwalt Beisenbusch den Antrag, dass die letztgenannten Tatverdächtigen als Zeugen aussagen sollen, was beweisen soll, dass Marco K. nicht am Bahnhof in Gotha dabei war.

Die Staatsanwaltschaft schlägt eine teilweise Einstellung vor. Das Verfahren wäre nach §154 Abs. 2 StPO einzustellen. Die Verteidigung stimmt zu und es wird durch das Gericht beschlossen.

Es erfolgt die Schließung der Beweisaufnahme sowie die Verfügung zur neuen Frist für Beweisanträge, für den 24. Februar 2021 sowie die Bitte an die Verteidigung sich für den 24. Februar 2021 auf die Plädoyers vorzubereiten.

19. Prozesstag: 17. Februar 2021

Der Verhandlungstag beginnt mit einer Stellungnahme der Amtsärztin der JVA Tonna. Diese besagt, dass Steve W. uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Er habe Albträume von den Schlägereien gehabt, schlimme Beziehungsprobleme, die ihm Schlafprobleme bereiten. Deshalb wurden ihm von der Psychologin Schlaftabletten verschrieben sowie die Konsultation eines Psychologen empfohlen wurden. Eine strikte Tätertrennung zu Felix R. sei möglich, er müsse sich dafür bei einer geeigneten Arbeitsstelle bewerben. Er habe sich bislang nur als Hausmeister beworben, dort sei eine lückenlose Überwachung nicht möglich und wurde entsprechend abgelehnt. Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., beanstandet die Verlesung, da es sich um eine gerichtsärztliche Beratung handle.

Es folgt der erste Zeuge, Felix R. aus der JVA Tonna. Er ist 24 Jahre alt und Lagerlogistiker. Felix R. macht von seinem Aussageverweigerungsrecht gebrauch. Daraufhin wird Felix R. wieder aus dem Zeugenstand entlassen.

Es folgt Eric H., 21 Jahre alt aus Kaulsdorf. Er macht ebenfalls von seinem Aussageverweigerungsrecht gebrauch. Eric H. wird nicht die Mitgliedschaft in der kriminellen Vereinigung vorgeworfen, sondern lediglich dessen Unterstützung. Bezüglich des Überfalls am Bahnhof Gotha wird Eric H. als Beschuldigter geführt. Der Zeuge wird wieder entlassen.

Der Richter verliest eine Stellungnahme der KPI Saalfeld in Bezug auf das Chatprotokoll zwischen „Paul Quappe“ und Marco K.. Es wird festgestellt, dass die Abschrift mit den ausgehändigten Akten übereinstimmt, etwas anderes sei auf dem Telefon nicht gewesen.

Rechtsanwalt Held, Verteidigung Marco K., beanstandet, dass ausgeteilte Dokumente zu spät gekommen seien, wenn an diesem Tag die letzten Beweisermittlungsanträge gestellt werden sollen. Es folgt eine kurze Unterbrechung.

Es werden Beschlüsse der Kammer verkündet. Die Verlesung der Stellungnahme der Amtsärztin war rechtens. Die Ladung des Leiters der Sicherheit der JVA Tonna und der Amtsärztin sind entbehrlich, da sich Steve W. nur auf den falschen Job beworben habe. Außerdem bestehe keine Kausalität zwischen der beanstandeten Unmöglichkeit der Arbeitsaufnahme und seinen Schlafstörungen. Es sei außerdem für das Verfahren bedeutungslos.

In Bezug auf den Antrag der Verteidigung von Marco K., auf vollständige Aushändigung der vorher genannten Chatprotokolle zwischen „Paul Quappe“ und Marco K., wird dieser zurückgewiesen. Es wurde festgestellt, dass alles vollständig ist.

Die weiteren Beweisanträge werden zurückgewiesen. Die Ladung von Maximilian B. und Lukas M. sind entbehrlich, da damit keine Tatsachen bewiesen werden können, die von Bedeutung für das Verfahren seien und nichts relevantes beweisen. Die Mitgliedschaft im „Jungsturm“ und die Zugehörigkeit zur Fanszene sind zwei unterschiedliche Sachverhalte. Das Begehen von Straftaten muss nicht das Hauptziel einer Gruppierung gem. § 129 StGB sein.

Der Beweisantrag der Verteidigung von Steve W. bzgl. der Einhaltung von Regeln bei Drittortauseinandersetzungen wird ebenfalls zurückgewiesen. Die Tatsachen die erwiesen werden sollten, seien bereits bewiesen u.a. in der Einlassung und den Videos.

Folgend soll der Wikipedia Eintrag zur Jungsturm-Bewegung verlesen werden. Dies wird durch Rechtsanwalt Tuppat, Verteidigung Steve W. beanstandet. Wikipedia sei keine zitierfähige Quelle und keine Urkunde. Die Staatsanwaltschaft entgegnet, dass es sehr wohl eine Urkunde sei, die fehlende wissenschaftliche Qualität sei jedoch zu beachten. Rechtsanwalt Held, Verteidigung Marko K., möchte eine Kontextualisierung, warum dieser Artikel verlesen werden soll. Der Richter erklärt, es gehen um eine geschichtliche Kontextualisierung um die Begriffsherkunft des Namens „Jungsturm“ zu klären.

Nach einer kurzen Unterbrechung wird entschieden, dass der Widerspruch zurückgewiesen wird und der Artikel als Urkunde verlesen wird. Rechtsanwalt Tuppat erklärt, dass der Artikel auf der Qualitätssicherungsseite von Wikipedia als unzureichend belegt vermerkt ist. Nachdem der Richter sich die auf seinem Telefon selbst anschaut, wird die Verlesung zurückgestellt.

Es folgt die Verlesung verschiedener Chat- und SMS-Verläufe. Darin geht es meistens um Absprache von Treffpunkten. Mehrmals soll es dabei um den Angriff in der Bowlingbahn gegangen sein. Aus den meisten Verläufen wird festgestellt, dass Marco K. und Theo W. die Organisation für die Drittortauseinandersetzung 2019 übernommen haben. Speziell für den 31. August 2019 und den 23. Oktober 2019 sei dies durch die Audiospuren und Chatverläufe zu belegen.

Theo Weiland hat zudem mögliche Gegner ausgewählt und zusammen mit Marco K. den Kontakt zu anderen Gruppen übernommen. Der Rest der Gruppe sei nicht in die Planung einbezogen worden, sondern erst informiert, wenn die Gegner feststanden. Der Richter betonte dies dabei, als besonders hervorzuheben, da sich dadurch eine besondere Rolle innerhalb der Gruppierung der beiden Angeklagten ergebe.

Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., gibt dabei an, dass die Beweisanträge nicht geeignet seien und eine schriftliche Stellungnahme folge. Der von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Antrag sei ein „Pamphlet“, was ihnen hingeworfen wurde und jetzt würde erwartet werden, dass sie binnen kurzer Zeit dies durcharbeiten würden. Rechtsanwalt Fehse, Verteidigung Theo Weiland, ergänzt, das Beweisantrag Nummer vier keine erkennbare Relevanz habe, da zuüknftige Ackeräkmpfe nicht Verfahrensgegenstand seien. Es sei außerdem nicht ersichtlich, dass Theo Weiland und Marko K. nicht auch andere vom „Jungsturm“ mit einbezogen haben in die Planung, die potenziellen Teilnehmer waren ja bekannt.

Wieder ergreift Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marko K., das Wort. Er kündigt mehrere Beweisanträge an, da bislang nicht bekannt sei, ob es abgetrennte Verhandlungen gebe. Die Staatsanwaltschaft benennt schließlich ie abgetrennten Verfahren und betont, dass da die Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen sind. Es müsse noch geklärt werden, ob den Personen eine Mitgliedschaft oder Unterstützung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen würde. Dabei befinden sich Felix R., Eric H., Dominic B., Roy-Peter K., Till M., Benjamin St., Kevin N., Philipp M., Dennis D., Richie B., Marcel T. und Philipp P.. Weitere Verfahren liefen gegen Michael St., Matthias P., Thomas Z. und Marius M..

Es folgen Anträge von Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., Er beantragt Patrick A. Aus Potsdam und Jeremy B. aus Berlin bezüglich der Drittortauseinandersetzung mit Babelsberg befragt werden, zum Beweis, dass keine „Jungsturm“-Kleidung getragen wurde und das nicht explizit „Jungsturm“ sondern die Erfurter Fanszene angefragt wurde. Demnach solle der Vorwurf der Drittortauseinandersetungen aus dem 129-Vorwurf rausgenommen werden. Der zweite Antrag bezieht sich auf die Ladung eines Stimmsachverständigen, für das Telefonat vom 4. Februar 2020. Es soll ausschließen, dass Marco K. am Telefonat beteiligt war. Die Verteidigung von Robin B. schließt sich dem ersten Antrag an. Der dritte Antrag beinhaltet die Ladung von Till M., Roy-Peter K., Dennis D., Kevin N. Und Marcel T., da diese bezeugen könnten, dass Marco K. am Angriff in der Bowlingbahn in Gorndorf nicht beteiligt gewesen sei. Im vierten Antrag geht es um Philipp P., dieser solle bezeugen, dass es Regeln, Schiedsrichter usw. bei den Ackerkämpfen gab. Die Verteidigung von Robin B. und Steve W. schließen sich dem an. Antrag fünf beinhaltet die Ladung eines weitere Geschädigten von der Bowlingbahn. Er solle bezeugen, dass kein „Dicker“ beim Angriff dabeigewesen sei. Der Richter äußert dazu, dass zur Frage der Beteiligung von Marco K. am Angriff Theo Weiland und Robin B. ihre Beteiligung ja bereits zugegeben haben. Sie sollen dies doch einfach bestätigen.

Zum Antrag des Stimmensachverständigen, fragt die Staatsanwaltschaft den Rechtsanwalt, wer denn als andere Person in Betracht käme. Die Polizei ging wohl bereits davon aus, dass sich der Anschluss geteilt werde. Eine konkrete Person kann durch die Verteidigung jedoch nicht benannt werden.

Nach einer kurzen Pause verkündet der Richter, den Beschluss, dass die heutigen Anlagen im Selbstleseverfahren in das Verfahren eingeführt werden.

Die Verhandlung wird beendet.

18. Prozesstag: 11. Februar 2021

Die Verhandlung beginnt mit der Vernehmung eines weiteren Zeugen von dem Angriff auf die Bowlingbahn in Gorndorf im Februar 2019. Dieser gibt an, dass sich dort Bekannte trafen und es ein Jugendtreffen der Fans des FC Carl-Zeiss Jena gewesen ist, an dem ca. 20 Personen teilgenommen haben. Irgendwann sei die Tür aufgeflogen und etwa 20 schwarzgekleidete Vermummte kamen rein, es gab ein Handgemenge, dann seien sie wieder raus. Er habe nicht viel gesehen, da er am Boden lag und seinen Kopf geschützt habe. Er bekam einen Tritt oder Schlag gegen den Arm. Er sei aus dem Fenster geklettert, da die Tür von einer Mitarbeiterin nach dem Angriff verschlossen worden sei. Es werden verschieden Vorhalte aus seiner Aussage bei der Polizei gemacht. Dort sprach er von einem Regionstreffen Saalfeld, Johannes H. habe am Kopf geblutet, es seien Bowlingkugeln geworfen worden, die Angreifer haben rote und weiße Farben getragen und der Grund sei ein „Schwanzvergleich“ gewesen.

Laut dem Zeugen gäbe es schon ewig Auseinandersetzungen und eine Feindschaft. Ob es im Anschluss Gespräche gegeben habe, wisse er nicht mehr. Er vermutet die Angreifer bei Ultras oder Hooligans, es sei geplant gewesen. Der Richter hält dem zeugen vor, er habe bei der Polizei die „Weiland-Bande“ angegeben. Dies seien Theo Weiland und dessen Bruder. Nach der Zeugenbefragung wird der Zeuge entlassen.

Es folgen die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten Robin B.. Dieser wurde am 21. Mai 1999 in Friedrichroda geboren. Seine Mutter arbeitet als Speditionskauffrau in einer Brauerei in Gotha, sein Vater besitzt eine Baufirma. Zwischen 2005 und 2015 besuchte Robin B. die Grund- und Regelschule und begann eine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann bei der WSD GmbH in Gotha. Seit 2018 ist er dort in dem Job tätig. Er befand sich vom 29. Juli 2020 bis 14. Januar 2021 in Untersuchungshaft. Seit dem 18. Januar arbeitet er wieder in der genannten Firma. Er ist immer noch mit seiner Freundin Frau L.zusammen.

Es werden die Einträge im Bundeszentraleregister verlesen. Am 28. Mai 2015führte Robin B. ein Pfefferspray auf einer Demonstration mit. Von einer Verfolgung wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz wurde abgesehen. Slebes gilt für einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz, wegen einem Pfefferspray am 16. Januar 2017.

Anschließend sagt Herr John S. Von der Jugendgerichtshilfe aus. Er gibt an, dass Robin B. aktuell bei seinen Eltern in Leinatal wohnt, er habe engen Kontakt zu den Großeltern, spielte im Alter von neun bis dreizehn Jahren Fußball bei Rot-Weiß Erfurt, trainiere im „Bushido“ Kampfsportstudio in Waltershausen und gehe angeln. Mit seiner Freundin sei er seit Januar 2019 zusammen, mit welcher er eine gemeinsame Wohnung in Bad Tabarz bezog, in der beide bis zu Robin B.‘s Verhaftung lebten. Seine Freundin mache eine Ausbildung im Gesundheitswesen in Bad Tabarz. 2017 habe Robin B. die Mitangeklagten beim Fußball kennengelernt. Er habe die taten reflektiert und es sei ihm wichtig sich davon zu distanzieren. Die Untersuchungshaft habe ihn abgeschreckt. Er sei froh, dass er auf Arbeit nicht stigmatisiert werde. Die Jugendgerichtshilfe empfiehlt eine Bewährungsstrafe und sieht eine positive Sozialprognose. Ein erstes Treffen habe mit der Jugendgerichtshilfe im Mai 2020 gegeben, allerdings im Rahmen einer anderen Anklage. Im März 2020 musste Robin B. bereits zur Jugendgerichtshilfe wegen einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung durch die Staatsanwaltschaft Erfurt. Der Verhandlungstermin wurde jedoch wieder aufgehoben.

Die Staatsanwaltschaft verliest eine Stellungnahme zu einem Beweisantrag vom Vortag. Es sei egal, ob es bei den Ackerkämpfen regeln gegeben habe oder nicht. Die Regeln seien entweder illegal oder falls legal, seien sie nicht durchgesetzt worden. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei dem Kampf gegen Frankfurt um ein U25-Match gehandelt habe. Sieben Erfurter seien jedoch älter als 25, darunter Paul H., Marcel T., Philipp M., Dennis D., Theo Weiland, Marco K., Steve W.. Der Beweisantrag sei nicht schlüssig.

Zum Beweisantrag Zeugen aus der JVA von Steve W. zu hören, äußert die Staatsanwaltschaft, dass die genannten Zeugen nicht brauchbar seien.

Es folgen drei weitere Beweisanträge von Rechtsanwalt Weisenbusch, Verteidigung Marco K.. Einmal geht es um den Chat zwischen „Paul Quappe“ und Marco K., vom 21. Februar 2019. Dieser sei zu verschriftlichen, das „Paul Quappe“ Tatmodalitäten mit Marco K. besprochen. Dies sei relevant zur Entlastung, da der Ablauf von Gorndorf vom Inhalt des Chats abweiche.

Weiterhin sollen Felix R. und Eric H. als Zeugen geladen werden. Sie sollen beweisen, dass Marco K. nicht in Gotha dabei war.

Außerdem sollen Maximilian B. aus Erfurt und Lukas M. aus Kölleda geladen werden. Beide seien aktive Mitglieder der Fanszene und hätten „Jungsturm“ zu Spielen begleitet. Sie sollen beweisen, dass Marco K. mindestens 30 Spiele pro Saison besuche und sich in der Fanszene engagiert habe, Choreografien durchgeführt habe usw.. In Krisenzeiten habe sich Marco K. ebenfalls mit dem Insolvenzverwalter von Rot-Weiß Erfurt getroffen. Außerdem solle es beweisen, dass „Jungsturm“ nicht auf Straftaten ausgerichtet gewesen war, sondern eine Fangruppe gewesen sei, der es um Support und Erhaltung von Fanfreundschaften zu LOK Leipzig und Halleschen FC ging. Erst zwei Jahre nach der Gründung seien Anfragen für Drittortauseinandersetzungen gekommen.

Es folgt ein Mitschnitt eines Telefonats mit Felix R. und Robin B. u vom 1. Febuar 2020. Robin B. sagt, man habe eine sportliche Perspektive für Mitte des Jahres. Man wolle warten, bis Felix R. wieder draußen ist und er solle sich fit halten. Man solle nach Aktionen wie in Gotha immer sein Handy löschen, Zettel verbrennen und zu Fuß kommen, nicht mit dem Auto, äußert Robin B. Außerdem gibt er an, er habe dem A. Einen Schädelbasisbruch in Gotha zugefügt, jetzt werden wegen versuchtem Totschlag ermittelt.

Es folgt ein zweiter Ausschnitt vom 3. Februar 2020. In Bezug auf Jena äußert Felix R., dass es „solche Juden“ seien. Es werde der Tag kommen, wo man sie erwischen würde. Felix R. sagt, er werde das nur noch machen lassen und Aufträge verteilen. „Irgendwann kriegen wir mal Zeiss“, wird geäußert. Außerdem wird über ein „fettes Schwein“ aus den eigenen Reihen gelästert, welches kampfmäßig nichts könne, der Polizei Namen genannt habe und nun Felix R. einen Brief ins Gefängnis schreiben wolle.

Es folgt die Verlesung der Verfügung des Richters, dass die Beweisantragsstellungsfrist nur noch bis zum 17. Februar 2021 laufe. Damit endet die Verhandlung.

17. Prozesstag: 10. Februar 2021

Die Verhandlung beginnt mit der Mitteilung, dass der Zeuge, welcher noch zum Überfall auf die Bowlingbahn in Saalfeld-Gorndorf 2019 befragt werden soll, nicht erscheinen kann, da sein Auto nicht anspringt. Es folgt die Vernehmung der Zeugin Louis B., welche mit Marco K. verlobt ist.

Die Zeugin gibt an, dass sie 22 Jahre alt ist, Speditionskauffrau und in Ilmenau wohnhaft. Sie wurde von Marco K.‘s Rechtsanwälten geladen und weiß, dass sie als Verlobte nicht aussagen muss. Allerdings will sie Ausführungen zum 21. und 22. Februar 2019 in Bezug auf den Überfall auf die Bowlingbahn in Gorndorf machen. Die Zeugin gibt an, sie sei mit Marco K. in die gemeinsame Wohnung gekommen. Dort habe man ferngesehen und Abendbrot gegessen. Hier äußerte Marco K. er müsse ihr etwas sagen muss. Er werde am nächsten Abend nicht da sein, da er mit den „Jungs“ unterwegs sein würde. Louisa B. gibt an, dass Marko K. schlecht lügen könne und sie mit nachbohren erfahren habe, welchen Plan es gäbe. Es habe einen heftigen Streit zwischen den beiden gegeben, den sie laut der Zeugin am Abend nicht mehr hätten beilegen können. Am nächsten tag sei Louisa B. von einer Nachbarin im Treppenhaus angesprochen worden, die den Streit gehört habe. Dies sei ihr unangenehm gewesen. Wütend soll sie zu Marco K. gegangen sein und ihm gesagt haben, dass sie die Beziehung beenden werde, wenn er fahren würde.

Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft sagte Louisa B., dass ihr Marco K. keine genauen Angaben zum Plan gemacht habe. Sie ging von einer einvernehmlichen Drittortauseinandersetzung aus. Den genauen Ort habe er ebenfalls nicht genannt, sondern nur das es gegen Jena-Fans ginge. Auf Nachfrage erklärt Louisa B. mit der Anklage habe sich ihr erschlossen, dass es sich bei dem Streitgrund um die Sache in der Bowlingbahn handele, da es der einzige Ort sei, bei dem man reingehen könne. Sie könne sich gut an den Streit erinnern und habe mit Marco K. darüber gesprochen. Er habe geweint, als er ihr von der zweiten Anklageschrift erzählt habe. Vorher berichtete Louisa B. ausschließlich, sie wäre lediglich durch die Rechtsanwälte über die Anklagepunkte informiert worden. Louisa B. gibt an, sie sei sich sicher, dass er am Ende des Streits nicht gefahren sei.

Zum Verhältnis zwischen Marco K. und ihr, gibt die Zeugin an, dass sie sich Mitte 2016 getroffen haben und seit dem 21. November 2016 zusammen sind. Im August 2017 seien beide zusammengezogen und seit dem 19. Januar 2020 verlobt. Die Hochzeitspläne haben sie aufgrund von Corona verschoben und sie wollten erst ein Kind, bevor sie heiraten würden. Auf die Frage was für Hobby Marco K. habe, sagte sie, er gehen angeln, zum Fußball und mit ihr spazieren. Als Fan von Rot-Weiß Erfurt gehe er zu allen Heim- und Auswärtsspielen. Sie selbst sei jedoch nie mitgekommen. Erst auf Nachfrage gibt sie an, dass Kampfsport ebenfalls ein Interesse von Marco K. ist. Er boxe gerne und habe ab und zu mit ihr Pratzentraining gemacht. Mehrmals in der Woche gehe er ins Fitnessstudio. Kampfsport habe Marco K., laut der Zeugin, hauptsächlich in Kirchheim in der Erlebnisscheune gemacht. Am Anfang sehr oft, ab Mitte 2019 viel weniger.

Bei Dominic B. handelt es sich um ihren Bruder, zu dem sie ein gutes Verhältnis habe. Er sei gut mit Marco K. befreundet und oft haben sie Zeit zu Dritt verbracht. „Jungsturm“ habe sie immer nur als Fangruppe gesehen, es seien alles tolle Jungs und Freunde. Sie kenne alle Angeklagten und ordne sie der Gruppe zu sowie Benjamin St, Dennis D., Marcel T., Richie B. Auf Nachfrage des Richters, der die zunehmende Unsicherheit der Zeugin bemerkt, ob Richie B. auch Teil des „Jungsturms“ sei, äußerte die Zeugin, dass sie das nicht so genau sagen könne. Es wären eben die Freunde von Marco K. gewesen.

Louisa B. gibt weiterhin an, dass sie nicht gewusst habe, dass die Ackerkämpfe Straftaten sind. Sie habe es lediglich für ein „außergewöhnliches Hobby“ gehalten. Sie hatte aber ständig Angst und Sorge um Marco K., der aber nie mit schlimmen Verletzungen zurückgekommen sei.

Zu den anderen Taten haben sie keine Erinnerung. Auf Nachfrage gibt sie an, dass sie Felix R. über Marco K. kenne, aber nur einmal gesehen habe. Für ihn seien Gelder gesammelt worden.

Sie erinnert sich ebenfalls, dass es bereits im Oktober 2019 bzw. auch danach Überlegungen gab, den „Jungsturm“ aufzulösen. Nachdem die Zeugin auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft angibt, sie habe erst spät von Drittortauseinandersetzungen erfahren und ihr sei der Begriff erst aus der Anklage bekannt, die sie entgegen der vorherigen Aussagen nur von den Rechtsanwälten von Marco K. habe, wird diese entlassen.

Der Richter gibt an, er wolle das Verfahren gegen Robin B., welches am 28. September 2020 erhoben wurde, in Bezug auf die vorgeworfene Tat am 22. Oktober 2016 einstellen gem. § 154 II StPO. Der Tatvorwurf bei der Strafverfolgung gegen Steve W. und Marco K. wolle er außerdem auf gefährliche Körperverletzung beschränken. Die Staatsanwaltschaft stimmt der Einstellung bei Robin B. in Bezug auf die genannte Tat zu. Es gäbe eine große zeitliche Differenz, außerdem wäre sein damaliges Alter relevant. In Bezug auf Marco K. und Steve W. stimmt er ebenfalls zu, der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung sei für diese Tat nicht ausreichend dargelegt. Ein ansonsten erforderliches Beweisaufnahmeverfahren, bei dem das Ergebnis fraglich sei, könne man so abkürzen.

Der Antrag wird aufgenommen.

Die Verteidigung bittet um eine Pause zur Beratung.

Rechtsanwalt Dann, Verteidigung Robin B., gibt an, dass sein Mandant zum Tatzeitpunkt bei einzustellender Tat Jugendlicher war. Dies führe dazu, dass alle Vorwürfe nach Jugendstrafrecht verurteilt würden. Ein Bericht der Jugendhilfe liege dazu vor. Diese Aussicht wolle man ungern aufgeben, da so eine komplette Behandlung nach Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme. Somit wird Widerspruch gegen die Einstellung eingelegt.

Die Staatsanwaltschaft erwidert, dass diese Sorge unbegründet ist. Nach § 32 JGG wird die Entscheidung ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht bei mehreren Tatvorwürfen auf den Schwerpunkt der Taten abgestellt, die Tat sei für die Entscheidung aufgrund der zeitlichen Differenz für die Entscheidung irrelevant. Rechtsanwalt Dann, Verteidigung Robin B., widersprecht dem und bezieht sich auf die „Wurzeltheorie der Rechtssprechung“. Die Kammer zieht sich zur Beratung zurück.

Der Richter erklärt, dass die Wurzeltheorie nicht zu beachten sei und die zwei vorgeschlagenen Anträge gestellt worden sind.

Der Richter äußert, er wolle bald die Beweisaufnahme schließen und richtet sich an die Verteidigung, die letzten Beweisanträge und Zeugenladungen zu stellen.

Daraufhin stellt Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., zwei Anträge. In Bezug auf den Ackerkampf am 23. Mai 2019, sei alles einvernehmlich, geregelt, mit mehreren Schiedsrichtern und ohne Waffen an einem abgeschiedenen Ort gewesen. Ein BGH-Urteil, welches Drittortauseinandersetzungen als strafbar einstuft begründet es mit fehlenden Regeln und Gefährdung Unbeteiligter. Dies hätte dort nicht vorgelegen. Er beantragt daher die Ladung der Zeugen Paul H., Marcel T., Eric H., Dominic B., Philipp M., Dennis D., Felix R., Roy-Peter K. sowie Philipp P.. Die beiden letztgenannten sollen als Schiedsrichter fungiert bzw. als Zuschauer fungiert haben. Dies soll bestätigen, mit wie vielen Regeln diese Kämpfe ablaufen, mit dem Ziel das benannte BGH-Urteil auf diesen Fall nicht anwenden zu können.

Außerdem müssen die Tritte ins Gesicht und andere Körperverletzungen, die den Angeklagten durch die Täter zugefügt worden sind, mit berücksichtigt werden. Zu allen weiteren Ackerkämpfen sollen soll jeweils ein Antrag analog gestellt werden. Dem schließt sich die Verteidigung von Robin B. und Theo Weiland an.

Der zweite gestellte Antrag bezieht sich auf die Mittätertrennung in der JVA in Bezug auf Felix R. sowie den damit einhergehenden Arbeitsverbot für Steve W.. Er wolle aufgrund der Schlafprobleme den Anstaltsarzt Huber laden sowie einen Justizmitarbeiter der JVA.

Die Staatsanwaltschaft kündigt für den nächsten Verhandlungstermin eine Stellungnahme dazu an.

Damit wird die Verhandlung beendet.

16. Prozesstag: 4. Februar 2021

Die Verhandlung beginnt mit einer Nachfrage des Richters zur Einlassung von Marco K.. Dort sagte er, dass es sich bei der Einlassung gegenüber dem Haftrichter zum Überfall in Gotha, um eine Schutzbehauptung handelte. Er gab vor dem Haftrichter an, er war zu dem Zeitpunkt nach dem Auswärtsspiel mit Robin B., Dominic B. und Till M. in Georgental zum Angeln verabredet, von der Sache in Gotha habe er erst später erfahren. Marco K. bestätigt, dass er dies vor dem Haftrichter so angegeben habe.

Es folgt das Abspielen diverser Audiodateien abgehörter Telefonate, welche zum Großteil in schlechter Qualität waren und deshalb nur schwer verständlich sind.

Am 7. Februar 2020 wird der Anruf von Marco K. an den inhaftierten Felix R. zu dessen Geburtstag mitgeschnitten. Mehrere Personen gratulieren Felix R. am Telefon, darunter Robin B., Dennis D., Eric H., welcher ihm gegenüber äußert es gäbe in Saalfeld immer mehr „Zecken“.

Ein weiteres Gespräch am 27. März 2020 zwischen Marco K. und Felix R. wurde mitgeschnitten. Felix R. war seit Oktober 2019 inhaftiert, konnte sich allerdings immer wieder Telefone in der JVA illegal besorgen. In Bezug auf Hausdurchsuchungen bei Jena-Fans, äußerte Marco K. seine Freude darüber, fragte sich aber warum es für solche Sachen gleich Hausdurchsuchungen gäbe. Daraufhin antwortete Felix R.: „Naja die Juden…“, woraufhin Marco K. äußerte: „Ja, wenn Kanaken hier was machen, in den Straßen, gibt es keine Hausdurchsuchung.“. Felix R. äußert in dem Gespräch, dass ihm Eric immer wieder Handys besorgt haben soll.

Am 19. April 2020 wurde ein Gespräch zwischen einer männlichen Person und Felix R. mitgeschnitten. Darin äußerte Felix R., die andere Person müsse mal in Haft kommen, da lerne man sich durchzusetzen. Weiterhin wird der Verdacht geäußert Marco K. sei V-Mann für den Verfassungsschutz, da bei ihm keine Durchsuchungen stattgefunden haben. Felix R. sagt dazu: „Selbst Bifi hatte ne Hausdurchsuchung, aber Marco nicht. Typisch V-Mann.“ (Anmerkung: „Bifi“ ist der Spitzname von Steve W.)

Am 30. Januar 2020 telefonierten Marco K. und Felix R..

  • „Richie zieht sich auch irgendwie komplett zurück. Von wegen kein Bock mehr auf Fußball und alle wollen aussteigen.“
  • FR: Jungsturm löst sich nicht auf oder?
  • MK: Können wir das Thema wechseln?
  • MK: „ Wir lösen das Gruppenkonto auf und machen alles nur noch in bar. Erstmal die Luft aus der Sache rauslassen, nach außen einen Riegel vorschieben.“
  • FR: „Das verletzt mich..“
  • MK: „Och Mann, lieb mich!“
  • FR: Das macht mich wirklich traurig.“
  • MK: „Ich weiß. Ich hab die Gruppe fünf Jahre mit aufgebaut… Aber die Mehrheit war eben dafür..“
  • FR: „Scheiße.“
  • MK: „Tut mir leid, Rexi.“
  • FR: „Das war so ein schöner Name: Jungsturm.“
  • MK: „Ich weiß. Wie sich die Horda da einen runterholt drauf… die kommen doch aus dem Feiern nicht mehr raus. Auch bei uns hat sich der rechts-links-Konflikt zugespitzt und jetzt meinen die, dass die Kurve denen gehört.“
  • FR: „Scheiße, dass das auch noch jetzt passiert, wo Erfurt auch noch absteigt.“
  • FR: „Mich macht das gerade übelst traurig, das zieht mich voll runter.“
  • MK: „Mann, Rexi, das darf jetzt nicht so rüberkommen, dass die ganze Scheiße umsonst war.
  • Louisa B. aus dem Hintergrund: „Ihr müsst euch doch nur einen neuen Namen geben.“ Louisa B.: „Hallo Felix!“
  • Reck: „Hallo.“
  • Louisa B.: „Ihr seid doch trotzdem noch zusammen, ihr müsst euch nur einen neuen Namen geben.“
  • MK: „Wir bekommen den Karren schon wieder aus dem Dreck gezogen.“

Aufgrund technischer Probleme wird die Sitzung für diesen Verhandlungstag beendet.

15. Prozesstag: 3. Februar 2021

Die Sitzung beginnt mit einem Hinweis des Richters, dass Mund-Nasen-Schutz aufgrund der Größe des Saals aufzubehalten sei. Dies wird von der Verteidigung kritisiert, da ein Vermummungsverbot gelte. Die Diskussion sei laut Gericht überflüssig, da der Ausnahmetatbestand dies rechtfertige. Es erfolgt eine Pause und eine Beschluss zur Beanstandung. Das Tragen des Mund-Nasen-Schutz sei geboten, lediglich, wenn die Angeklagten über ihre persönlichen Verhältnisse reden, sei dieser abzunehmen ist. Robin B. wird von der Sitzung beurlaubt und hat am 4. Februar wieder anwesend zu sein, da er nach seiner Covid-19 Infektion nicht mehr infektiös sei.

Es geht weiter mit den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten Theo Weiland. Dessen Mutter ist OP-Helferin auf der Urologischen Station. Sein Vater Pfleger in Saalfeld, er leite dort die Intensivstation. Er hat einen jüngeren Bruder sowie eine ältere Halb-Schwester.

Theo Weiland ist in Saalfeld geboren und aufgewachsen, besuchte von 2000 bis 2004 die Grundschule und anschließend das Gymnasium. 2012 folgte der Umzug nach Halle, wo er Sportwissenschaften und Psychologie im Bachelor studierte. 2018 schloss er ab. Ab 2014 war er nebenberuflich bei „La Familia Halle“ u.a. als Kindertrainer angestellt. 2012 begann er Kampfsport als Leistungssport zu betreiben, wobei er 2017 deutscher Meister im K1 wurde. Seine Karriere sei allerdings jetzt beendet, aufgrund der „aktuellen Ereignisse“.

2016 arbeitete er Vollzeit bei „La Familia Halle“ und wurde 2018 stellvertretender Vorsitzender. Im Zuge dessen bildete er sich fort im Bereich des Breitensports und der Ernährungslehre. Am ende hatte er zwei Auszubildende unter sich. Jetzt sei er nicht mehr bei „La Familia Halle“ angestellt. Seit seiner Haftentlassung arbeite er bei HAL-Service GmbH und mache dort Wohnungsübergaben und Hausmeistersachen. Außerdem arbeite er auf 450 € Basis in Merseburg bei einem Allgemeinmediziner, wo er eine Festanstellung nach dem Ende der Probezeit in Aussicht habe. Zur Zeit renoviere er eine Doppelhaushälfte gemeinsam mit seiner Freundin.

Es werden die Einträge im Bundeszentraleregister verlesen. Am 22. November 2017 soll sich Theo Weiland im Bruno-Plache-Stadion von LOK Leipzig im Derby gegen BSG Chemie Leipzig vermummt haben. Dafür bekam er einen Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen a 40,00 €.

Es folgen die persönlichen Verhältnisse von Marco K.. Seine Mutter arbeite im Krankenhaus in Bad Berka, sein Vater sei arbeitssuchend. Er hat einen zwei Jahre jüngeren Bruder. Als Kind lebte er in Arnstadt, bis ein Umzug zu den Großeltern erfolgte. Zwischen 1999 und 2009 besuchte er erst die Grund-, dann die Regelschule. Bis 2013 lernte er Zerspahnungsmechaniker in Ilmenau, wo er bis zu seiner Verhaftung tätig gewesen war, u.a. als Schichtleiter. Bis zum Verfahrenswende ist er von der Arbeit freigestellt. Im Jahr 2016 kam er mit Louisa B. zusammen, seit einem Jahr sind sie verlobt.


Es werden die Einträge aus dem Bundeszentralregister verlesen. Am 8. Februar 2017 trug er ein Messer an einer Kette um den Hals bei einem Fußballspiel in Bad Blankenburg. Er wurde wegen Führen von Schutzwaffen in Höhe von 50 Tagessätzen a 50,00 € verurteilt.

Am 19. Juni 2017 folgte eine Nötigung und Landfriedensbruch beim Auswärtsspiel des FC Rot-Weiß Erfurt in Münster. Dort wurde nach dem abbrennen von Pyrotechnik das Eindringen von Polizisten in den Gästeblock mittels körperlicher Gewalt verhindert. Hierfür wurde er zu 60 Tagessätzen a 30,00 € verurteilt.

Am 14. April 2018 folgte eine Körperverletzung in Ilmenau. Hierfür wurde Marco K. zu 90 Tagessätzen a 1.350 € verurteilt.

Steve W. äußert sich zu seinen persönlichen Verhältnissen. Seine Mutter sei arbeitsunfähig, sein Vater fahre Medikamente aus. Er ist in Döllstätt bei Tonna aufgewachsen. Er ging bis zur 8. Klasse in die Schule, die 9. Klasse schloss er in der Berufsschule ab. Es folgte eine Lehre als Maler und Lackierer in Neudietendorf. Oft habe er die Leitung auf Baustellen gehabt, obwohl viele Kollegen deutlich älter gewesen seien, worauf er stolz sei. Da sein Chef jedoch immer wieder nicht zahlte kündigte Steve W. das Arbeitsverhältnis. Ab 2012 arbeitete er als Leiharbeiter im Garagenbau. Dort bewarb er sich bei einer Firma und wurde übernommen. Dafür erwarb er einen Führerschein. An den Wochenenden arbeite er als Security. Durch seinen Haftaufenthalt habe er seine Arbeit, seine Wohnung und die Freundin verloren, er habe nichts mehr, außer Schulden. Er sei außerdem nicht mehr versichert. Deshalb habe er keine Einlassung abgegeben. Er habe nichts mehr und weiß nicht wohin, nur darum habe es bisher keine Einlassung gegeben. Anschließend spricht er seine Haftbedingungen an. Er sei wegen der Mittätertrennung den ganzen Tag in der Zelle, nehme regelmäßig Schlaftabletten. Steve W. betont mehrmals, dass er nichts mehr habe und nur deshalb keine Einlassung kam. Der Richter erwidert, dass eine solche Einlassung in einem Verfahren eine wichtige Sache sei und getrennt von der Untersuchungshaft und deren Bedingungen zu sehen ist.

Es gibt keine Einträge im Bundeszentralregister.


Die Sitzung wird beendet.

14. Prozesstag: 21. Januar 2021

Die Verhandlung beginnt mit der Einlassung von Marco K..
„Ich wurde am 20.07.1992 in Arnstadt geboren. Mein Bruder ist Dominik, zu dem ich immer ein gutes Verhältnis hatte. Ich begeisterte mich immer für Sport, insbesondere Fußball und Kampfsport.Bis ich 18 Jahre alt war spielte ich Fußball, musste es dann aber wegen Verletzungen beenden. Mit 18 Jahren begann ich mit Kraftsport und Boxen. Mein bester Freund war Marcel Thomas, mit dem ich einen eigenen Boxring aufbaute. Ende 2016 habe ich meine Freundin Luisa kennengelernt und wir planten eine eigene Familie zu gründen. Die Untersuchungshaft hat mir besonders am Anfang stark zu schaffen gemacht.Ich besuchte die Regelschule Dirnfeld, dann das Gymnasium in Arnstadt und dann die Regelschule in Stadtilm. Nach der Schule machte ich eine Ausbildung zum Zerspannungsmechaniker und arbeitete bis zu meiner Haft als Schichtführer.Zum Jungsturm: Der Jungsturm war ein Fanclub und Teil der aktiven Fanszene Erfurts. Das Begehen von Straftaten stand nicht im Vordergrund und war nicht das Ziel der Gruppierung. Das Ziel war den RWE zu unterstützen. Die Gruppe war unser Hobby und wir unternahmen viele Aktivitäten gemeinsam. Auch haben wir andere Gruppen der aktiven Fanszene Erfurts finanziell unterstützt. Ich selbst bin auch Mitglied des RWE. Als Jungsturm haben wir uns, als der RWE insolvent ging, mit den Insolvenzverwaltern getroffen und besprochen, wie es in Zukunft weitergeht.Bei Auseinandersetzungen haben wir nie Jungsturm-Kleidung getragen, wollten uns nicht als Gruppe profilieren, sondern etwas für den RWE tun. Bei den Auseinandersetzungen handelte es sichum sportliche Auseinandersetzungen, bei denen es darum ging sich sportlich miteinander zu messen. Den Boxraum in Kirchheim gab es schon vor dem Jungsturm.In der Gruppierung wurden nie Chefs gewählt und es gab auch keine. Teilweise war es eine etwas chaotische Organisation.Die Kontakte nach Bulgarien beschränkten sich ausschließlich auf Fußballaspekte. Die Kontakte zum HFC und Lok Leipzig entstanden durch Einzelkontakte einzelner Mitglieder des Jungsturms.An der Drittortauseinandersetzung in Hessisch-Lichtenau habe ich teilgenommen. Mir war nicht bewusst, dass es strafbar ist, für mich handelte es sich um einen normalen Boxkampf nur nicht im Ring, sondern unter freiem Himmel. Es wurden bewusst abgelegene Orte gewählt, da wir keine Unbeteiligten beeinträchtigen wollten. Bei jedem Kampf gab es Kampfrichter, die dafür zuständig waren schwere Verletzungen zu verhindern. Bei den Kämpfen kämpften nie mehr als 22 Teilnehmerund auch das war eine Ausnahme, da es sonst zu unübersichtlich geworden wäre. Ich habe mich immer an die Regeln der Kämpfe gehalten. Nach dem Kampf wurde sich gegenseitig die Hand gegeben.In Gotha war ich nicht dabei. Der Jungsturm wurde nicht für so etwas gegründet. Meine frühere Einlassung dazu war falsch. Es handelte sich um eine Schutzbehauptung, um mich und andere zu schützen.

Bei der Bowlingbahn in Gorndorf war ich nicht beteiligt, aber an der Planung beteiligt. Dem ging ein Angriff durch Jenaer Fans voraus. Ich fand es falsch einfach reinzustürmen, da ich keine Unbeteiligten verletzen wollte. Es draußen zu klären, wäre für mich ok gewesen. Am Abend davor hatte ich einen Streit mit Luisa über diese Aktion. Sie wollte nicht, dass ich teilnehme und sagte, dass sie sich deswegen auch trennen würde. Daraufhin habe ich mich nicht beteiligt.Die Untersuchungshaft hat mich sehr beeindruckt. Ich kann meine früheren Taten nicht ungeschehen machen, werde sowas aber nie wieder wiederholen.“

Durch die Verteidigung sind keine Fragen an den Angeklagten zugelassen.

Es folgt die Vernehmung der ersten Zeugin, Kriminalkommisarin U. von der KPI Saalfeld. Sie war mit der Auswertung von zwei Telefonen von Theo Weiland und einem von Steve W. beauftragt. Bevor die Befragung beginnt, äußert der Richter, dass im Bericht der Zeugin viel auftauche, was nicht relevant sei und deshalb weggelassen werden soll.

Zum Telefon von Steve W. gibt die Zeugin an, dass hier drei relevante Gruppenchats gefunden worden sind. „JS Erfurt“, mit dem festen Kern, „Kerniegruppe 2.0“, als Umfeldgruppe und der Gruppenchat „Gruppenboxen“. In der Gruppe „JS Erfurt“ fanden sich u.a. die vier Angeklagten wieder. In der „Kernigruppe 2.0“ waren zusätzlich noch Felix R., Thomas Z., Eric H. und Kevin N.. „Gruppenboxen“ wurde vor allem durch Marco K. und Marcel T. geleitet. In der Chatgruppe „5 Jahresfeier“ befanden sich die selben Mitglieder wie in „JS Erfurt“.

Zum Überfall am Bahnhof in Saalfeld gab es ebenfalls diverse Chats mit Hinweisen. Steve W. schrieb mit einem Oskar Sch. sowie einem Patrick V., die ihn in Erfurt besuchen wollten. Außerdem mit einem Pascal O., der sich zur Wohnung von Steve W. hat fahren lassen. Weitere Nachrichten belegen laut der Zeugin, dass sie sich zum Tatzeitpunkt nicht in der Wohnung aufgehalten haben. In der Kommunikation zwischen Steve W. und Phillip M., fragte M., gegen wen es heute gehe. Steve W. äußerte, dass er für M. einen mit weg mache. Es folgten diverse Screenshots im Nachgang von Artikeln sowie zur Sektion 1.

Weitere Hinweise gab es zu Chats in Bezug auf Gotha. In einem Chat zwischen Steve W. und Roy-Peter K., fragte K. wie der Abend verlaufen sei. Steve W. antwortete mit „lief mega“.

In einem weiteren Chat mit Michael St., fragte St. bei W. nach, warum der Chatverlauf gelöscht worden ist. W. gab daraufhin an, dass dies „wegen gestern“ sei. St. fragte ebenfalls ob Felix R. dabei war, woraufhin Steve W. äußerte, dass er sich hinter ihm abgeduckt habe. Im Chat mit Marco K. gab Steve W., auf Nachfrage an, dass dessen „Haube“ noch lebe. Steve W. schrieb außerdem seinem Bruder, dass er sich am Fuß verletzt habe.

Weiterhin schrieb er mit einem „Reimo“, laut der Zeugin ein Freund von Steve W.. Diesem schickte er Artikel zum Landfriedensbruch sowie die Info, dass er am Fuß verletzt sei.

Weitere Hinweise fanden sich laut der Zeugin zu diversen Ackerkämpfen. Dabei vor allem zum Kampf gegen Frankfurt, Koblenz und Babelsberg. Steve W. erhielt nach dem Kampf gegen Frankfurt diverse Glückwünsche, es wurde sich über Verletzungen ausgetauscht. Mit einer „Sophie XS“ schrieb Steve W. über Besuch im Krankenhaus. In einem Chat mit Patrick G. Schickte Steve W. eine Sprachnachricht. Darin beschrieb er den Ablauf des Kampfes und was er danach gemacht habe und er kaum noch laufen konnte. Es folgten weitere Chats mit „Oskar HFC“, „Coppo“, „Sussi Susanne“ sowie mit einem „Dort von Duft“ und „Reimo“, wobei es immer um Verletzungen ging. Zum Kampf am 11. Februar 2019 gegen Koblenz gab es Hinweise im Chat zwischen Florian V. und Steve W., wobei daraus hervorgeht, dass Florian V. am Kampf beteiligt war. Weiterhin gab es einen Chat mit „Hoffi LOK“, bei dem es sich laut der Zeugin um Paul H. handelt. H. wurde gefragt, ob er gut heimgekommen sei. Außerdem wurden drei Bilder der Teilnehmer am Ackerkampf ausgetauscht.

Zum Kampf gegen Babelsberg tauschten sich Steve W. und sein Bruder aus. Ihm teilte er mit, dass er nicht aktiv am Kampf beteiligt gewesen sei, aber es ein fünf gegen fünf gab, welches nach wenigen Sekunden entschieden wurde.

Weiterhin fanden sich laut Zeugin Hinweise zur Gruppenstruktur des „Jungsturm“. Es wurden Fotos gefunden, bei denen es um einen Fahnenentwurf 2014 ging, außerdem um Fotos von Entwürfen für „Bandentattoos“. Weiterhin fanden sich Fotos von einem Dauerauftrag des Phillip M. sowie Nachrichten mit Bezug zum Gruppenkonto bei der DKB und Theo Weiland die Finanzen verwalte. Außerdem wurde sich ausgetauscht, über den Kampf von Robin B. beim „Tiwaz“. Es wurde sich über Gruppenreisen und Ausflüge ausgetauscht. Steve W. schrieb Ende 2019 an Robin B., dass er darüber nachdenke die Gruppe zu verlassen, da er sich in der jüngeren Vergangenheit zu viele Verletzungen zugezogen habe. Er sei außerdem unzufrieden mit der Gruppenstruktur. B. sprach ihm zu, er solle es sich nochmal anders überlegen.

Anschließend wird die Sprachnachricht von Steve W. an Patrick G. abgespielt, in der er über seine Verletzungen spricht.

Es folgen diverse Bilder vom Telefon, darunter Gruppenbilder von einem Ackerkampf. Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., möchte wissen, warum als Erstellzeit des Fotos 21 Uhr angegeben sei. Die Zeugin gibt an, dass dies nicht die Erstellzeit sein muss, sondern kann die Empfangszeit sein. Rechtsanwalt Dann, Verteidigung Robin B., schließt sich an und fragt, ob überhaupt eine richtige Zeit auf dem Handy festgestellt werden konnte. Die Zeugin bejaht, da dies aufgrund der konkreten Nachrichten überprüft werden konnte.

Rechtsanwalt Pinkes möchte wissen, wenn die Zeugin sagt Steve W. habe Essen für die Fünf-Jahresfeier gemacht, was er gemacht habe. Die Zeugin gibt Kartoffelsalat an, wobei der Richter aus der Akte ergänzt, dass dies von seiner Mutter gemacht worden ist.

Es erfolgt die Auswertung des Handy Samsung Galaxy S9 von Theo Weiland. Auf diesem konnte laut Zeugin Hinweise zu Saalfeld, Gotha und mehreren Ackerkämpfen gefunden werden. Dabei gab es vor allem zwei relevante Chatgruppen, „JS Erfurt“ und „Naturfreunde“. Eine Gruppe war feste Kern des „Jungsturm“, in der anderen wurde die Vorbereitung der Ackerkämpfe besprochen.

Zu Saalfeld gab es Hinweise im Chat zwischen Theo Weiland und Daniel R., wobei R. fragte ob Weiland das „Paket“ am Freitag mitbringe. Es wurde hier besprochen, dass jemand in Jena die Augen offenhalte müsse, da alle erwischt werden sollen. Außerdem wurden Treffpunkte besprochen.

Es fanden sich zudem Hinweise zu Gotha. Aus den Chats ergibt sich, dass „Jungsturm“ an diesem Tag auswärts in Berlin zum Fußball war. Weiland schrieb einem Freund, dass sich beim Fußball noch spontan etwas ergeben habe, darüber wolle er am Handy aber nicht sprechen. Gegen 20 Uhr habe sich Weiland mit Dominic B. verabredet, den er fragte ob ein Sch. und V. dabei seien. Robin B., Dominic B. und Till M. waren an diesem Abend in Leinatal bei Robin B.‘s Eltern. Laut der Zeugin deuten die fehlenden Mobiltelefonaktivitäten darauf hin, dass Weiland das Telefon abgeschalten habe. Ab 23:30 Uhr wurde wieder in der „Kernigruppe 2.0“ kommuniziert. Es wurde, laut der Zeugin, dazu aufgerufen Telefone sauber zu machen, Chatverläufe zu löschen und das es ein geiler Abend gewesen sei. Es gab weitere Diskussionen in der Gruppe am Folgetag mit Bezug zur Tat. Es wurde Kontakt zu „GruppaOF“ hergestellt sowie Artikel und Links ausgetauscht. Es folgten weitere Chats zwischen Marco K. und Theo Weiland. Darin beschreibt Weiland, er sei von einem S. Kontaktiert worden, wegen der Übergabe einer Gürteltasche, die einem Geschädigten entwendet wurde. Marco K. war im Besitz des Portmonnaie. Mit S. Wurde ein Treffen am 28. Juli 2019 vereinbart auf dem Erfurter Domplatz. Ihm wurde sichere An- und Abreise zugesichert. An dem Treffen sollen Theo Weiland, Marco K., Till M. sowie eine weitere Person teilgenommen haben. Am Tatabend selbst waren fast alle in der Gruppe dazu aktiv. Es wurde geschrieben „Zimbo“ (Thomas Z.) habe die Nerven verloren. Sowohl Weiland als Till M. schrieben, dass sie verletzt sind. Robin B. schickte zusätzlich einen Link zum Überfall in die Gruppe, wobei von 150 Angegriffenen die Rede war und kommentierte dies mit „Wahnsinn“. Nach dem treffen auf dem Domplatz, schrieben sowohl Weiland als auch Marco K., dass zum Glück A. nicht beim Treffen war, dieser liege mit Verdacht Schädelbasisbruch im Krankenhaus.

Es folgten diverse Sprachnachrichten zum Teil mit äußerst rassistischem Inhalt.

Weitere Hinweise fanden sich zum Kampf gegen Frankfurt. Dort gab es Bilder sowie Videos die verschickt worden sind. Felix R. soll Verletzungen am Knie gehabt haben R. am Ohr, Weiland einen Tritt gegen Kopf bekommen und später von einer Hirnblutung gesprochen haben. Roy-Peter K. schickte ein Gruppenbild, welches in der Nähe von Hessisch-Lichtenau aufgenommen wurde. Der Sieg wurde immer wieder kommentiert, so die Zeugin.

In einem Chat mit „Pfiffi Erfurt“ wurde Weiland beglückwünscht. Dieser schilderte eine „Schlacht“ sowie eine mega Leistung der Gruppe, ähnliches fand sich im Chat mit „Lukas Halle“, mit einem „Fischer“ und „Roy Erfurt“.

13. Prozesstag: 20. Januar 2021

Nach der Eröffnung teilt der Richter mit, die Verteidigung Marco K. habe eine geständige Einlassung für den 21. Januar 2021 angekündigt. Des Weiteren sei ein Wolfgang T. als Zeuge geladen werden. Dieser sei bei Nachermittlungen von Bedeutung gewesen und soll in Bezug auf den Angriff auf die Bowling Bahn in Saalfeld Gorndorf 2019 befragt werden.

Für den Prozesstag ist der Zeuge G. von der Kriminal Polizei Saalfeld geladen. Seine Aufgabe war die Auswertung von Datenträgern, womit vorher die/der Kollege/in T. beauftragt war. Zeuge G. war mit der Auswertung der Handys Marcel T., Robin B., ein Telefon von Steve W, zwei Telefone von Marco K. sowie einem Handy von Theo Weiland beauftragt. Des Weiteren wertete er den Laptop von Richie B. und die Koordinaten aus der Standortbestimmung der Telefone aus.Der Richter merkt nach der Belehrung an, dass viel aus dem Umfeld bei der Auswertung zum Vorschein kam. Er möchte sich jedoch hier nur auf Sachen konzentrieren, die Teil der Anklage sind.

Es beginnt die Auswertung des Handys von Marcel T. Der Zeuge gibt an, es seien vor Beschlagnahmung des Handys fast alle Daten gelöscht worden. Bei Marcel T. handle es sich um den Schwiegersohn des Betreibers des Hotels in Kirchheim, dort haben die Trainingseinheiten des „Jungsturm“ stattgefunden. Aus dem Handy konnten lediglich noch Sprachnachrichten gezogen werden. Diese stammten vom 29. Oktober 2019, aus Chat zwischen Robin B. und Marcel T.. Die gelöschten Daten wurden unter einem Pfad gefunden und konnten wiederhergestellt werden. In Sprachnachrichten wurde ein Landfriedensbruch thematisiert.

Nachricht Robin B. an Marcel T.: …“es geht zweimal um die Saalfeld Dinger da waren wir beide ja auch dabei“

Anmerkung des Zeugen, es handelte sich um Angriffe auf Jena-Fans am Bahnhof in Saalfeld 2018 sowie Bowlingbahn 2019. Die Nachrichten waren im Anschluss an die erste Durchsuchungen bei Felix R., Steve W. und Theo Weiland im Oktober 2019 versendet worden. Robin B. und Marcel T. tauschen sich über die Vorwürfe aus und Robin B. fragt Marcel T. an, ob „Jungsturm“ nach Spiel des FC RWE in Kirchheim ein Krisentreffen machen könne. Man wolle in Ruhe quatschen und dafür nicht in eine Kneipe. Man wolle auch darüber sprechen, wie man Felix R. im Knast helfen könne, welcher verhaftet wurde. Marcel T. fragt, warum Felix R. in U-Haft sei.

Die Verschriftlichung der Sprachnachrichten wird erst verlesen, aufgrund technischer Probleme am Laptop des Zeugen, danach aber nochmal als Audio über Laptop der Staatsanwaltschaft abgespielt.Weitere relevante Daten konnte im Handy von Marcel T. nicht gefunden werden.

Zur Auswertung des Handy Robin B. Der Zeuge gibt an, dass dort nichts anklagerelevantes dabei sei, da Handy Robin B. erst bei dessen Festnahme 2020 beschlagnahmt wurde und sich somit auf Zeit nach der Razzia Oktober 2019 bezieht. Richter fragt nach, ob es relevante Infos in Bezug auf Verhalten der Gruppe bzgl. des Prozesses gab. Der Zeuge erklärt, es habe Nachrichten mit Spendenaufruf von Robin B. gegeben. Außerdem schrieb er mehrere Personen an. Niemand solle zu dem Prozess erscheinen als Besucher, es sollen keine Aussagen kommen wie „die Bande“ oder, wenn Leute wieder draußen sind, werde man „richtsch einen druff machen“. Der Zeuge sprach von Verhaltenskodex, den Robin B. mit gleichem oder ähnlichem Inhalt verschickt habe.

Chat zwischen Robin B. und „Kevin Esa“ (Kevin N.) vom 09. Juli 2020 wird verlesen: „Keiner solle zum Prozess kommen, war letzte Instruktion von Theo.“

Chat zwischen Robin B. und „Marius SLF“ (Marius M.) vom 10. Juli 2020: selber Inhalt.

Chat zwischen Robin B. und Marius M. vom 22. Juli 2020: Man wisse nicht, wer vierte Person ist. Erstmal abwarten, wer diese Person sei, danach geht es weiter. Robin B. geht davon aus, es können nicht alle verhandelt werden, deshalb erstmal nur vier und danach Stück für Stück mehr. Es wird spekuliert wie Verfahren weiter läuft.

Chat zwischen Robin B. und „Zimbo“ (Thomas Z.): Selber Inhalt wie mit Kevin N..

Zur Auswertung Handy Steve W.. Der Zeuge gibt an, dass Handy schon sehr alt sei, von 2016/17. Es fänden sich darauf mehrere Hinweise auf Wald- und Wiesenkämpfe sowie Messenger Gruppen „JS-Erfurt“ auf Telegram. Alle Mitglieder konnten dort identifiziert werden: Theo Weiland, Steve W., Marco K., Robin B., Benjamin St., Till M., Richie B., Philipp M., Roy-Peter K. und Dominik B.. Richter fragt nach Hinweisen zu Ackerkampf gegen Essen am 22. Oktober 2016 und merkt an, dass es nicht Ackerkampf Dezember 2016 gegen Kiel sei, dieser sei nicht Teil dieses Verfahrens. Der Zeuge gibt an, er könne sich daran nicht klar erinnern, was die Auswertung ergeben habe. Weiter geht es um Chatverlauf Steve W. mit Marco K.: Man wolle als Gruppe in Erfurt in der „Volksgemeinschaft“ trainieren. Weiterhin seien in diversen Chats immer Listen rumgegangen, damit sich eingetragen werden kann, wer an welcher Aktion teilnimmt. Es folgt ein richterlicher Vorhalt zu Kampf gegen Essen. Auf Liste standen: Marco K., Eric H., Philipp M., Steve W., Benjamin St., Theo Weiland , Till M., Roy-Peter K.. Bezüglich „Francesco“ (Spitzname Robin B.) war man sich unsicher, er sollte eventuell Ersatz sein.

Am 23. Oktober 2016 gab es Chat zwischen Steve W. und Richie B.. Dieser fragt, ob alles klar sei. Steve W. antwortet: „JS zum Glück“. B. fragt, ob Deckung oben war. Steve W. bejaht. Frage B. wie sich „Francesco“ (Robin B.) geschlagen habe. Steve W. sagt besser als Roy (Roy-Peter K.).

Es wird festgestellt, dass es immer wieder menschliche Probleme zwischen Steve W. und Marco K. gab. Steve W. wollte mehrmals „Jungsturm“ verlassen, Marco K. wirkte darauf hin, dass er wieder zurückkommt. Chat zwischen Steve W. und Marco K. bestätigt dies. Steve W. solle bleiben, er sei vollwertiges Mitglied. Er habe mit auf die Fahne aufzupassen. Die habe bei „Francesco“ (Robin B.) und dem „Dicken“, laut dem Zeugen Dominic B., nichts zu suchen.

Chat zwischen Steve W. und Richie B. bestätigen diese Probleme ebenfalls. Steve W. solle nicht immer gleich rumbocken und aus der Gruppe austreten. Lieber sollte man sich treffen und jeder sagt was zu Problemen. Antwort Steve W. war, er komme nicht zurück, aber sei weiter ansprechbar, denn Jungsturm sei ja schon ein guter Haufen.

Chat zwischen Steve W. und Richie B. beschäftigte sich mit Orga-Sachen. Es ging um Austausch über Shirt für „Jungsturm“ mit Beschriftung. Dazu merkt der Zeuge an, dass Richie B. Bestellung, Motive sowie Druck übernommen. Jedes Stammmitglied habe solche Shirts bekommen.

Es werden die Lichtbilder des Telefons ausgewertet. Darunter Mobfoto in rot-weißen Shirts u.a. mit Marco K., Roy-Peter K. und Till M., Bild wie Person mit roter Sturmhaube und Hooliganshirt eine Kamera übersprüht, Gruppenbild auf Waldweg vermutlich vor oder nach Ackerkampf darunter Roy-Peter K., Steve W., Till M. und Theo Weiland, Bild Dominik B., Roy-Peter K., Philipp M. und Steve W. auf einer Kirmes, Gruppenbild vermummt Jungsturm, eine Person mit Hitlergruß und JS Shirt, Jungsturm-Gruppenbild mit Banner Philipp M., Roy-Peter K., Richie B., Marco K., Steve W., Florian Sch., Gruppenbild mit „Jungsturm“ Banner mit Dominik B., Robin B., Benjamin St. und weiteren, Foto auf Busfahrt mit rot-weißen Sturmhauben, mit dabei Robin B., Philipp M., Richie B., Benjamin St. und weitere.

Die Staatsanwaltschaft möchte vom Zeugen wissen, ob ersichtlich ist, ob jemand für Organisation von Ackerkämpfen verantwortlich war. Zeuge sagt, es waren immer Theo Weiland und Marco K. oder mal Till M..

Anwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., möchte wissen, ob geklärt wurde, wann Bilder entstanden sind. Der Zeuge meint, spätestens 2016 aber genaues Datum könne er nicht sagen. Rechtsanwalt Pinkes möchte wissen, warum Bilder von LOK oder HFC relevant sind. Der Zeuge erklärt dies mit Fanfreundschaften. Pinkes möchte alle Fotos erneut durchgehen um zu klären, ob diese überhaupt relevant für das Verfahren sind, ob es Indizien für kriminelle Vereinigung gäbe, wann sie entstanden sind und ob Mandant überhaupt mit drauf sei. Nach kurzem Wortgefecht zwischen Rechtsanwalt und Richter, holt Richter den Auswertungsbericht hervor um diese Infos zu klären. Der Zeuge wiederholt, dass Datum sei nicht nachvollziehbar, wenn Bilder im Cache hinterlegt sind. Selbst über WhatsApp sei dies nicht möglich. Für weitere Auswertung verweist Richter auf Auswertungsbericht, welcher der Verteidigung vorliege.

Es folgt die Auswertung des ersten Handy von Marco K.. Der Zeuge erklärt, er habe zwei Handys von Marco K. ausgewertet. Es gab Hinweise auf Testkämpfe in Halle sowie Ackerkämpfe, Landfriedensbruch und die Struktur von Jungsturm.

Es gehe nun um Handy Galaxy S8. Hier gab es Hinweise auf Landfriedensbruch in Gotha.

Chat zwischen Maurice W. und Marco K. besagte, man treffe sich in Garten in Gotha.

Außerdem gab es Chat zwischen Phillip P. und Marco K. am 29. Juli 2019. P. fragt was da los war, ob Zeiss abgehauen wäre und nach Zahlen auf beiden Seiten. K. schreibt in der dritten Person. Er habe gehört es waren 150 Zeisser von Sektion Weimar und Horda. Erfurt mit 40 bis 50 Personen. „Ratten“ seien auch aus dem Zug gekommen und hätten Bock gehabt, danach hätten sie ordentlich vor den Helm bekommen. Bei Erfurt habe man eine Person „vergessen“. Diese sei auf dem Bahngleis liegengeblieben. Man habe Sachen von einem A. erbeutet. Geldbörse, zwei Schürzen und einen Schal. Im Vorfeld seien Kutten von Erfurt am Morgen in Gotha am Bahnhof von Jena abgezogen worden. Vergessene Person sah mitgenommen aus, kam aber ohne „Bullen“ weg. Zeiss habe ihm die Haube abgenommen.

In der Auswertung zu Marco K.‘s Handy gibt es einen Ergänzungsbericht zu Sprachnachrichten zwischen Theo Weiland und Marco K. in Bezug auf Angriff in der Bowlingbahn in Saalfeld Gorndorf. Kontext nicht zu erkennen, da Chatnachrichten gelöscht worden sind. Es sind nur noch Sprachnachrichten vorhanden. Theo Weiland habe sich über Angriff gefreut. Weiterhin ging es um einen „Tollek“, jedoch war Klarname nicht zu ermitteln. Lediglich sei bekannt, es wäre Fan FCC aus Saalfeld.

Weiterhin gab es Hinweise auf Ackerkämpfe auf dem Handy. Der Kampf gegen Frankfurt war per Video ersichtlich. Der Zeuge erinnert sich, dass es das Video war, welches mit Hitlergruß von Philipp M. begann.

Zu Kampf gegen Koblenz vom 29. Juli 2018 gibt es Chatverlauf mit Eric M. und Marco K.. Dort fragt M., warum Video des Kampfes bei GruppaOf unverpixelt sei. K. antwortet, dass sie (von GruppaOf) behindert seien. Der Zeuge erläutert anschließend, worum es sich bei GruppaOf handelt. Es gab Bilder und Chats zur Fünf-Jahresfeier von „Jungsturm“. Diese sei konspirativ organisiert worden. Einladungen seien als Bild und Text herumgegangen. Sie fand am 07. September 2019 in Langewiesen statt. In der Einladung stand, dass es alles geben werde, was das „ostdeutsche Männerherz“ begehre. Respektlosigkeiten gegenüber den Freunden aus Halle und Leipzig werden nicht geduldet. Die Einladung wurde nur über Telegramm nicht über WhatsApp verschickt.

Weitere Hinweise finden sich zur Struktur in Chatverläufen. Nach der ersten Durchsuchung im Oktober 2019 bei Felix R., Steve W. und Theo Weiland gab es am 12. Januar 2020 ein Krisentreffen. Dort wurde diskutiert ob man den Name „Jungsturm“ aufgebe, die Gruppe eventuell gar auflöse. Im Chat zwischen Robin B. und Marco K. gab es Spekulationen über Zukunft der Gruppe. B. sehe Risiko Namen zu behalten, aber wenn er irgendwann dafür „gefickt“ werde, dann wisse er wenigstens wofür es war. K. äußert, wenn der Name aufgegeben werde, dann habe man nichts mehr und es sei nur 0815. B. schlägt vor, die Kerngruppe klein zu halten und konspirativer zu agieren, dafür Umfeld auszubauen. Richter fragt, ob ersichtlich sei, ob Auflösung ernsthaft erwogen werde. Es entbrennt eine Diskussion zwischen Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W. und Richter über die Zulässigkeit der Frage. Der Zeuge mache nur Auswertung und dürfe keine Meinung äußern. Richter stimmt dem zu. Der Zeuge äußert dennoch „Aus meiner Sicht nicht ernsthaft.“. Pinkes sagt, dies sei nicht zulässig.

Es folgen Lichtbilder vom Telefon: Selfie MK mit Verletzungen im Gesicht (vermutlich nach Kampf gg. FFM), Screenshot aus Video Kampf LOK gegen Basel – Richter merkt hier an, dies sei nicht verfahrensrelevant, der Zeuge äußert, dass Robin B. daran teilgenommen habe. Es folgen weitere Bilder darunter Screenshot Video Kampf LOK gegen Basel, mit rotem Pfeil auf Robin B. in Gruppe von LOK, Einladung Fünf-Jahresfeier, Foto von der Party, Art Fachwerkhaus, mit Empore und Bühne; große Fahne „Saalefront“, Screenshot Foto Instagram Tattoo-Aktion zur 5 Jahresfeier; unbekannte Person am Fuß tätowiert, Foto Schwert, Foto Schwertgriff, tätowierter Oberkörper von Unbekannt mit SS-Runen, Foto am Strand mit „Jungsturm“ Banner mit Marco K. und Till M. ,Bild Eintrittskarten „Rock gegen Überfremdung“, Fotos „Jungsturm“ Wanderung, Bild Profi-Kampf Eric M. mit Robin B. und Dominik B. im Mob, Bild Wanderung u.a. mit Eric H. und Kevin N. Sowie Steve W., Foto Mob hinter Banner „Durchhalten Felix“, Fotos Gruppentraining Kirchheim.

Der Zeuge erklärt, auf Laptop des Richie B. wurden Videos zu Kämpfen gefunden. Es seien immer Film und Bilder gewesen, die zu Videos zusammengeschnitten waren für Fünf-Jahresfeier. Video zeigte Werdegang der Gruppe und deren Kämpfe. Immer Bild, wer dabei war, dann kam das Video, so der Zeuge.

Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit der Auswertung des zweiten Handy von Marco K., Modell S6 Edge. Beschlagnahmt am 27.April 2020. Dabei wurden Hinweise zu Landfriedensbruch Bowlingbahn Gorndorf gefunden. Zwei Personen waren mit dem ausforschen betraut. Dabei handelte es sich um Eric H. und Marius M.. Diese wurden durch Marco K. angefragt, wo sich „Jena Branco“ treffe. Zur Vorbereitung des Angriffs wurde Südthüringen, Halle und Saalfeld gefragt, wer wie viele Leute stellen könne. Eric H. habe herausgefunden, „Jena Branco“ treffe sich am 11. Februar 2019, wo müsse noch geklärt werden. Es reichen laut H. aber drei Autos mit fitten Jungs. Im Chat zwischen Marius M. und Marco K., fragt K. wie es aussieht. M. erklärt er habe sich erstmal rausgehalten, jedoch solle am nächsten Tag der Ort klar sein. Aus Saalfeld komme Auto mit fünf Leuten, acht von Jungsturm, fünf aus Südthüringen und ein Auto mit Theo Weiland aus Halle.

Es wurde Chatgruppe „Kernigruppe“ auf Telegramm gefunden. Z1 erklärt es sei der harte Kern von Jungsturm. Es konnten alle identifiziert werden. Darin waren Steve W., Theo Weiland, Robin B., Marco K., Thomas Z., Philipp M., Dennis D., Richie B., Roy-Peter K., Benjamin St., Till M. sowie Anwärter Eric H., Marius M. und Kevin N.. Darin kam Aufruf von Marco K., alle sollen sich am 22. Februar ab 19 Uhr den Abend freihalten. Ab 20. Februar wurde Liste geschickt, auf der sich alle eintragen sollen. Der Zeuge geht von circa 30 Personen aus. Mit dabei waren,

neben Angeklagten, außer Steve W. der zu dem Zeitpunkt im Urlaub war, Florian Sch., Erik R.. Weiterhin gab es Chat mit einem Telegramm Kontakt „Paul Quappe“. Dieser konnte nicht identifiziert werden. Der Zeuge vermutet aber Fanszene aus Erfurt bzw. EFU. Ebenfalls mit dabei Andreas H.. Der diskutierte Plan war, man gehe hin und fordert „Jena Branco“ auf herauszukommen, dann sollte es einen Kampf geben. Jedoch wurde sich umentschieden und Bowling Bahn wurde gestürmt. „Paul Quappe“ habe im Chat mit Marco K. diskutiert, man wolle lieber nicht reingehen. Dort entstehe zu viel Sachschaden. Wenn man erwischt werde, käme dies noch mit obendrauf, von den eigenen Leuten hätten eh genug eine Strafe an der Backe. Man wolle lieber draußen kämpfen.

Chat zwischen Theo Weiland und Marco K., indem K. fragt, was man machen will, wenn Zeiss-Fans nicht rauskommen. Weiland will nicht, dass man ihnen nur droht und sie dann nicht kommen und damit durchkommen.

Es fanden sich Hinweise zu Ackerkampf gegen Bielefeld. In einem WhatsApp Chat zwischen Marco K. und einem „Marvin Paderborn“ schickt K. Video U25 Kampf Bielefeld n „Jungsturm“, ein zehn gegen zehn.

Es gab Hinweise auf Kampf gegen Babelsberg im Chat zwischen Marco K. und Erik M..

Im Chat zwischen Benjamin St. und Marco K., geht es um den „Dicken“, Domink B.. Er sei sportlich zu inaktiv, es wird ein Rausschmiss diskutiert und dann umgesetzt. Dafür gibt es Text an ihn, dass keine Zukunft für ihn in der Gruppe gesehen wird. Es erfolgt Ausschluss aus den Gruppenchats.

Hinweise zu Finanzen der Gruppe fanden sich ebenfalls. Im Chat zwischen Marco K. und Theo Weiland kommt Diskussion um Security für andere Gruppen auf. Der Zeuge meint es handelte sich um eine Rockergruppierung in Erfurt. Jedoch empfanden Marco K. und Theo W. die Personenzahl zu hoch für das Geld. Dennoch waren 2000,00 € eingeplant, für ein ganzes Wochenende. Der Zeuge vermutet, Geld wäre für Fünf-Jahresfeier genutzt worden. Es sei immer die Rede von der „Bandenkasse“.

Es folgen weitere Bilder. Screenshot Beitrag FSN-TV, Foto Till M. blaues Auge, Karten „Rock gegen Überfremdung“ werden vor Hakenkreuzfahne gehalten, diverse Fotos aus Themar vom „Rock gegen Überfremdung“ von Journalisten, Marco K. als Security, Hakenkreuzfahne und Hitlerbild, Screenshot Video Kampf gegen Koblenz mit Pfeil auf Kämpfer; der Zeuge erklärt es handele sich um Florian V. aus Erfurt. Erik M. hatte sich nach dem Kampf erkundigt bei K., wie sich V. geschlagen habe, da er auch bei La Familia Erfurt trainiere. Weitere Bilder zeigen Foto Robin B. und Marco K., Wanderung der Gruppe u.a. Marcel T., Thomas Z. Und weiteren.

Es folgt die Auswertung des Handy Theo Weiland. Im Oktober 2019 wurde dies sichergestellt bei der Durchsuchung. Es gibt Hinweise auf Landfriedensbruch in Gorndorf, in Form von Sprachnachrichten. Dort beschreibe Weiland das Vorgehen, wie er rein sei und auf verschiedene Leute eingeschlagen und getreten habe. Außerdem fanden sich diverse Videos von Ackerkämpfen. Nach Angriff am Bahnhof in Saalfeld auf Jena Fans habe Theo Weiland en Bild von geraubter Mütze versendet.

Im Chat am 8. Dezember 2018 zwischen Theo Weiland und Till M., fragt Weiland ob M. heil angekommen sei, was bejaht wird. Der Zeuge erklärt dazu, M. hätte vorher wegen Kinderbetreuung abgesagt, wäre dann aber anscheinend doch dabei gewesen.

Es gab Chat am 8. Dezember 2018 zwischen Theo Weiland und Marco K.. Dort heißt es, die Gruppe sei hinter den Gleisen gewesen, irgendwas habe laut dem Zeugen jedoch nicht wie geplant funktioniert. Im Chat heißt es, dass „Jena Branco“ nach der Sache noch vorsichtiger sein würde und vermutlich nur noch Neuner fahre.

Theo Weiland verschickt mehrmals Bilder der gestohlenen Mütze u.a. an Heike H., Vorstand von La Familia Halle wie der Zeuge anmerkte.

Bezüglich des Landfriedensbruch in Gorndorf habe Theo Weiland via Threema mit anderen Personen geschrieben. Chat sei nicht mehr erhalten, andere Personen können bei Threema nicht ermittelt werden, da nur ID-Nummer zugeordnet und keine Handy-Nummer oder Name.

Chat zwischen Theo Weiland und Anne B., sie sei die Freundin von Martin B.. Der Zeuge erklärt dieser sei bei Partei „III. Weg“ aktiv gewesen. Ihr habe Theo Weiland den Ablauf des Angriffs geschildert. Er schrieb, er habe wichtigen Auftrag gehabt und „Jena/Antifa“ habe richtig kassiert. Außerdem versendete Theo Weiland blutiges Shirt von Robin B. von dem Abend, mit Hinweis, dass das Blut von Gegnern stamme.

Im Chat zwischen Theo Weiland und Marco K. gab es Hinweise zum Ackerkampf gegen Bielefeld. Es wird die Aufstellung diskutiert und aktuelle Probleme. „Bifi“ (Steve W.) sei im Krankenhaus, K. habe Probleme wegen Weisheitszähnen. Die Aufstellung wird diskutiert. Drei Reihen sollten gestellt werden. Aufstellung wird verlesen in erster Reihe schlägt Theo Weiland „Bifi“ (Steve W.) und MK vor. Zusätzlich in der dritten Reihe u.a. Roy-Peter K. und Paul H. von LOK vor.

Chat zu Ackerkampf Koblenz zwischen Weiland und Marco K.: Am 24. Juli wird Aufteilung der Fahrzeuge diskutiert. Fahrer sind Torsten, Zimbo (Thomas Z.), Quicke und noch eine Person. Kämpfen sollen u.a. Eric H., Philipp M., Flo, Hoffi und David.

Chat zu Kampf gegen Babelsberg zwischen Theo Weiland und Marco K. zum Kampf fünf gegen fünf. Es sollen kämpfen Theo Weiland, Köthen Hannes, Marco K., Dominik B. und Dennis D..

In einem WhatsApp Chat zwischen Theo Weiland und Person aus Osnabrück wird über Personenzahl für einenKampf geredet, dann wird die Anzahl reduziert.

Ebenfalls gab es Hinweise zu Ackerkampf am 19. Mai 2019 gegen Frankfurt. Der Zeuge erklärt, es sei Angstgegner von „Jungsturm“ gewesen, da nicht sicher sei, ob man gegen Frankfurt gewinnen könne. Um so größer war Freude nach dem Sieg. Theo Weiland äußerte in weiteren Chats mit unterschiedlichen Leuten, dass er eine Gehirnerschütterung von dem Kampf habe. Schickte Ergebnis des Kampfes u.a. an Christopher Heinze aus Leipzig. Der Zeuge beschreibt diesen als engen Freund von Theo Weiland. Im Vorfeld habe er den Kampfplan u.a. an Paul H. aus Halle geschickt. Ihm schickte Theo Weiland auch im Nachgang Sprachnachrichten über seine Verletzungen.

Im Chat zwischen Theo Weiland und Marco K. ging es um die Strategie im Vorfeld. Erste Reihe soll Gegner verwickeln, Durchbruch verhindern. Zweite Reihe sollte Durchbruch über Seiten verhindern um nicht von hinten angegriffen zu werden. Die dritte Reihe behält Übersicht, wenn jemand auf dem Boden liege, sollen gleich die Leute runtergetreten werden.

Im Chat zwischen Theo Weiland mit Toni E. Aus Hall, berichtet Weiland über Verletzungen. „Bifi“ (Steve W.) sei wegen Cuts im Krankenhaus.

Es gab ebenfalls Hinweise zu Finanzen der Gruppe. Das Konto wurde 2017 von Theo Weiland bei der DKB-Bank eröffnet, die Mitglieder zahlten regelmäßig ein.

Im Chat zwischen Theo Weiland und Lukas „HAL-OST“, wird gefragt, wer denn Chef von „Jungsturm“ sei. Weiland beantwortet es mit seinem und den Namen von Marco K.. Der Zeuge erklärt, dies sei ein Chat mit dem Hooliganchef von Halle gewesen, es ginge um Anerkennung in der Szene.

Im Chat zwischen Theo Weiland und Anja B., schickt Weiland ihr Datei mit Namen „Richi RWE JS ERFURT“. Der Zeuge sagt, man sei sich unsicher was genau das sei. Es könnte Art Selbstdarstellung oder Interview sein. Ebenfalls unklar zu welchem Zweck es erstellt und von wem beantwortet wurde. Im Schreiben wird Reise nach Bulgarien (Sofia) beschrieben sowie Prozedere der Gruppe. Fragen nach Gruppenentwicklung, Feinde/Freunde, wie viele Kämpfe, Meinungen zu Hools in Russland, Polen und Balkan, Fragen zu Levski Derby in Sofia sowie zu bevorstehendem Derby mit „Juden Jena“. Auf Frage, wer Feinde seien, verliest Richter Teil der Antwort. Es seien „Jena, Antifa, Schwuchteln und andere Untermenschen“. Laut Schreiben versuche „Jungsturm“ mindestens vier Kämpfe im Jahr zu absolvieren. Der Zeuge erklärt, dass Jungsturm 2014 aus „KEF – Kategorie Erfurt“ hervorgegangen sei. Vorher habe es auch „Jungsturm“ unter Phillip P. gegeben. Die Vergabe des Namens musste abgesegnet werden. Dies geschah im Fall des jetzigen „Jungsturm“ durch P..

Im Chat zwischen TW und Hans K. „Cottbus“, schickte dieser ihm nach Razzien gegen Cottbusser Fans, wegen dem Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung, den Beschluss zur Durchsuchung per WhatsApp.

Es folgen wieder Lichtbilder, darunter: FCC Mütze von Überfall Bahnhof Saalfeld, blutiges Shirt Überfall Bowlingbahn Gorndorf, Reisebilder aus Sofia,Bilder von Raum mit Hakenkreuz und SS-Totenkopffahne, laut dem Zeugen sind die Bilder aus den Fanräumen in Sofia, Bild Sofia mit Thomas Z., Philipp P., Philipp M., Steve W. und Theo Weiland, Gruppenbild zwei Gruppierungen, Anmerkung des Zeugen, dass dies von einem Testkampf in Halle stamme. Bild von Theo Weiland und Paul H., Gruppenbild Theo Weiland bei Vogtländer Fight Night, Schießscheiben mit Einschüssen, „Jungsturm“ Fahne, Bild vom neonazistischen „Heldengedenken“, der Beschluss aus Cottbus, Theo Weiland mit roter Sturmhaube und Hakenkreuz darauf, Bild der Gruppe nach Kampf gegen Essen mit Eric H., Robin B., Theo Weiland, Steve W., Marco K., Dominik B. und Richie B., KEF Fahne in braun mit weißer Sprühfarbe wurde Hakenkreuz und „Kategorie Erfurt“ aufgebracht, Philipp M, hält eine Seite der Fahne. Weitere Bilder zeigen Hakenkreuz Aufkleber, Shirt mit Hakenkreuz und 88, Training in Kirchheim, „Jungsturm“-Shirt mit 88 darauf, Bild Wanderung u.a. mit Kevin N., Wanderung Marco K., Marcel T., Thomas Z., Robin B., Aufkleber Offenders Sofia mit Keltenkreuz, Theo Weiland beim Schießtraining mit Christopher Heinze und weitere Bilder.

Die Verteidigung von Theo Weiland hat Fragen an den Zeugen. Man wolle wissen, ob klar sei, wer die Fotos gemacht habe und wo sie genau gefunden seien. Der Zeuge erklärt, dass diese auf dem Handy von Theo Weiland gefunden worden sind, es sei nicht klar ob er sie verschickt, geschickt oder angefertigt habe. Die Verteidigung bemerkt, dass WhatsApp Grundeinstellung sei, dass alle Bilder die man geschickt bekommt, erstmal in der Galerie gespeichert werden. Daher sei nicht klar ob Bilder wirklich von Theo Weiland gemacht worden sind oder nicht. Man müsse dies händisch an den Einstellungen ändern. Der Zeuge habe dies nicht geprüft, verweist aber auf Auswertungsbericht, da stehe welche Bilder genau in welchem Chatverlauf von Theo Weiland geschickt oder verschickt worden sind. Der Zeuge wird entlassen.

Der Richter verweist auf Anträge der Verteidigung Steve W., die direkt an StA gegangen sind. Es gehe um Anträge, dass Steve W. Telefon und Besuchsrechte bekommen wolle.

Damit wird die Verhandlung beendet.

12. Prozesstag: 14. Januar 2021

Zu Beginn der Verhandlung fragt Richter Tonndorf die Verteidigung Marco K., nach einer angekündigten Einlassung des Mandanten. Diese werde laut Rechtsanwalt Beisenbusch noch zurückgestellt. Es schaltet sich Rechtsanwalt Dann, Verteidigung Robin B., ein. Robin B. beginnt eine Einlassung vorzulesen:

„Ich bin mittlerweile seit dem 29.7.2020 in Haft. Das ist mein erstes Mal im Gefängnis und es hat mich sehr beeindruckt. Vorher kannte ich das nur aus dem Fernsehen. Ich bin seitdem getrennt von meiner Familie und meiner Verlobten. Wir waren im Dezember 2019 zusammengezogen und wollten eine Familie gründen. Mit der Pandemie bin ich im Gefängnis noch mehr isoliert als ohnehin schon. Das ist eine sehr schwere Zeit für mich.

Ich kann meine Taten nicht ungeschehen machen, aber ich will sie nicht mehr wiederholen. Ich kann auch nichts wiedergutmachen. Aber ich möchte dafür Verantwortung übernehmen. Ich gestehe, dabei gewesen zu sein:

22.10.2016 Ackerkampf in Hessen

22.2.2019 Bowlingbahn Gorndorf

12.5.2019 Ackerkampf in Hessen

27.7.2019 Bahnhof Gotha

19.2.2018 Ackerkampf in Hessen

29.7.2018 Ackerkampf in Hessen

Ich gestehe nicht, dass ich Mitglied einer kriminellen Vereinigung nach § 129 StGB gewesen bin.

Ich war Mitglied des Jungsturm (JS). Unsere Ziele waren Fußball, Kämpfe, Graffitis und teilweise Übergriffe auf andere Fans. Bei der Gründung und Organisierung des JS vor ca. fünf Jahren war ich noch nicht dabei. Aber seit 2017 war ich dabei. Der JS diente nur zur Unterstützung des RWE. Ich habe schon seit ich acht Jahre alt war selber Fußball gespielt und habe seit Jahren eine Dauerkarte für den RWE. Der JS war eine gemeinsame Fanfreundschaft. Wir haben Spenden gesammelt, Feiern organisiert, sind gemeinsam in Erfurt und Arnstadt auf Stadtfeste gegangen – aber wir haben keine kriminellen Aktivitäten verfolgt. Alle Fußballinteressierten waren bei uns willkommen.

JS-Graffitis usw. waren eine absolute Nebensache. Die Ackerkämpfe haben wir nicht als JS gemacht. Es war ohnehin keine Mitgliedschaft im JS nötig um mitzumachen. Die Teilnehmer an den Kämpfen waren oft keine Mitglieder. Wir hatten auch keine Hierachien und Strukturen, sondern waren einfach Freunde, die auch gemeinsam Sport gemacht haben, Angeln gegangen sind oder Playstation gespielt haben.

Zu Gorndorf: Ich habe an der Aktion teilgenommen, sie aber nicht mitgeplant. Wir wollten Fans von Jena Branco herausfordern. Einer sollte reingehen und die Brancos rausrufen. Dann hat sich aber eine Eigendynamik entwickelt. Ich habe im Laufe dessen einen Schlagabtausch gehabt und habe mich dann vorzeitig zurückgezogen, als ich gesehen habe, wie sich das entwickelt. Danach hab ich dann trotzdem im Chat damit angegeben, um Anerkennung zu bekommen.

Zu Gotha: Die Aktion war eine Reaktion auf einen Angriff von Jenaer Fans auf Erfurter, der vorher stattgefunden hatte. Es war wie ein Cowboy-Indianer-Spiel, ein Kräftemessen.vWir sind dort in Unterzahl gewesen und ich habe auch Schläge abbekommen. Ich wollte das für Erfurt machen. Heute bin ich reifer als damals.

Zu den Ackerkämpfen: Ich habe an mehreren Kämpfen teilgenommen. Ich wusste nicht, dass das strafbar ist. Ich dachte es gelten die allgemeinen MMA-Regeln. Die Anzahl und das Alter der Kämpfer war immer vorher abgesprochen. Es sollten keine Handschuhe und kein festes Schuhwerk getragen werden. Und es gab immer Kampfrichter. Es gab einmal ein 11 gegen 11, sonst waren es immer weniger als 20 insgesamt, weil es sonst zu unübersichtlich wird. Auf Liegende sollte nicht weiter eingewirkt werden. Alle trugen Genital- und Zahnschutz. Manchmal haben wir auch alle danach zusammen noch was getrunken. Ich habe mittlerweile auch an einem Anti-Gewalt-Training teilgenommen, das ich im September 2020 beantragt hatte.“

Sein Anwalt Dann möchte noch ein Schreiben der WSD GmbH vom 10. Oktober 2020 als Urkunde verlesen lassen. Der Richter fügt hinzu, das dies eine Werkzeuge-, Schrauben- und Drehscheiben GmbH aus Gotha sei. Er verliest:

„Wir stellen Robin Brand eine sofortige Wiedereinstellung in unserem Betrieb in Aussicht, wenn er aus der Haft entlassen wird. RB wurde in alle Bereiche des Betriebs eingearbeitet. Er ist ein wichtiges Teil des Teams. Mit freundlichen Grüßen, Ole D..“

Rechtsanwalt Dann fügt hinzu, dass dieses Angebot immer noch bestehe. Richter Tonndorf möchte dies nochmal schriftlich haben und gibt bekannt, dass im Anschluss an den Hauptverhandlungstag noch eine Haftprüfung stattfinden wird. Nachfragen an den Angeklagten sind nicht gestattet.

Es erfolgt die Anhörung des Zeugen KHK B. von der KPI Saalfeld. Der Zeuge war bei Hausdurchsuchungen bei Theo Weiland dabei und habe die Telefone von Eric H. und Felix R. ausgewertet. Diese seien im Zuge der Ermittlungen wegen einer gefährlichen Körperverletzung im Januar 2019 in Saalfeld beschlagnahmt worden. Felix R. hatte vor der Johannisklause in Saalfeld eine Person angegriffen. Eric H. fuhr das Fluchtfahrzeug. Daraus haben sich relevante Hinweise auf einen Landfriedensbruch am 7. Dezember 2018 und auf den „Jungsturm“ ergeben.

Der Zeuge stellt die relevanten Kontakte auf den Telefonen vor. Dabei waren „Eric Bronson“, Eric H., Felix R., Anton W., Theo W., Daniel R., Nils R. und „Bifi“ Steve W. Dabei wurden WhatsApp und Telegram Chats mit Bezug auf den 7. Dezember 2018 festgestellt. Auf Telegram gab es eine Gruppe „Saalfeld ist rot-weiß“ sowie „Kerni-Gruppe 2.0“. Auf WhatsApp waren es laut dem Zeugen eher eins zu eins Chats. Dort gab es außerdem die Gruppe „Burger und Nutten“. In der Saalfeld Gruppe gab es Nachrichten zum Vorfall am Bahnhof. Eine Stunde nach der tat wurde „Jemand nass geworden?“ gefragt und „Das eigentliche Ziel ist entkommen“ und „Es wurde wer erwischt und geraubt“. Die Kommunikation soll Daniel R. und Theo W. geführt haben. Die „Kerni-Gruppe“ sei überregional gewesen. Die Saalfeld-Gruppe laut dem Zeugen nur regional. Eine weitere Nachricht im Saalfeld-Chat war „Branco sind hoch zu den Bullen gerannt“. Dabei handelt es sich bei „Branco“ um eine Gruppe, die der Horda Azzuro nahe stehe, so der Zeuge. In dieser gäbe es auch gewaltbereite Mitglieder. Über deren Flucht sei sich im Chat geärgert worden.

Mitglieder der „Kerni-Gruppe 2.0“ waren laut dem Zeugen Eric H., Theo Weiland, Robin B., Steve W., Marius M., Thomas Z., Marco K., Dennis D., Dominic B., Benjamin St., Roy-Peter K., Kevin N., Phillip M. und Richie B.. Auch dort soll es die Frage von Theo Weiland gegeben haben, ob jemand verletzt wurde. Außerdem habe es Aufrufe gegeben Streife zu fahren und Brancos zu suchen. Außerdem wurde ein baldiges Branco-Treffen vermutet, auf das es einen erneuten Angriff geben solle.

In diesem Chat soll es folgende Kommunikation gegeben haben:
Theo Weiland: Alle gut weggekommen?

Steve W.: Jup.

X: Scheiße, nur ein Schal und eine Mütze.

X: Kernis auf der anderen Seite sind weg.

Im Chat „Burger und Nutten“ sei nach dem Angriff über Verletzungen geschrieben worden. Eric H. habe seinen Mundschutz ausspülen müssen. Außerdem wurden Fotos von geraubten Gegenständen gezeigt. Eric H. schrieb außerdem an Felix R.: „Du hast nen guten Eindruck hinterlassen, aber es hat sich zu 95% erledigt, zu 5% stehen die Chancen, dass es mit Glück doch noch was wird.“ Dabei ging es wohl um dessen Mitgliedschaft bzw. Aufnahmechancen beim „Jungsturm“.

Es folgen Fotos, die aus der Handy-Auswertung von Eric H. und Felix R. stammen. Darunter finden sich Mundschutz mit Hooligan „H“, Bild von Steve W. mit Roy-Peter K., Roy Peter K., Benjamin St. und Dominic B. auf einem Bild, Tonfas, Baseballschälger, Pfefferspray auf einem Tisch, RWE Tattoos, Steve W. und Phillip M. im Security-Dienst, Gruppenfoto „Jungsturm“, Foto von Maximilian W., altes Banner „Jungsturm“ – KEF, Robin B. mit Kevin N., Steve W. Phillip M. mit Hitlergruß, Fotos von Ackerkämpfen als Bildcollage, Training in Kirchheim mit Roy-Peter K. im „Jungsturm“-Pullover, Steve W., Phillip M. und Robin B. nach einem Ackerkampf, gemeinsames Essen mit Till M., Steve W., Eric H. und Benjamin St., Foto Nils R. und Daniel R., Training Eric H., Felix R. und Marius M., Screenshots Chats, Foto Thomas Z. Und Marcel T., Gruppenfoto Theo Weiland, Marius M., Daniel R. und Nils ., Foto einer Pistole sowie Fotos von FCC-Fans.

Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., möchte wissen, worauf sich Zeuge beziehe, wenn dieser sagt, dass es sich bei Personen um die selben Personen hinter der „Jungsturm“ Fahne im Stadion handele. Der Zeuge kann dies nicht genau benennen und verweist auf die Berichte der Szenekundigenbeamten. Diese übermitteln dies, zum Teil mit Fotos.

Die Staatsanwaltschaft möchte wissen, ob es aus den Chats Erkenntnisse zu den geraubten Fanutensilien gebe. Der Zeuge gibt an, dass bei Felix R. eine Mütze gefunden wurde, die später von einem Zeugen bzw. dem Besitzer wiedererkannt worden ist. Solche geraubten Fansachen werden laut dem Zeugen als Trophäen gesehen und dem Gegner im Stadion präsentiert. Vor allem Fahnen und Banner seien begehrt.

Am 22. April 2019 kam es am Bahnhof in Rudolstadt zu einem Angriff von Felix R. auf eine Person, bei der ebenfalls Phillip U. beteiligt war. Im Anschluss wurde das Telefon von Felix R. sichergestellt. Darauf fanden sich Hinweise auf den Überfall auf die Bowlingbahn am 22. Februar 2019. Daraus wurde laut dem Zeugen eine Tatbeteiligung von Theo Weiland ersichtlich.

Es fanden sich auf dem Telefon Kontakte und Chats darunter mit Johannes H.. Dieser ist Jena-Fan, vermutlich „Jena Brancos“, so der Zeuge. Dieser ging mit Felix R. zur Schule, welcher selber Jena-Fan war. H. wurde am stärksten bei dem Überfall in der Bowling-Bahn verletzt. Bezüglich des Überfalls gab es einen Chat zwischen Eric H. und Felix R. Felix R. schrieb, dass ihm seine linke Schulter und rechter Knöchel schmerzen würden. Dies sei noch nachts nach dem Angriff geschrieben worden. Eric H. schrieb in Bezug auf Johannes H.: „Der hat die ganze Zeit die Hände vors Gesicht gehalten, die habe ich ein paar Mal erwischt.“ Felix R. schickte dann noch einen Screenshot von Theo Weiland mit Bowlingkugeln an Johannes H.. H. antwortete auf das Bild an Felix R. mit „Arschloch.“ H. fragte dazu noch: „Warst du dabei?“ FR antwortete „Nein.“

Anschließend werden Screenshots von GoogleMaps gezeigt, auf denen Felix R. Linien und Pfeilen eingezeichnet hat, wo aus Richtung Erfurt die Einfahrt nach Gorndorf erfolgt und wo geparkt werden kann sowie den Ort der Bowlingbahn. Der Zeuge gibt dazu an, dass Felix R. selbst in Gorndorf wohnte und den Angriff mit vorbereitete.

Es folgen Fotos vom Telefon von Felix R., darunter „NS“-Aufkleber, „NS“ Graffiti, Nazi-Aufkleber, Graffiti „NS Area“, Felix R. mit Pistole und Thorshammer Tattoo auf der Brust, Graffiti „Naziekiez“, CS-Gas und Springmesser.

Es erfolgt ein Verwertungswiderspruch gegen die Auswertung der Telefone, von der Verteidigung von Steve W., da zum Zeitpunkt des Berichtes noch keine TKÜ gegen seinen Mandanten lief.

Es folgt der zweite Zeuge, PHM Thomas S. von der KPI Saalfeld. Der Zeuge war mit der Auswertung von zwei Handys von Felix R. beschäftigt. Als relevante Kontakte gibt der Zeuge Eric H., Phillip U., Marius M und Johannes H. an. In der Gruppe „Burger und Nutten“ haben vor Felix R., Eric H. und Marius M. kommuniziert. Dabei ging es ebenfalls um den Vorfall am Bahnhof. Dabei war M. federführend und maßgeblich an der Planung beteiligt. Er verteilte laut dem Zeugen die Aufgaben und stand im Kontakt mit weiteren Personen aus Erfurt. Ebenfalls übernahm M. die Ausspähung des Bahnhofs, der Anfahrtswege sowie der Lage der Polizeistation. Felix R. sollte vorher schon im Freddy’s Fresh im Bahnhof sitzen, um das Verhalten der Jena-Fans zu observieren. Am Tag selbst stand Felix R. laut dem Zeugen am Bahnhof in Schwarza und filmte durchfahrende Züge um dort nach Jena-Fans zu schauen. Es wurden drei Videos gelöscht, welche später wiederhergestellt werden konnten. In einem weiteren Chat schrieb Marius M.: „Für die Party am 7.12. gehen Daniel und ich von zwei Autos aus Saalfeld aus, aus Erfurt kommen 40 Leute.“

Am Vortag schrieb Marius M.: „Die Party steigt, Anstoß ist 19:00 Uhr. Lass und dafür jetzt lieber eine Telegram-Gruppe machen.“ Felix R. schrieb: „Es gibt keine Nachrichten. Die Bullen fahren Streife in Gorndof. *Name Person Jena-Fan Saalfeld* ist zuhause.“

Es werden weitere Bilder vom Telefon von Felix R. gezeigt. Darunter Garage in Gorndorf mit FCC-Graffiti, Fotos von Personen aus der linken Szene Saalfeld, Marius M. habe diese laut dem Zeugen von drei namentlich genannten Personen haben wollen. Weiterhin werden Fotos Maximilian W. mit blutigem Gesicht, Felix R. und N. vor der Notaufnahme sowie eine Person auf einer Liege. Laut dem Zeugen war dies nach einem Kampf mit Linken in Saalfeld.

Auf dem zweiten Telefon von Felix R. fanden sich ebenfalls Chatverläufe zu den Vorfällen am Bahnhof Saalfeld und Gotha. Der Zeuge gibt an, dass dies in den Chatgruppen „Burger und Nutten“ sowie „Kerni-Gruppe 2.0“ zu finden war. Felix R. orientierte sich laut dem Zeugen ab 2019 immer mehr nach Erfurt. Bei der „Kerni-Gruppe 2.0“ handelt es sich um die interne Gruppe des „Jungsturm“. Der Richter wirft ein, dass sich darin 14 Leute befanden. Bezüglich des Überfalls am 22. Februar 20219 auf die Bowlingbahn in Saalfeld, fanden sich im WhatsApp-Chat „Burger und Nutten“ Hinweise auf eine Beteiligung sowie Verletzungen von Eric H., Felix R. und Marius M.. Dort gab es eine Sprachnachricht von Eric H., dass dieser den Johannes H getreten haben soll sowie dessen Hände zerstört habe. Außerdem gab es einen Chat zwischen Felix R. und Mary-Lou Z., die laut dem Zeugen die damalige Freundin von Felix R. gewesen sein soll. R. war mit Erfurt auswärts in Berlin, sein Telefon ging abends aus und gegen Mitternacht schrieb er erst seiner Freundin, dass er wieder daheim sein. Auf seinem Telefon wurden ebenfalls Fotos einer Kreditkarte sowie eines Ausweises gefunden, die aus einer geraubten Bauchtasche am Bahnhof in Gotha stammten.

Im weiteren Verlauf erklärt der Zeuge, dass Felix R. sehr viel mit Phillip U. kommuniziert habe. Dort schrieb er einen linken Jena Fan aus Saalfeld. Laut dem Zeugen habe Felix R. eine Liste meistgehasster Personen, auf dem sich diese Person befand. Zu dieser Person schrieb Felix R., dass diese Person in Gotha auch „auf die Fresse gekriegt haben.“ Ebenfalls gab es in den Chats zwischen Felix R. und Phillip U. Hinweise auf eine Beteiligung von Felix R. an dem Kampf gegen Frankfurt am 19. Mai 2019, dort soll sich Felix R. am Knie verletzt haben. Außerdem wurden U. ein Screenshot geschickt, auf dem man sieht, wie Felix R. einen Kopftritt bekommt.

Es werden weitere Fotos vom Telefon des Felix R. gezeigt. Als erstes folgt ein abgerissenen Wahlplakat von Katharina König-Preuss (Die Linke), was Richter Tonndorf kommentiert: „Sachbeschädigungen interessieren uns nicht.“. Weitere Fotos zeigen Phillip U. mit gerötetem Gesicht sowie nach einem mutmaßlichen Überfall auf ihn auf einer Kirmes in Kaulsdorf. Weiterhin zeigen Fotos Felix R. im Krankenhaus am 19. Mai 2019 um 23:33 Uhr sowie ihn als Kämpfer auf der Fünf-Jahresfeier des „Jungsturm“ in Langewiesen. Weiterhin gab es ein Foto von Felix R. zusammen mit Marius M., Theo Weiland und Nils R. auf der Feier. Der Zeuge ergänzt hier, dass es dort Hooligan-Kämpfe gab, die eins gegen eins ausgetragen worden sind und an denen sich Hooligans von LOK Leipzig und Chemie Halle beteiligt haben sollen. Der Zeuge fügt hinzu, dass Felix R. seinen Kampf gewonnen haben soll. Weiter geht es mit Bildern von einer Urlaubsreise sowie einem Hakenkreuz-Tattoo auf dem Fuß. Der Zeuge ergänzt, dass dieses Foto von Felix R. an Maximilian W. geschickt wurde mit dem Kommentar: „Überstich mir mal mein Anfängertattoo.“. Ein weiteres Foto zeigt Marius M. mit Stahlhelm und Hitlergruß sowie zertretene Blumen und Gedenkutensilien am Gedenkort für Jana G. in Saalfeld, welche von einem Neonazi ermordet worden ist. Der Zeuge ergänzt, dass Felix R. dort die Kerze umgetreten habe und dazu eine Nachricht verschickte.

Weiter wird ein Screenshot eines Chats von Max B. und einer J. gezeigt. Dazu äußert der Zeuge, dass J. Auf eine Jahresfeier von „Jena Branco“ in den Schloßberg geht und schrieb dies B., welches es an Felix R. weiterleitete. Felix R. habe es an Erfurter weitergeleitet. Auf die Nachfrage von B., ob es wohl nicht geklappt hätte, sagte dieser: „Nee, ich war mit dem Chef dort, aber die waren zu viele.“

Der Richter nennt mehrere Namen von Personen aus Saalfeld, die laut dem Zeugen auf einer Liste von Felix R. stehen. Unter das Fahrzeug des Johannes H. habe Felix R. einen GPS-Peilsende montiert, was aus einem Chat zwischen Felix R. und Marius M. hervorgeht.

Es werden weitere Fotos gezeigt, darunter ein Foto des Kiez-Döner in Halle vom 28. Oktober 2019, also drei Wochen nach dem Anschlag. Dazu sagt der Zeuge, dass Felix R. wohl vor hatte nach Halle umzuziehen, wobei ihm Theo Weiland helfen wollte. Die beiden haben sich laut dem Zeugen dort getroffen. Nach einer Frage von Rechtsanwalt Alexander Held, Verteidigung Marco K., ob denn überhaupt klar sei, ob Felix R. das Foto selber gemacht habe, erwidert der Zeuge, dass man aufgrund der Auswertung die Daten mit der Handy-Kamera abgleichen kann. Der zeuge wird entlassen.

Der Richter verweist auf die Haftprüfung von Robin B. im Anschluss sowie die Ankündigung von Marco K. und das für ein umfängliches Geständnis ebenfalls eine Haftprüfung in Aussicht gestellt worden ist. Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., bemängelt dieses Vorgehen und die fehlende Kommunikation, da dies seinem Mandanten eröffnet werden müsse.

Es folgt die Anordnung, dass Chats aus den Gruppen „Saalfeld ist rot-weiß“ und „Kerni-Gruppe 2.0“, sowie der Chat zwischen Johannes H. und Felix R. vom März 2019 im Selbstleseverfahren in das Verfahren eingeführt werden.

Außerdem bemerkt der Richter, dass die Verteidigung von Marco K. und Robin B. am 20. Januar 2021 einen Besprechungstermin am Landgericht Erfurt wegen Ballstädt habe. Diese beginne 10 Uhr, weshalb an diesem Tag die Verhandlung erst um 10:00 Uhr beginne.

Damit endet der Verhandlungstag.

11. Prozesstag: 13. Januar 2021

Der Verhandlungstag beginnt mit der Vernehmung von Dr. Schenke als Sachverständiger für anthropologische Bildidentifikation am Uniklinikum Jena und fungiert als morphologischer Sachverständiger. Der Zeuge gibt an, er sei seit 2011 im Fachbereich für forensischen Bildidentifikation und habe seitdem ca. 600 Gutachten für Verfahren erstellt. Dies umfasse Strafsachen und Ordnungswidrigkeiten Grundsätzlich gäbe es keine staatlich geprüften oder vereidigten Gutachter für Bildidentifikation. Zum Ansatz erklärt der Gutachter, man konzentriere sich vor allem auf das Gesicht, weil dieses zumeist unverdeckt ist und sehr viele Merkmale auf wenig Körperfläche aufweise. Außerdem gäbe es eine große Literaturbasis zu Gesichtsmerkmalen. Bei 3-D Material sind ca. 150 Merkmale im Kopfbereich sichtbar, eine selbe Anzahl ergebe sich bei einer hohen Anzahl an Bildern in 2D.

Zum Gutachten gibt der Zeuge an, dass es 33 Videosequenzen erhalten habe. Nun habe er geschaut, welche sich für ein morphologischen Vergleich eignen. Danach wurde geschaut, welche identifizierten Merkmale empirisch weit in der Gesamtbevölkerung verteilt sind. Am 27. und 29. Oktober 2020 wurden Vergleichsfotos der Beschuldigten in den JVA’s angefertigt. Ihm wurden von der Saalfelder Kriminalpolizei die vier Tatverdächtigen gezeigt. Diese wurden mit den Screenshots aus insgesamt sechs Tatkomplexen abgeglichen. Dabei handelte es sich um einen Kampf gegen Münster, Babelsberg, Bielefeld, Essen, Frankfurt und Koblenz. Die Bildqualiätt war laut dem zeugen sehr unterschiedlich. Die Aufnahme vom Kampf gegen Babelsberg hatte schlechte Qualität, während die beste Qualität bei Kämpfen gegen Bielefeld und Frankfurt verzeichnet wurden.

Der Gutachter präsentiert sein Ergebnis, wobei zusätzlich Screenshots aus den Videos gezeigt werden, bei denen jeweils die Angeklagten ausgeschnitten werden.

Beim ersten Ackerkampf gegen Münster kommt der Gutachter bei Theo Weiland auf 73 übereinstimmende Merkmale, damit ist es sehr wahrscheinlich identisch. Bei Steve W. sind es 52 übereinstimmende Merkmale, damit wahrscheinlich identisch und bei Marko K. 84 übereinstimmende Merkmale und damit höchstwahrscheinlich identisch.

Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., möchte wissen wie die Vorauswahl der vermeintlichen Täter verlief. Der Gutachter äußert, dass er eine DVD mit Filmdateien erhalten habe, dann habe er beim Richter erfragt, wer überhaupt gesucht werde. Daraufhin wurde ein Termin bei der KPI Saalfeld vereinbart. Hier wurde zusammen die Videos geschaut. Auf einem Gruppenbild wurden die vier Beschuldigten gezeigt, diese Personen wurden dann in den Videos gesucht.

Es folgt ein Gruppenbild von einem Ackerkampf neun gegen neun. Darauf sind Theo Weiland, Marco K., Steve W., Till M. sowie weitere vermummte Personen zu erkennen.

Pinkes möchte weiterhin wissen, mit der Gutachter von der KPI gesprochen habe. Dieser gibt Frau Schölffel und einen Kollegen von ihr an. Auf weitere Fragen äußert der Gutachter, dass der Kontakt mit dem Richter telefonisch und schriftlich verlief.

Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., möchte wissen, wie sich die Wahrscheinlichkeit ermittelt. Der Gutachter verweist dafür auf die Fachliteratur, mit deren Hilfe Kriterien aufgestellt und begründet werden. Ein Rest Subjektiviät sei nicht zu vermeiden, dies hänge auch daran, dass die Vergleichsbilder nie die gleiche Qualität und Perspektiven aufweisen, so der Gutachter. Der Anwalt möchte weiter wissen, ob die Vorselektion bei der Wahrscheinlichkeit eine Rolle speile. Der Gutachter gibt an, dass dies nicht so ist und keine Minderung der Ergebnisse bestehe. Es gehe vor allem darum, ob auf den Bildern außergewöhnliche Merkmale festgestellt werden können. Dies seien Merkmale, die gemessen am phänotypischen Durchschnitt der Bevölkerung seltener sind und übereinstimmen. Dies schärfe das Ergebnis, so der Zeuge. Beisenbusch möchte vom Gutachter wissen, ob sich die Ergebnisklassen prozentual fassen lassen. Dieser gibt an, dass man bei Wahrscheinlichkeit von 70-90 Prozent ausgehe, 90-95 Prozent seien sehr wahrscheinlich und alles über 95 Prozent höchst wahrscheinlich. Rechtsanwalt Gaspar, Verteidigung Robin B., schließt seine Fragen an und möchte wissen, ob die Vorauswahl der KPI nochmal durch den Gutachter überprüft wurde. Der Gutachter gibt an, dass er dies nicht getan hat, dies wäre methodisch falsch. Auf Nachfrage gibt der Gutachter an, dass Blutsverwandte das Ergebnis hätten beeinflussen können, aber eine solche Verwandtschaft sei ihm hier nicht bekannt. Die Verteidigung von Steve W. möchte anhand eines gezeigten Bildes wissen, ob mittels Fotos aus der JVA Vergleiche angestellt werden sollten. Dies verneint der Gutachter. Seine Aufgabe sei es, dass er nicht vergleichen, sondern identifizieren soll. Wenn er wiedererkennen soll, sei das ein anderer Auftrag.

Es geht weiter mit dem zweiten Ackerkampf gegen Babelsberg. Hier werden Theo Weiland und Marco K. identifiziert. Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidiger Marco K., gibt an, dass sein Mandant einen Bruder im ähnlichen Alter habe und möchte wissen, welchen Unterschied dies für das Ergebnis habe. Der Gutachter gibt an, dass es bei zweieiigen oder eineiigen Zwillingen zu einem positiven Ergebnis kommen könne.

Nach einer Pause folgt der Kampf gegen Bielefeld, hier werden Steve W., Marco K. und Robin B. identifiziert. Beim Kampf gegen Essen Steve W., Robin B. und Marco K.. Beim Kampf gegen Koblenz werden Theo Weiland, Steve W. und Robin B. identifiziert.

Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., möchte wissen das wievielte Strafverfahren es ist, in dem der Gutachter eine solche Identifizierung vornehme. Der Gutachter sagt, es sei schwer zu beantworten, da er schon viel im strafrechtlichen Bereich erstellt habe, jedoch würden Strafverfahren nur 20 bis 25 Prozent ausmachen. Der Rest seien Ordnungswidrigkeiten. In Strafverfahren stehe meist mehr Bildmaterial zur Verfügung. Auf die Frage, ob Videoaufnahmen typisch für diese Arbeiten seien, antwortet der Gutachter bejahend. Vor allem Bilder aus Überwachungskamera in Bankautomaten gehören dazu.

Die Verhandlung wird damit beendet.

11. Prozesstag: 13. Januar 2021

Der Verhandlungstag beginnt mit der Vernehmung von Dr. Schenke als Sachverständiger für anthropologische Bildidentifikation am Uniklinikum Jena und fungiert als morphologischer Sachverständiger. Der Zeuge gibt an, er sei seit 2011 im Fachbereich für forensischen Bildidentifikation und habe seitdem ca. 600 Gutachten für Verfahren erstellt. Dies umfasse Strafsachen und Ordnungswidrigkeiten Grundsätzlich gäbe es keine staatlich geprüften oder vereidigten Gutachter für Bildidentifikation. Zum Ansatz erklärt der Gutachter, man konzentriere sich vor allem auf das Gesicht, weil dieses zumeist unverdeckt ist und sehr viele Merkmale auf wenig Körperfläche aufweise. Außerdem gäbe es eine große Literaturbasis zu Gesichtsmerkmalen. Bei 3-D Material sind ca. 150 Merkmale im Kopfbereich sichtbar, eine selbe Anzahl ergebe sich bei einer hohen Anzahl an Bildern in 2D.

Zum Gutachten gibt der Zeuge an, dass es 33 Videosequenzen erhalten habe. Nun habe er geschaut, welche sich für ein morphologischen Vergleich eignen. Danach wurde geschaut, welche identifizierten Merkmale empirisch weit in der Gesamtbevölkerung verteilt sind. Am 27. und 29. Oktober 2020 wurden Vergleichsfotos der Beschuldigten in den JVA’s angefertigt. Ihm wurden von der Saalfelder Kriminalpolizei die vier Tatverdächtigen gezeigt. Diese wurden mit den Screenshots aus insgesamt sechs Tatkomplexen abgeglichen. Dabei handelte es sich um einen Kampf gegen Münster, Babelsberg, Bielefeld, Essen, Frankfurt und Koblenz. Die Bildqualiätt war laut dem zeugen sehr unterschiedlich. Die Aufnahme vom Kampf gegen Babelsberg hatte schlechte Qualität, während die beste Qualität bei Kämpfen gegen Bielefeld und Frankfurt verzeichnet wurden.

Der Gutachter präsentiert sein Ergebnis, wobei zusätzlich Screenshots aus den Videos gezeigt werden, bei denen jeweils die Angeklagten ausgeschnitten werden.

Beim ersten Ackerkampf gegen Münster kommt der Gutachter bei Theo Weiland auf 73 übereinstimmende Merkmale, damit ist es sehr wahrscheinlich identisch. Bei Steve W. sind es 52 übereinstimmende Merkmale, damit wahrscheinlich identisch und bei Marko K. 84 übereinstimmende Merkmale und damit höchstwahrscheinlich identisch.

Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., möchte wissen wie die Vorauswahl der vermeintlichen Täter verlief. Der Gutachter äußert, dass er eine DVD mit Filmdateien erhalten habe, dann habe er beim Richter erfragt, wer überhaupt gesucht werde. Daraufhin wurde ein Termin bei der KPI Saalfeld vereinbart. Hier wurde zusammen die Videos geschaut. Auf einem Gruppenbild wurden die vier Beschuldigten gezeigt, diese Personen wurden dann in den Videos gesucht.

Es folgt ein Gruppenbild von einem Ackerkampf neun gegen neun. Darauf sind Theo Weiland, Marco K., Steve W., Till M. sowie weitere vermummte Personen zu erkennen.

Pinkes möchte weiterhin wissen, mit der Gutachter von der KPI gesprochen habe. Dieser gibt Frau Schölffel und einen Kollegen von ihr an. Auf weitere Fragen äußert der Gutachter, dass der Kontakt mit dem Richter telefonisch und schriftlich verlief.

Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., möchte wissen, wie sich die Wahrscheinlichkeit ermittelt. Der Gutachter verweist dafür auf die Fachliteratur, mit deren Hilfe Kriterien aufgestellt und begründet werden. Ein Rest Subjektiviät sei nicht zu vermeiden, dies hänge auch daran, dass die Vergleichsbilder nie die gleiche Qualität und Perspektiven aufweisen, so der Gutachter. Der Anwalt möchte weiter wissen, ob die Vorselektion bei der Wahrscheinlichkeit eine Rolle speile. Der Gutachter gibt an, dass dies nicht so ist und keine Minderung der Ergebnisse bestehe. Es gehe vor allem darum, ob auf den Bildern außergewöhnliche Merkmale festgestellt werden können. Dies seien Merkmale, die gemessen am phänotypischen Durchschnitt der Bevölkerung seltener sind und übereinstimmen. Dies schärfe das Ergebnis, so der Zeuge. Beisenbusch möchte vom Gutachter wissen, ob sich die Ergebnisklassen prozentual fassen lassen. Dieser gibt an, dass man bei Wahrscheinlichkeit von 70-90 Prozent ausgehe, 90-95 Prozent seien sehr wahrscheinlich und alles über 95 Prozent höchst wahrscheinlich. Rechtsanwalt Gaspar, Verteidigung Robin B., schließt seine Fragen an und möchte wissen, ob die Vorauswahl der KPI nochmal durch den Gutachter überprüft wurde. Der Gutachter gibt an, dass er dies nicht getan hat, dies wäre methodisch falsch. Auf Nachfrage gibt der Gutachter an, dass Blutsverwandte das Ergebnis hätten beeinflussen können, aber eine solche Verwandtschaft sei ihm hier nicht bekannt. Die Verteidigung von Steve W. möchte anhand eines gezeigten Bildes wissen, ob mittels Fotos aus der JVA Vergleiche angestellt werden sollten. Dies verneint der Gutachter. Seine Aufgabe sei es, dass er nicht vergleichen, sondern identifizieren soll. Wenn er wiedererkennen soll, sei das ein anderer Auftrag.

Es geht weiter mit dem zweiten Ackerkampf gegen Babelsberg. Hier werden Theo Weiland und Marco K. identifiziert. Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidiger Marco K., gibt an, dass sein Mandant einen Bruder im ähnlichen Alter habe und möchte wissen, welchen Unterschied dies für das Ergebnis habe. Der Gutachter gibt an, dass es bei zweieiigen oder eineiigen Zwillingen zu einem positiven Ergebnis kommen könne.

Nach einer Pause folgt der Kampf gegen Bielefeld, hier werden Steve W., Marco K. und Robin B. identifiziert. Beim Kampf gegen Essen Steve W., Robin B. und Marco K.. Beim Kampf gegen Koblenz werden Theo Weiland, Steve W. und Robin B. identifiziert.

Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., möchte wissen das wievielte Strafverfahren es ist, in dem der Gutachter eine solche Identifizierung vornehme. Der Gutachter sagt, es sei schwer zu beantworten, da er schon viel im strafrechtlichen Bereich erstellt habe, jedoch würden Strafverfahren nur 20 bis 25 Prozent ausmachen. Der Rest seien Ordnungswidrigkeiten. In Strafverfahren stehe meist mehr Bildmaterial zur Verfügung. Auf die Frage, ob Videoaufnahmen typisch für diese Arbeiten seien, antwortet der Gutachter bejahend. Vor allem Bilder aus Überwachungskamera in Bankautomaten gehören dazu.

Die Verhandlung wird damit beendet.

10. Prozesstag: 6. Januar 2021

Der zehnte Prozesstag beginnt mit der Verlesung des Einsatzberichtes zur Verhaftung von Marco K. am 27. April 2020. Im Einsatzbericht heißt es, dass Marco K. von seiner Arbeitsstelle in Stadtilm auf dem Weg zu seinem weißen Golf GTI mit einem Kennzeichen aus dem Ilm-Kreis mit einer weiteren Person angetroffen wurde. Mit den Worten „Polizei, auf den Boden, ich will die Hände sehen“ wurde Marco K. angehalten und mittels körperlichen Zwang festgehalten und verhaftet. Sein Arbeitskollege Phillip F. Wurde ebenfalls durchsucht und vorläufig festgenommen. Im Auto wurden ein Mobiltelefon sowie diverse Aufkleber mit Fußballbezug sichergestellt.

Es folgt Verlesung Observationsbericht 01. November 2019 bis 02. November 2019 vom Thüringer LKA. Erste Zielperson ist Theo Weiland mit Mercedes Benz Hallenser Kennzeichen. Fährt ins Stadtgebiet Erfurt über Herrenberg, Arnstädter Straße zu Steigerwaldstadion. Parkt Höhe Landtag ab. Beginnt in Richtung Stadion zu rennen. Polizei verliert ihn aus den Augen. Theo Weiland befindet sich im Stadion Innenraum und nimmt Kontakt zu zwei unbekannten Personen außerhalb des Stadions auf. Unbekannte Person 1 wird ca. 1,85 – 1,95 m, ca. 25 – 30 Jahre sportlich beschrieben. U2 wird ca. 1,85 – 1,90 m beschrieben ca. 25 – 30 Jahre, rote Mütze, dunkle Jacke, weiße Schuhe. Nach Gespräch mit U1 und U2 entfernt sich Theo Weiland. Verlässt Stadion mit Marco K. sowie U3 und U4. U3 und U4 werden als männlich, sportlich, ca. 185 – 1,90 m (U3) und 1,75 – 1,85 m Bomberjacke und Glatze (U4) beschrieben.

Marco K. begibt sich zu weißen VW Golf IK – MK 792. U3 begibt sich Skoda mit Kennzeichen aus dem Kyffhäuser Kreis, zugelassen auf Richie B.. Nach Kirhheim fuhren Marco K. sowie U3 und U4. Später am Abend verlassen acht Personen das Gebäude in Kirchheim. Eine Person begibt sich zu Skoda Octavia mit Ilmenauer Kennzeichen, zugelassen auf Dominik B., Langewiesen. Sie fuhren dann nach Kirchheim in Erlebnisscheune. Später am Abend verließen acht Personen Gebäude in Kirchheim. Robin B. geht zu einem BMW , zugelassen auf auf ihn selbst in Leinatal. Eine Person zu einem grauen Audi A5 mit Ilmenauer Kennzeichen, zugelassen auf Vater von Roy-Peter K., Ilmenau. Eine Person zum Auto von Richie B. Eine Person zu einem Skoda mit Ilm-Kreis Kennzeichen, zugelassen auf Till M. in Amt Wachsenburg.

Folgend wird Observationsbericht vom 09. Januar 2020 bis 10. Januar 2020 Thüringer LKA verlesen. Es geht wieder um zwei Zielpersonen Theo Weiland und Marko K.. Diese treffen sich mit Marius M., Thomas Z., Eric H. , Niels R., Benjamin St., Dominic B. und Robin B. auf Parkplatz in Rudolstadt. Gehen gemeinsam zu Amtsgericht Rudolstadt, wo sie später auf David H., Maximilian W. treffen. Maximilian W. kam mit Audi A8 Saalfelder Kennzeichen, zugelassen auf seine Mutter in Saalfeld. Gruppe um Theo Weiland und Marco K. begibt sich nach Begrüßung von H. und W. in das Gerichtsgebäude. Vor dem Gericht kommen Hans-Jürgen R. sowie Philipp U. an. Begrüßen H. und W., betreten zusammen das Gerichtsgebäude. Nach Ende der Verhandlung kommen alle gemeinsam heraus, zusätzlich noch Unbekannte männliche Person ca. 40 – 50 Jahre mit Anzug und Krawatte, graue Haar.

Gruppe um Jungsturm verlässt den Ort. Begibt sich zu Autos, VW Golf GTI mit Saalfelder Kennzeichen, Golf GTI mit Saalfelder Kennzeichen, Hyundai Münchner Kennzeichen von Robin B.. Sie fahren zum Restaurant Markt 17 Rudolstadt, „Ristorante Italiano da Meli“.

Es werden Fotos vom Eingangsbereich mit den aufgeführten Personen in Augenschein genommen. Oberservationsfotos scheinen vom nahegelegenen Gebäude ggü. Eingang AG Rudolstadt aus erster oder zweiter Etage gemacht worden sein sowie aus Autos fotografiert.

Es folgt Verlesung Oberservationsbericht 12. Januar 2020. Zielpersonen sind Theo Weiland und Marco K. Marco K. und Dominik B. starten in Langewiesen mit Auto von Marco K. in die Unterpörlitzer Straße, Parkplatz Backhaus Nahstädt. Sie verlassen Auto und verschwinden aus Sichtfeld Polizei. Kurze Zeit später kehren Marco K., Dominik B., Roy-Peter K. und Benjamin St. zu Auto zurück. Fahren nach Besuch der Tankstelle nach Kirchheim. Sie parken auf Gelände, warten vor Eingang. Treffen dort unbekannte weibliche Person sowie unbekanntes männliches Kind. Es kommen Theo Weiland und Philipp M. gemeinsam mit dem Auto. Begrüßen die anderen und betreten Objekt. Kurze Zeit später kommt Hyundai mit Münchner Kennzeichen und Robin B. kommt mit Sporttasche gegen 10 Uhr. Gegen 11:14 Uhr verlassen alle nacheinander das Gebäude und fahren in unterschiedliche Richtungen ab. Die Observation wird beendet.

Es erfolgt Aushändigung Beschluss zu Ablehnungsantrag gegen Gutachter. Beschluss wird verlesen. Der Befangenheitsantrag wird als unbegründet zurückgewiesen. Es geht um Gutachten Bilder zu Spuren auf Handy Theo Weiland, USB von Felix R., Laptop Richie B. sowie Handy Marco K.. Der Auftrag für morphologisches Gutachten war klar und eindeutig und lässt keinen Schluss zu, dass es um eine zielgerichtete Überführung der Angeklagten geht. Verlesung Teile aus Antrag, Stellungnahme Gutachter und Staatsanwaltschaft. Ablehnungsgesuch gegen Gutachter ist wie gegen Richter möglich, ist hier aber als unbegründet abzulehnen, da keine Anhaltspunkte für vorhergehende Festlegung zur Überführung der Angeklagten zu erkennen sind. Die Vorauswahl sowie der Erweiterungsbeschluss und Verfahren in Bezug auf KPI Saalfeld und Gutachter bieten hier keinen Ausschlussgrund.

Der Richter gibt zu Protokoll, er werde nun den weiteren Verfahrensablauf erörtern. Richter habe sich am 01.01.20 das Bein gebrochen, wurde noch am selben Tag operiert und sei gestern nach Rücksprache mit Ärzten aus Krankenhaus entlassen. Der Termin am 07.01.20 werde daher aufgehoben, da er sich auf Anraten der Ärzte noch schonen soll. Am 13.01.20 werde Verhandlung wie geplant fortgesetzt.

9. Prozesstag: 17. Dezember 2020

Die Verhandlung beginnt mit der Anhörung eines Zeugen, welcher vom Angriff auf die Bowlingbahn in Gorndorf am 22. Februar 2019 geschädigt war. Der Zeuge gibt an, er wäre Teil einer feiernden Gruppe gewesen. Der Angriff ereignete sich zwischen 20 und 21 Uhr, wobei zehn bis fünfzehn Angreifer in die Bowlingbahn stürmten. Sie trugen laut dem Zeugen dabei rot-weiße sowie schwarz-weiß-rote Sturmhauben, was der zeuge aufgrund einer expliziten Nachfrage des Richters nochmals bestätigt. Der Angriff soll dabei nur ein bis zwei Minuten gedauert haben. Es soll einen Warnruf gegeben haben, dann habe der zeuge beobachten können, wie die Angreifer zur Tür hineinstürmten. Der Zeuge gibt an, er habe Gläser und Aschenbecher zu Bruch gehen gehört. Ob alle Angreifer weiße T-Shirts getragen haben, wie der Zeuge noch bei der Polizei angegeben hatte, sei ihm nicht mehr erinnerlich. Der zeuge gibt weiter an, er habe den Angriff nur begrenzt wahrnehmen können, da er sich schützend über seine Freundin gelegt habe. Er habe ungefähr 20 Schläge gegen den Schulterbreich, Rücken und den Kopf erhalten.

Die Verteidigung möchte wissen, warum der Zeuge seine Aussage in Bezug auf weiße T-Shirts revidiert habe und ob es im Vorfeld Absprachen bezüglich der Zeugenaussagen gegeben habe. Der Zeuge gibt an, dass er sich an seine Aussage bei der Polizei erinnerte und dies nicht mehr sicher bestätigen könne. Vorabsprachen haben laut dem Zeugen keine stattgefunden. Warum der Zeuge die Schläge gegen den Kopf bei der polizeilichen Vernehmung nicht erwähnte, konnte er nicht beantworten. Der Zeuge wird entlassen.

Es erfolgt die Anhörung des Rechtsmediziners Dr. Schenkel, welcher ein morphologisches Gutachten erstellt hat und dieses verlesen soll. Dabei geht es um die Identifizierung der Angeklagten in den Tatsequenzen der Ackerkämpfe. Rechtsanwalt Tuppat, Verteidigung Steve W., stellt vor der Verlesung einen Ablehnungsantrag gegen das Gutachten. Die Objektivität des Gutachtens sei durch Vorselektion nicht mehr gegeben. Die Überführung der Beschuldigten sei das Ziel des Gutachtens. Das Gericht räumt eine Pause ein, damit Staatsanwaltschaft und Gutachter eine Stellungnahme abgeben können.

Die Staatsanwaltschaft führt aus, dass nach §24 Abs. 2 StPO keine Anhaltspunkte für eine Parteilichkeit vorliegen. Die Nennung der Beschuldigten diene der Präzisierung des Gutachtens und es gibt keinen Anlass von einer Überführungsmotivation auszugehen.

Der Gutachter erwidert in seiner Stellungnahme mit einem Verweis auf das Regelwerk der Rechtsgutachter. Der Umfang eines Gutachtens werde alleine durch die Fragestellung festgelegt, eine Erweiterung sei jedoch nach Rücksprache mit dem Auftraggeber möglich. Daher sei die Objektivität gewahrt.

Es folgt ein Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter durch Rechtsanwalt Tuppat, Verteidigung Steve W., da der Richter im nach Ankündigung des Ablehnungsantrags gegen das Gutachten äußerte: „Wir hören das Gutachten trotzdem.“

Die Entscheidung über die jeweiligen Anträge erfolgt im neuen Jahr, die Verhandlung wird damit beendet.

8. Prozesstag: 16. Dezember 2020

An diesem Verhandlungstag steht vor allem die Anhörung der Ermittler im Vordergrund. Diese erläutern ihr Vorgehen sowie ihre daraus resultierenden Ermittlungsergebnisse.

Als erster Zeuge wird KHM M. von der KPI Saalfeld gehört. Er beschäftigte sich im Rahmen der Ermittlungen mit der Auswertung der Verkehrsdaten. Dabei wurde ein Verfahren angewandt, bei dem wiederholt alle Handynummern in der örtlichen Nähe sowie dem Zeitraum eines bestimmten Ereignisses erfasst worden sind. Diese Methode wurde bei mehreren Ereignissen erfasst, bei einer Schnittmenge, sogenannten „Kreuztreffern“ wurden die Ergebnisse abgeglichen.

Konkret bedeutete dies, laut dem Zeugen, dass das Verfahren bei Ereignissen in Kirchheim sowie in Gorndorf durchgeführt worden sind. Bei den zwei Ereignissen in Kirchheim handelte es sich um den Zeitraum zwischen 0 und 1 Uhr am Folgetag. Bei Gorndorf um 0 bis 23 Uhr. Der Beamte bemerkt, dass es sich bei den beiden Erfassungen in Kirchheim um wenig sinnvolle handelte, da Anwohner und Pendler erfasst worden sind und damit zu viele Treffer vorliegen würden. Der Ermittlungsaufwand sei dementsprechend hoch, so der Zeuge. Bei diesen Ermittlungen wurden vor allem drei Nummern Inhabern zugeordnet und diese ebenfalls Beschuldigten zu geordnet. Dabei wurde Steffen B. als ein Inhaber ermittelt. Bei dieser Nummer handelte es sich um eine Nutzung durch den Angeklagten Robin B., lediglich sein Vater sei der Inhaber der Nummer. Eine weitere Zuordnung erfolgte über Beate K., die Mutter von Roy-Peter K. sowie Luisa B., die Lebensgefährtin des Angeklagten Marco K.. Eine weitere zugeordnete Nummer ist von Benjamin St..

Die Verteidigung möchte vom Zeugen wissen, inwiefern der technische Vorgang der Standortbestimmung erfolgte. Der Zeuge kann den Vorgang nur sehr vage erklären. Zusammenfassend äußert der Zeuge, dass Telefonmasten mit dem besten Empfang angewählt werden. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um den nahegelegensten Mast halten. Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., fragt den Zeugen, ob dieses Verfahren auch am 22. Februar 2020 angewandt wurde, was dieser bejaht. Da keine weiteren Fragen aufkommen, wird der Zeuge entlassen.

Als zweiter Zeuge wird KHM G. von der KPI Saalfeld gehört. Dieser habe sich seinen Angaben nach ebenfalls mit der Handyortung beschäftigt. Der Zeuge gibt an, dass das Telefon des Angeklagten Marco K. am 11. Februar 2018 um 12:37 Uhr in einem Waldgebiet geortet wurde. Dabei soll es sich mutmaßlich um einen Austragungsort für einen Ackerkampf gehandelt haben. Der Zeuge gibt weiterhin an, dass GPS Daten bei Fotos gelöscht werden können, weshalb man sich zu weiteren Ortungen entschloss. Die Telefonnummer des Angeklagten Marco K. konnte zugeordnet werden und mittels der Freeware Anwendung opencellid.org wurde der Standort ermittelt. Erst auf Nachfrage des Rechtsanwalt Pinkes gibt der Zeuge an, dass es bislang keine Erfahrungen mit der Methode via opencellid.org gebe. Der Zeuge wird entlassen.

Als dritter Zeuge wird POM S. von der KPI Saalfeld benannt. Der Zeuge war in die Telekommunikationsüberwachung sowie in die Observationen eingebunden. Als erstes erläutert der Zeuge die Vorgehensweise im Umgang mit abgehörten Telefonaten. Diese werden laut dem Zeugen in der Regel knapp ein bis zwei Tage nach der Aufzeichnung verschriftlicht. Nach seiner Schilderung fährt der Zeuge im Bezug auf die Observation am 7. Februar 2020 fort. An diesem Tag hatte der gesondert verfolgte Felix R. aus Saalfeld Geburtstag. Anlässlich dessen absolvierte die Gruppe eine Trainingseinheit in Kirchheim. Daran schloss sich ein Essen im Palais Steakhouse in Erfurt an. Die Ermittler befanden sich bereits in dem Restaurant und identifizierten dabei 18 Personen in der Runde. Dies waren laut dem Zeugen Steve W., Theo Weiland, Marco K., Robin B., Rene T., Dominic B., Michael St., Marcel T., Kevin N., Eric H., Marius M., Philipp M., Dennis D., Eric M., Roy-Peter K., Benjamin St. sowie ein B. und ein P..

Es erfolgt eine Sichtung von Fotos des Abends. Diese sind laut dem Zeugen Standbilder aus Videoaufnahmen, welche zwischen 18:30 Uhr und 20:30 Uhr im Restaurant entstanden sind. Auf den Fotos wurden Hannes P., Rene T., Marcel T. und Eric M. Identifiziert.

Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., möchte wissen inwiefern die Personen denn überhaupt erkannt worden sind. Der zeuge gibt daraufhin an, dass man sich auf Observationen mittels Recherche vorbereite.

Es erfolgt die Entlassung des Zeugen sowie eine kurze Unterbrechung.

Mit der Fortsetzung der Verhandlung werden zwei Widersprüche der Verteidigung abgelehnt, welche sich auf die vorherigen Prozesstage beziehen. Einmal wird dem Widerspruch gegen die Verwendung der verschriftlichten Ergebnisse der TKÜ nicht entsprochen. Außerdem müssen laufende Verfahren gegen einen Zeugen des Überfalls in der Bowlingbahn in Gorndorf nicht verlesen werden.

Es erfolgt die Anhörung des vierten Zeugen, KHM T. von der KPI Saalfeld. Dieser war zuständig für die beschlagnahmten Datenträger. Es erfolgt eine Erklärung des Zeugen über die Verfahrensweise. Dabei wird ein forensisches Abbild des Datenträgers erstellt, danach können gelöschte, umbenannte und verschobene Daten rekonstruiert werden.
Der Zeuge erklärt, dass im Verfahren gegen Felix R. ein USB-Stick mit 2 GB beschlagnahmt werden. Auf diesem befand sich ein gelöschter Ordner „Riot“, welcher wiederhergestellt werden konnte. Darin befanden sich Aufnahmen eines Ackerkampfes gegen Frankfurt sowie ein Gruppenbild im Anschluss auf einem Parkplatz eines Fast-Food Restaurants. Es folgt die in Augenscheinnahme von Fotos und Screenshots.

Weiterhin gibt der Zeuge an, dass bei Richie B. eine Reihe von Mobiltelefonen und Laptops beschlagnahmt worden sind. Drei davon konnten nicht entsperrt werden, da dies zu teuer sei. Ein weiteres sei sehr alt gewesen und ein weiteres einer anderen Nutzerin zugeordnet. Auf dem Laptop, welcher ebenfalls einer anderen Nutzerin zugeordnet wurde befand sich zwar Profil „Richie“, dieses wurde jedoch nur einmal benutzt. Auf dem Laptop des Beschuldigten wurde ein Ordner „Jungsturm“ gefunden. Darin befanden sich Videos und Gruppenbilder der Ackerkämpfe aus den letzten fünf Jahren, inklusive Benennung der Gegner, Fotos von Graffitis in Bezug auf FC RWE, selbsterstellte Grafiken für Merchandise etc. sowie Boarding-Pässe nach Sofia, u.a. für Till M..

Der Zeuge äußert, dass Richie B. der „kreative Faktor“ der Gruppe sei. Ebenfalls geht er davon aus, dass es sich um die Originaldateien handelt, da diese in hoher Qualität vorliegen.

Nach einer kurzen Pause erfolgt die Sichtung der Videos von den Ackerkämpfen gegen Babelsberg, Bielefeld, Essen, zweimal Koblenz und Frankfurt. Anschließend wird der Zusammenschnitt „5 Jahre JS“ gezeigt, eine Compilation aus Fotos von Graffiti, malen von Transparenten sowie Videos der Ackerkämpfe.

Es werden außerdem Fotos aus der ED Behandlung der Angeklagten gezeigt. Alle Angeklagten haben eindeutige Tätowierungen mit Fußballbezug sowie zur Gruppe des „Jungsturms“. Steve W. hat zudem mehrere Portraits von Horrorfilmfiguren und realen Serienmördern über den Körper verteilt. Auf seinem Bauch steht in Frakturschrift „Misanthrop“.

Damit endet der 8. Prozesstag.

7. Prozesstag: 10. Dezember 2020

Der Prozesstag beginnt mit der Verlesung einer dienstlichen Erklärung vom 8. Dezember 2020, von KHM H. von der KPI Saalfeld. Diese wird vom Richter verlesen und handelt von den Mitschriften bei der Verhandlung am 3. Dezember 2020 während der Verhandlung. Diese wurden laut KHM H. zu dem Zweck angefertigt, dass Aussageverhalten der Kriminalpolizeibeamten zu beobachten.

Es erfolgt die erste Zeugenvernehmung. Die Zeugin Anke T., PHM der LPI Saalfeld soll zu den Tatortbegehungen in Hessisch-Lichtenau aussagen sowie zu ihren Zeugenvernehmungen.

Auf dem USB-Stick, welcher bei Felix R. beschlagnahmt wurden, waren Videos von einem Ackerkampf auf einem Waldweg gefunden worden. Die Zeugin gibt an, sie habe keine Anhaltspunkte gehabt, wo dies gewesen sein könnte. Auf dem Telefon von Steve W. habe man ein Foto von Kämpfern nach einem Kampf und ein Video von einer Raststätte gefunden, bei dem die Kämpfer die selbe Kleidung trugen und abgekämpft aussahen. Von der Thüringer Autobahnmeisterei sei die Auskunft gekommen, dass es sich dabei nicht um Thüringen handle. Mittels einer Suche auf Google-Maps habe man eine Sackgasse bei Hessisch-Lichtenau gefunden. Vor Ort habe man sich mit Kollegen getroffen. Der genaue Waldort war erst unklar. Nach einem Besuch im Forstamt, wurden die Waldwege abgefahren. Ein Jagdpächter habe sich später gemeldet und den Ort auf Fotos wiedererkannt. Es gab ein Foto vor einem Holzstapel, über die Polternummer konnte das dortige Revier bestätigt werden.

Zwei Bilder werden in Augenschein genommen. Ein Bild zeigt elf Kämpfer vor einem Holzstapel mit weißen Shirts, zum Teil oben ohne. Ein zweites Bild zeigt sieben Kämpfer in rot vor einem Holzstapel. Die Zeugin wird entlassen.

Es folgt die Vernehmung des Zeugen POK L. aus Hessisch-Lichtenau. Dieser berichtet vom Ersuchen aus Thüringen nach einer Ortsermittlung. Mittels Fotos und Videos sei man auf den Autobahnabschnitt der A44 beim Hohenmeißner gekommen. Ein Foto vom Holzpolter und vor einem Hochsitz wurden an die Reviere übermittelt. Der Jagdpächter T. erkannte den Hochsitz und die Waldschneise. Danach erfolgte eine Ortsbegehung. Es folgt ein weiteres Bild von Kämpfern vor einem Holzstapel in rot. Darunter Steve W., Theo Weiland und Eric H..

Der Zeuge T., als Jagdpächter in Hessisch-Lichtenau wird in den Zeugenstand gerufen. Dieser ordnet den Ort ein. Dieser befinde sich in der Gemarkung Söderwald, Welsungen. Der Zeuge gibt an, dass ihm ein Foto per Mail von einer Personengruppe zugesandt wurde. Mehr Angaben kann der Zeuge nicht machen und wird entlassen.

Es folgt die Vernehmung des Zeugen KOK Danny U. aus Saalfeld. Der Zeuge war bei der Ortsermittlung in Babelsberg beteiligt und betreute die Telekommunikationsüberwachung und war an Durchsuchungen beteiligt.

Der Zeuge erklärt die Telekommunikationsüberwachung. Das LKA stelle eine Leitung bereit sowie PC-Technik und Kopfhörer. Man könne dann live mithören oder mitschneiden. Normalerweise wird am Folgetag abgehört, was in der Nacht aufgenommen wurde. Danach wird alles verschriftlicht. Insgesamt seien in diesem Fall 14.000 Ereignisse gezählt, davon 9.000 Gespräche und 800 Kontakte. Täglich habe man zusammengesessen und die Datenerkenntnisse besprochen. Es seien gezielt Gespräche abgehört und auf Bestimmtes geachtet worden. Wenn es nur die Freundin war, sei die uninteressanter, mit Kampf-Bezug interessanter, so der Zeuge. Es wurde nach Relevanz verschriftlicht. Jedoch wurde auch bei irrelevantem Inhalt auf Orte oder ähnliches geachtet, um Observationen und andere Maßnahmen anpassen zu können. Gespräche wurden zum Teil mehrfach angehört, es wurde sich aufgeteilt unter drei Beamten. Wenn den zeugen aber z. B. Theo Weiland interessiert hat, habe er Gespräche nochmal gehört, die durch andere betreut worden sind.

Zum Tatort in Babelsberg erklärt der Zeuge, dass es ein Video des „Jungsturms“ beim Kampf auf einer Wiese gab. Außerdem gab es Telegram-Chats mit Bezug zu Babelsberg. Theo Weiland äußerte sich zu einen fünf gegen fünf gegen Babelsberg, bei dem Erfurt gewonnen hätte. Im Vorfeld habe Theo Weiland die Kampfaufstellung an Robin B. geschickt. Das Video selbst war vom 12. Mai 2019, außerdem habe der Kollege des Zeugen Nachrichten aus dem Telegram-Chat zwischen Theo Weiland und Dennis D., wo es u.a. um Fotos und den Ort geht, woraufhin Dennis D. von „Babelsberg“ schrieb. Ein Szenekundigerbeamter aus Babelsberg habe auf dem Video zwei bis drei Babelsberger wiedererkannt, darunter Patrick A. und Jeremy B.

Es wird das Video gezeigt. Fünf Personen in schwarz und fünf Personen in weiß kämpfen gegeneinander, weiß gewinnt.

Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., fragt den Zeugen, warum die Verschriftlichungen teils fett hervorgehoben sind und manche nicht. Der Zeuge erwidert, dass nur relevantes verschriftlicht werde, besonders Wichtiges werde fett hervorgehoben.

Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., möchte wissen, wie die Stimmen identifiziert werden. Der Zeuge antwortet, dass die Beamten auf Namen, Spitznamen warten, die Leitungsinhaber checken und mit den Nummern in den Polizeidaten abspeichern. Ansonsten seien die Stimmen nach einem Dreivierteljahr mithören zu erkennen.

Rechtsanwalt Beisenbusch möchte weiter wissen, was es mit dem Vermerk in einem Telefonat zwischen Marco K. und Theo Weiland „Ich hab gehört, dass Dortmund dominant gewonnen“ mit Zusatzkommentar auf sich hat. Der Zeuge erklärt, dass es um ein Match zwischen LOK und Dortmund Hooligans geht, bei dem „Jungsturm“ LOK unterstützt habe. Robin B. soll dabei für LOK gekämpft haben. Laut Beisenbusch haben, so der Kommentar, zwei Mitglieder des „Jungsturm“ gekämpft, daran könne sich der Zeuge jedoch nicht mehr erinnern. Rechtsanwalt Held, ebenfalls Verteidigung Marco K., möchte wissen, wer über die Relevanz entschied. Der Zeuge gibt an, dass es der Hörer entschied. Im Anschluss sei die in der Arbeitsgruppe besprochen worden. In dieser waren laut dem Zeugen der Leiter Schmidt, Schlöffel, Brückner, Sinnig, Wurzbacher, Trautschold, nochmal Schmidt und der Zeuge selbst.

Rechtsanwalt Gaspar, Verteidigung Robin B. schließt sich den Fragen an und möchte wissen, ob alle Telefonate gut zu verstehen waren. Der Zeuge bejaht und gibt an, wenn dies nicht so war, wurde dies vermerkt. Weiter will Gaspar wissen, ob dem Beamten ein Name V. etwas sagt, da dieser in einem Telefonat vorkam. Der Zeuge bejaht, es gehe da um eine Zugfahrt zwischen Saalfeld und Kaulsdorf, wo V. einem Fußballfan von Erfurt eine Flasche auf den Kopf geschlagen haben soll. Ein Ermittlungsverfahren dazu laufe. Gaspar merkt an, dass der Zeuge V. sich vor Gericht noch als „Lämmchen“ präsentiert habe, eventuell liege bei ihm ein Belastungsinteresse vor.

Der Richter merkt an, dass die Staatsanwaltschaft das zugehörige Aktenzeichen zum Ermittlungsverfahren liefern solle.

Rechtsanwalt Fehse, Verteidigung Theo Weiland, fragt, ob der Zeuge in Telefonaten zwischen Ironie und Ernst unterscheiden konnte. Dieser gibt an, wenn dies ersichtlich war, wurde dies vermerkt.

Wieder möchte Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., wissen, warum die Security-Jobs der Beschuldigten relevant waren. Der Zeuge gibt an, dass nicht klar war, ob der „Jungsturm“ gesamt als Security arbeite oder nur einzelne Mitglieder.

Es erfolgt eine Erklärung von Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., dass die verfügte Einführung der TKÜ-Protokolle im Selbstleseverfahren, an denen der Zeuge mitwirkte, zu widersprechen sei. Eine Auswahl der Verschriftlichung könnte die Schöffen beeinflussen. Ebenfalls widerspricht Rechtsanwalt Gaspar, Verteidigung Robin B., der Verwertung, da bei der Verschriftlichung eine Interpretation und Auswahl der Ereignisse erfolgt sei. Beispielsweise gäbe es ein Gespräch von über einer Stunde, welches in sechs Seiten durch KOK Wurzbacher verschriftlicht worden ist. Dari fehlen ganze Teile, welche als „belanglos“ markiert worden sind. Später käme dies ebenfalls vor. „XY nervt, dass sich die Linken von Jena freuen werden, ihn nervt auch, dass sich die Linken in der Fanszene von Erfurt freuen werden.“ Dadurch werde dem Leser das passende Ermittlungsergebnis aufgedrängt.

Es folgt die Zeugin Jacqueline S. von der KPI Saalfeld. Sie gibt an, dass in Saalfeld wegen zwei Fällen des Landfriedensbuch und zwei Fällen der gefährlichen Körperverletzung ermittelt wurde. Sie unterstützte dabei den Kollegen Brückner. Die erste Durchsuchung habe es im September 2019 wegen Landfriedensbruch gegeben. Die Zeugin wertete dabei u.a. die Spuren von Felix R. aus. Am 7. Februar 2020 war die Zeugin zudem bei einer Observation eines „Jungsturm“-Treffens in Erfurt beteiligt.

Richter Tonndorf fragt, ob der Kampf vom 23. Januar 2018 ein anderes Datum hätte und sich dies aus der Auswertung des Telefons von Steve W. ergeben hätte. Die Zeugin gibt an, dass es Nachrichten auf dessen Telefon gab sowie einen Chatverlauf zu diesem Datum mit einer potenziellen Teilnehmerliste. Es wird vom 22. Oktober 2016 als eigentlicher Kampftag ausgegangen. Die Zeugin führt aus, dass alles mit vier Videos auf dem USB-Stick von Felix R. begann. Die ersten drei Videos hatten alle die selbe Handlung, ein Kampf weiß gegen rot, elf gegen elf. Auf dem vierten Video ist ein zwei gegen zwei zu sehen. Auf den Handys von Theo Weiland und Eric H. waren Videos die Videos ebenfalls zu finden. Auf dem Handy von Theo Weiland waren fünf Videos von Kämpfen zu finden. Bei den Durchsuchungen im April 2020 wurden die Datenträger von Richie B. beschlagnahmt. Auf seinem Laptop wurde eine Vielzahl an weiteren Videos gefunden. Daraus wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Richie B. eingeleitet. Der Sachverständige Dr. Schenke wurde mit der Identifizierung der Personen auf den Videos beauftragt. Dafür habe Dr. Schenke Screenshots erstellt. Zu den Screenshots wurden ihm die Namen genannt. Jede Person habe eine Nummer zugeteilt bekommen.

Nach einer Pause fragt der Richter die Zeugin, auf welchen Datenträgern sie die Videos gefunden habe. Sie gibt an, dass dies Auf dem USB-Stick von Felix R. war, auf zwei Telefonen von Theo Weiland sowie dem Laptop von Richie B. und einem Telefon von Steve W..

Der Richter möchte von der Zeugin wissen, ob es Finanzermittlungen gegeben habe.

Die Zeugin bejaht, es ging dabei um das Gruppenkonto des „Jungsturm“, welches Theo Weiland bei der DKB eröffnet habe. Von dem Konto wurde u.a. Geld an Benjamin St. wegen eines Todesfalls im Privatumfeld gezahlt. Für Theo Weiland, Marco K., Robin B. und Benjamin St. wurden BaFin-Ersuchen gestellt. Theo Weiland hatte dabei ein Geschäftskonto bei der DKB, von dem die Zeugin eine Umsatzübersicht mit Geldeingängen von „Jungsturm“-Mitgliedern bekam. Dabei handelte es sich um zehn bis zwanzig Euro im Monat. Seltener seien es größere Beträge gewesen. Die Zahlung an Benjamin St. wurde dadurch ebenfalls ersichtlich. Ebenfalls sei für die 5-Jahres-Feier des „Jungsturm“ 2019 Getränke und Merchandise bezahlt. Die Auskunft zum Konto reiche bis Ende November 2019.

Auf Nachfrage erklärt die Zeugin, dass es Einzahlungen von Philipp M., Robin B. Marco K. Steve W., Dennis D., Till M., Richie B., Roy-Peter K., Benjamin St. und Dominic B. gab. Nach der Fünf-Jahres-Feier wurden 1.000 € auf das Konto eingezahlt. Weiterhin habe Philipp M. Als Verwendungszweck „88“ angegeben. Till M. „Alles für den Dackel“, Marco K. „Beitrag“, Steve W. „HH/SS/JS“. Richie B. „Monatsbeitrag Richie“. Robin B. verwendete „Franjo JS“.

Für Robin B. habe man eine extra Überprüfung angeordnet, da er im Oktober 2019 infolge einer Handverletzung krankgeschrieben war. Die Zeugin hatte die Vermutung, dass dies aus einem Kampf war. Man wollte überprüfen, ob es dennoch eine Zahlung aus der Unfallversicherung gab. Dem war laut der Zeugin nicht so.

Die Zeugin äußert sich anschließend zur Observation am 7. Februar 2020. An diesem Tag habe Felix R. Geburtstag gehabt. Über die TKÜ konnte der Gruppenanruf bei ihm mitverfolgt werden.

Zuerst wollte der „Jungsturm“ in Kirchheim trainieren und anschließend in Erfurt in der Futterstraße essen. In Kirchheim wurden die Kennzeichen und Fahrzeuge überprüft. Gegen 18 Uhr seien alle mit den geparkten Fahrzeugen nach Erfurt aufgebrochen. Insgesamt 16 Personen. Felix R. habe Marco K. angerufen, danach wurde das Telefon herum gereicht. Dabei wurde die TKÜ live geschalten und die Standortdaten ermittelt.

Auf Nachfrage sagt die Zeugin, dass von den Angeklagten Steve W., Marco K. und Robin B. anwesend waren. Der Richter möchte wissen, zu wem das Autokennzeichen aus Ilmenau gehöre. Die Zeugin gibt an, dass dies das KFZ von Roy-Peter K. sei, außerdem seien P. und Marius M. dabei gewesen. Der Richter fragt nach einem Gothaer Kennzeichen. Dies gehöre zu Robin B.. Die KPI Saalfeld habe jedoch selber im Steakhouse observiert, dass LKA war dort nicht eingebunden. Von allen Reinkommenden wurden fotografiert bzw. vom Tisch gegenüber der Tür ein Video gemacht. Die Identifikation lief über einen Beamter, welcher drin war und bereits zu den Personen gearbeitet habe. Anwesend waren laut der Zeugin Theo Weiland, Marco K., Dominic B., Robin B., Dennis D., Eric M., P., Eric H., Marius M., S., Till M., Marcel T., Steve W., T., Roy-Peter K., Richie B., Benjamin St., Philipp M. und Kevin N.

Das Telefonat dauerte elf Minuten, die Observation bis ca. 22 Uhr. Auf die Frage des Richters, welches Ziel die Observation hatte, äußerte die Zeugin, dass Verhaftung Felix R. Brisanz in der Fanszene hatte. Man ging davon aus, dass Treffen für die Gratulation alle relevanten Personen offenlegen würde.

Es folgt die Befragung durch die Staatsanwaltschaft, diese möchte wissen, was der Gutachter identifiziert habe. Die Zeugin erklärt, dass ein Gerichtsbeschluss zur Erstellung eines anthopologisch-forensischen Gutachtens. Er wurde zunächst erfragt, welches Bildmaterial benötigt werde. Daraufhin habe man dem Gutachter das Video übermittelt, die Beschuldigten sollten aufgezeigt werden, danach wurde das Gutachten erstellt und die Nummern darin und Namen weiterverwendet.

Rechtsanwalt Beisenbusch, Verteidigung Marco K., möchte wissen, wer dem Gutachter die Beschuldigten benannt habe. Die Zeugin gibt an, dass sie und der Kollege Wurzbacher dies gemacht haben.

Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., fragt nach dem Ablauf. Die Zeugin gibt an, der Gutachter habe Screenshots erstellt und die Beamten haben die Einzelpersonen namentlich benannt. Rechtsanwalt Dann, Verteidigung Robin B., fragt, wie der Gutachter die Beschuldigten denn identifiziert habe, wenn er nur die Screenshots aus den Videos habe. Die Zeugin erklärt, dass Dr. Schenkel nach Erstellung der Screenshots in den JVAs Fotos von den Hauptbeschuldigten gemacht habe.

Es werden eine Reihe der beschlagnahmten Videos unkommentiert und ohne Einordnung abgespielt. Es dauert über eine Stunde, in der mehrere Videos ca. fünf Mal in Folge kommen.

Es folgt ein Video von 2019, 10 gegen 10, darunter sind Felix R., Marco K., Robin B. und Steve W.

Ein weiteres Video zeigt den Kampf vom 12. Mai 2019, fünf gegen fünf in Babelsberg. Darunter Marco K.

Ein weiteres Video zeigt den Kampf vom 19. Mai 2019 im Stiftswald (Hessisch-Lichtenau). Ein elf gegen elf, gegen Frankfurt. Ca. fünf Erfurter sind als Begleitung mitgekommen. Mehrere filmen mit. Unter den Begleitern ist Benjamin St., welcher den „Jungsturm“ anfeuert und filmt. Zu Robin B., welcher kämpft, ruft er: „Komm hoch Francesco, mach weg die Fotze! Mach weg das Frankfurt-Schwein!“.

Ein weiterer Begleiter ist ein glatzköpfiger, geschätzt Ü40-Jähriger, der korpulenter aussieht. Noch einer trägt eine Cap, zwischen Mitte 20 und Mitte 30, ist sehr trainiert und hat auffällige Tattoos am rechten Unterarm. Als ein Frankfurter Kämpfer zunächst am Boden bleibt, zerrt der Erfurter ihn hoch und motiviert ihn zum Weitermachen. Danach ruft er Robin B. zu, dass er hier weitermachen solle. Robin B. schlägt den taumelnden Frankfurter daraufhin wieder um.

Zu Beginn des Kampfes laufen die beiden Gruppen langsam aufeinander zu. In der ersten Reihe läuft Philipp M. in einem weißen Shirt mit schwarzer „88“ drauf gemalt. M. macht direkt vor Kampfbeginn einen Hitlergruß.

Felix R. und Dennis D. kämpfen etwas abseits längere Zeit in Unterzahl und gehen mehrfach zu Boden. D. bleibt zeitweise länger liegen, wird von dem nicht kämpfenden Erfurter mit Cap wieder hochgezerrt, taumelt weiter und wird direkt wieder umgeschlagen. Felix R. bekommt am Boden Tritte gegen den Kopf, kommt wieder hoch, probiert Sprungtritte und geht wieder zu Boden. Marcel T. macht den Eindruck, gut trainiert und sicher zu sein, kämpft lange mit Boxschlägen, schützt sich am Boden und steht gleich wieder auf. Theo Weiland geht mehrfach zu Boden, kommt wieder hoch und tritt wiederholt liegende Frankfurter gegen die Köpfe. Auch Robin B. geht wiederholt zu Boden, kommt wieder hoch und schlägt und tritt auffällig viel und brutal Liegende gegen die Köpfe. Weiterhin kämpfen Roy -Peter K. und Dominic B. kämpfen auch mit. Marco K. ist auch dabei und macht den Eindruck eines wenig beweglichen Boxers. Am Ende des Kampfes bleibt ein Erfurter am Boden liegen, hält sich das Gesicht oder Auge und signalisiert auf Nachfrage, dass er nicht ok sei und es wird nach Wasser gerufen.

Der Kampf wurde aus mindestens drei Perspektiven gefilmt und die Videos jeweils mehrfach vorgeführt.

Video 23.1.2018 Stiftswald Erfurt gegen Essen

Dabei sind Marco K., Robin B. und Theo Weiland. Robin B. tritt wiederholt gegen die Köpfe von Liegenden. Das Video stammt von Richie B.‘s Laptop. Nach Kampfende liegen alle Essener in Schutzhaltung am Boden und die Erfurter schreien sie weiter an, beleidigen sie und machen Anstalten, sie weiter anzugreifen, bis jemand vom Rande sie wegwinkt. Ein Erfurter mit weiß-rot-karierter Sturmhaube und roter Pumperhose schreit plötzlich den Kameramann an „Mach die scheiß Kamera aus!“

Video 29.7.2018 Stiftswald Erfurt gegen Koblenz

Dominic B., Roy-Peter K. und Marco K. stehen am Rand. Es kämpfen u.a. Robin B., Theo Weiland, Steve W..

6. Prozesstag: 9. Dezember 2020

Alle Angeklagten, außer Theo Weiland, werden in Handschellen reingeführt. Robin B. muss zusätzlich eine FFP2-Maske tragen, da es in der JVA in Arnstadt einen Covid-19 Fall gab. Er muss die Maske aufbehalten.

Bevor es zu den Zeugenvernehmungen kommt, beginnt Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W. mit einem Antrag. Verfahrenshindernis bei der Anklage der StA zum LG mit Beschluss vom 28.08.2020. Die Zuständigkeit der Verfahrenseröffnung am LG nicht geklärt, es sei nicht begründet, warum bei Staatsschutzkammer, somit ist Eröffnungsbeschluss (EÖB) nicht begründet. Das Verfahren ist wegen Verfahrenshindernis einzustellen.

Die Staatsanwalt gibt spontan keine Stellungnahme ab. Das Gericht zieht sich zur Entscheidung zurück.

Nach der Pause schließen sich die Verteidigung von Marco K. und Robin B. an. Die Verteidigung von Theo Weiland gibt keine Stellungnahme ab.

Es erfolgt ein Beschluss, dass der Antrag zurückgewiesen wird, es sei kein Verfahrenshindernis gegeben, da die Sache als Staatsschutzsache anhängig ist.

Die Zeugenvernehmungen zum Tatkomplex des Angriffs in der Bowlingbahn in Gorndorf am 22. Februar 2019 beginnen. Die erste Zeugin betritt das Gericht mit einem Zeugenbeistand, Rechtsanwalt Zünbül. Dieser sei über die Opferberatungsstelle ezra beauftragt worden. Es kommt zur Frage der Angabe der Anschrift. Z1 hat Gefährderbrief der KriPo SLF bekommen im November 2019. Richter fragt Z1, ob sie Anhängerin des FCC sei, was verneint wird. Per Antrag soll Anschrift nicht verlesen werden und Anschrift über ezra laufen. Richter ordnet an, Adresse nicht zu verlesen. RA Pinkes beanstandet dies, er sehe keine Gefährdungslage begründet, da Z1 nicht bedroht oder belästigt wurde. Verteidigung Marco K., Rechtsanwalt Held, schließt sich dem an. Staatsanwaltschaft schließt sich ebenfalls an. Im November 2019 habe es laut Staatsanwaltschaft im Verfahren gegen Felix R. durch TKÜ Anhaltspunkte für mögliche Taten gegen Jena-Fans in der Region gegeben. Deshalb sei es zu dem Schreiben gekommen. Seit Verfahren gegen Felix R., seien keine weiteren Übergriffe bekannt. Die Anordnung wird vom Richter zurückgenommen, die Adresse verlesen.

Z1 beginnt mit Schilderung. Sie sei nach Gorndorf gefahren und dort mit anderen Bowling zu spielen. Nach ein bis zwei Stunden habe jemand „Achtung“ gerufen. Die Tür ging auf, ein bis zwei Männer kamen rein. Ihr Freund (ebenfalls Zeuge) habe sich dann über sie gelehnt. Sie erlitt einen Schock und machte dann am Abend noch eine Aussage bei der Polizei. Sie habe ebenfalls einen Schlag gegen die Schulter bekommen und eine Beule am rechten Hinterkopf gehabt, welche nach zwei bis drei Tagen abgeklungen sei. Die Angreifer seien mit Sturmhauben und Jogginghosen bekleidet gewesen.

Der Richter hält ihr nun Aussagen bei der Polizei vor. Sie habe fünf bis sechs Personen gesehen, mit Sturmhauben, weiße Shirts, abgestumpfter Schlag auf den Körper. Angriff dauerte ca. eine Minute oder weniger. Verletzt wurde Zeuge 3 mit Platzwunde, überall Blut. Die Angreifer waren kräftig, welche mit Bauchansatz, schwarz-weiß-rote Sturmhaube. Sie hörte niemanden rufen, habe niemanden erkannt. Ihre Erklärung ist Fußballbezug und Fanfeindschaft. Z1 hatte große Angst, da es eine ungewohnte Situation gewesen sei. Heute sei aber alles gut. Die Staatsanwaltschaft fragt, ob ein Zeuge am Fuß geblutet habe. Z1 bejaht, es sei der Jüngste in der Runde gewesen.

Verteidigung von Theo Weiland fragt nach. Wenn Annahme Grund des Angriffs Fußball sei, warum habe sich Z1 an ezra gewandt? Zeugenbeistand beanstandet die Frage, sie sei unzulässig. Richter lässt sie zu. Z1 sagt, sie wollte Hilfe habe. RA Pinkes fragt, mit wem sie Kontakt hatte. Z1 nennt Mitarbeiterin von ezra. Pinkes möchte wissen wie oft mit ezra gesprochen und worüber. Der Zeugenbeistand beanstandet die Frage. Streit zwischen Pinkes und Zeugenbeistand ob die Frage zulässig sei entspinnt sich. Pinkes begründet mit Mitschriften im Gericht, will wissen ob inhaltliche Vorbereitung auf Aussage stattfand. Frage ist zulässig. Z1 gibt an, sie habe immer mit ezra gesprochen, wenn sie Fragen hatte. Thema war, wie Gericht aufgebaut ist, was sie erwartet. Die Verteidigung von Robin B. fragt ob Angreifer einheitlich gekleidet waren und ob die Beule schon vorher war, was verneint wird. Rechtsanwalt Held fragt ob bereits getätigte Aussagen mit ezra besprochen wurden. Z1 verneint und wird entlassen.

Z2 ebenfalls bei ezra beraten, mit Zeugenbeistand Rechtsanwalt Zünbül. Es folgt die Angabe der Daten. Die Frage ob er belästigt oder bedroht wurden, wird verneint. Z2 ist Jena-Fan. Wohnanschrift soll laut Zeugenbeistand nicht verlesen werden. Zeugenbeistand begründet dies mit Spruchband „Zeisser jagen!“ im Stadion von FC RWE, Gericht müsse Fürsorgepflicht nachkommen. Verteidigung Robin B. sagt, es handele sich dabei um eine Aufforderung, diese wurde aber nicht umgesetzt. Der Zeugenbeistand besteht auf den Beschluss. Die Sitzung wird für fünf Minuten unterbrochen.

Es ergeht ein Beschluss: Angabe zu Wohnort muss verlesen werden, keinerlei Erkenntnisse durch Staatsanwaltschaft, dass Gefährdung bestehe.

Z2 schildert Ereignis vom 22. Februar 2019. Er sei alleine nach Saalfeld gefahren. Nach dem Bowling kam eine Gruppe Männer reingestürmt, schlug auf Anwesende ein. Nach Ruf zogen sie sich zurück. Z2 sah vier bis fünf Männer hineinstürmen, die er konkret gesehen habe. Sind rein, die Treppe runter, hatten Sturmhaben auf, Pullis mit weißen Shirts darüber, sie sahen kräftig aus. Er habe aber niemanden erkannt, da alle maskiert waren. Es folgt ein Vorhalt des Richters aus der Vernehmung bei der Polizei. Ca. 15 Leute waren beim Bowling gewesen. Z2 habe gehört wie Leute geschlagen wurden, sonst war es nicht laut, niemand habe geschrien. Shirtfarbe sei jetzt nicht klar. Ob Täter etwas an Händen hatten ist Z2 ebenfalls unklar. Sturmhauben waren weiß-rot, schwarz und schwarz-weiß-rot. Als Motiv sieht Z2 einen Fußballhintergrund, bzw. die langjährige Fanfeindschaft.

Staatsanwaltschaft fragt, wer „Wir“ ist, in Bezug auf Treffen Bowling Bahn. Z2 sagt, es seien die Leute die eingeladen haben.

Staatsanwaltschaft fragt nach Zeitraum zwischen Angriff und Zeitraum Eintreffen Polizei. Z2 gibt an, er habe sich gesammelt und um Verletzte gekümmert. Die Gruppe habe dies ebenfalls getan. Z2 wird entlassen.

Z3 wird belehrt und beginnt Schilderung. Es war Treffen der Fußballfans Saalfeld – Rudolstadt, bis Gruppe vermummter Personen hereinkam mit weißen Shirts an. Die Gruppe in der Bowlingbahn, ca. 15 Personen, waren alles Jena-Fans. Die Angreifer waren ca. 20-25, in weißen Shirts, alle vermummt. Z3 habe mehrere Schläge ins Gesicht bekommen und auf die Hände. Nasenblut und Prellung der Nase, Hände taten 2-3 Wochen weh, da er die Hände vor das Gesicht gehalten hatte. Es folgt einVorhalt aus der Vernehmung. Jemand habe gerufen „Die Rot-Weißen“ kommen. Er habe keine Erinnerung an Handschuhe bei den Angreifern. Auf Kommando „Alle raus“, sind Angreifer raus. Lichtbilder vom Abend werden begutachtet. Blutende Nase Z3 sowie Blut im Gesicht und Nacken. Z3 hat keine Vermutung, wer das gewesen sein könnte. Richter fragt ob es Erfurt-Fans wegen einer Fan-Feindschaft waren. Z3 bejaht, Feindschaft bestehe eigentlich schon immer. Es ginge darum, wer die Nummer eins in Thüringen ist. Z3 habe telefonisch bei Felix R. nachgefragt wer dabei war. Dieser wusste es aber nicht. Z3 habe Felix R. noch ein paar mal gesehen, bevor dieser inhaftiert wurde. Felix R. war früher Jena-Fan. Z3 wird gefragt ob er „Jungsturm“ kenne. Z3 gibt an es sei „Fan-Gruppe“ vom FC RWE. Er kenne sie durch ein Banner im Stadion. Z3 kennt Felix R. seit 8. Klasse, ab 10. Klasse habe dieser über neue Freunde sein Verhalten geändert. Bei Angriff hat er niemanden erkannt.

Staatsanwaltschaft fragt Z3 wer „Tolek“ sei. Z3 gibt Klarnamen der Person an. Auf Nachfrage gibt Z3 an, dass diese Person am Abend da war. Ob diese Person verletzt wurde, wird verneint. Ob jemand aus der eigenen Gruppe zwischen Angriff und Eintreffen Polizei gegangen sei, wird verneint. Die Staatsanwaltschaft will wissen ob Z3 den Angeklagten Theo Weiland kenne. Er kenne ihn jedoch nur aus sozialen Medien und habe einmal mit ihm trainiert. Z3 mache selber Kampfsport. Auf die Frage ob er auf dem selben Niveau wie Theo Weiland sei, wird dies verneint. Er mache es nur in der Freizeit, Theo Weiland ja professionell. Es gäbe erheblichen Unterschied, auch im Vergleich zu Felix R.. Dieser habe ebenfalls höheres Niveau.

Z3 weiß auf Nachfrage nicht ob er Schläge oder Tritte gegen den Kopf bekommen habe.

Verteidigung Robin B. fragt ob er krankgeschrieben war, was Z3 verneint. Ebenfalls wird noch gefragt, ob noch Verfahren wegen Überfall auf Erfurt-Fans gegen ihn ausstehe. Z3 bejaht und wird entlassen.

Es folgt eine Anmerkung von Rechtsanwalt Pinkes. Bittet wegen Tätertrennung seines Mandanten und Reck in JVA Tonna, diese aufzuheben. Es bestehe keine Verdunklungsgefahr mehr, wenn Steve W. und Felix R. sich begegnen würden, es sei lediglich die Rechtsfrage ob es hier eine kriminelle Vereinigung sei oder nicht. Richter gibt an, er warte auf Stellungnahme JVA Tonna. Rechtsanwalt Pinkes führt aus, Steve W. wolle arbeiten, ihm falle die Decke in Zelle auf den Kopf. Dies wird zur Kenntnis genommen

Z4 wird gerufen und belehrt.

Z4 gibt an, dass vermummte Personen in Bowling-Bahn gestürmt sind. Er habe sich zurückgezogen auf Bowling-Bahn. Bowlingkugel wurde auf ihn geworfen und zwei Personen sind auf ihn los. Es war ca. 20:30, die genaue Zeit jedoch unklar. Wie viele Angreifer genau, ist Z4 ebenfalls unklar. Die Angreifer hatten weiße Shirts und schwarze Sturmhauben. Z4 bekam mehrere Schläge ab, Tritte gegen Kopf und Oberkörper als er am Boden war. Angriff erfolgte auf der Bowlingbahn. Es gab Ruf „Schluss hier“, alle Angreifer stürmten raus. Die Betreiberin schloss die Tür ab. Angreifer waren alle kräftig gebaut, weiße Shirts, Sturmhauben, Z4 habe aber niemanden erkannt. Er weiß nicht ob Fans des FC RWE das waren. Er hörte aber Ruf „Die Rot-Weißen“ kommen.
Die Staatsanwaltschaft möchte wissen, wer das Treffen in der Bahn organisiert hat. Z4 weiß es nicht, wurde von einer anderen Person eingeladen. Z4 wird entlassen.

Z5 wird in den Zeugenstand gerufen. Er war zum Angriffszeitpunkt minderjährig. Er habe keine Gefährderansprache erhalten, jedoch im Verfahren gegen Felix R. waren Leute vor seinem Haus am Samstag vor Verfahrensbeginn sowie Aufkleber in seinem Wohnumfeld. Staatsanwaltschaft sagt, es seien ja nur Aufkleber, Z5 fühle sich auf Nachfrage nicht konkret bedroht, daher soll Anschrift verlesen werden. Diese wird verlesen.

Z5 schildert, dass Treffen als Treffen der Regionalgruppe von FCC-Fans. Seine Erinnerung setzt während eines Gespräches aus und setzt erst wieder gegen Ende des Angriffs ein. Er habe keine Erinnerungen an den Überfall. Z5 weiß nur noch den Ausruf „Die Rot-Weißen kommen“, jemand habe durchs Fenster die Angreifer gesehen. Seine Erinnerung war, er wurde immer wieder nach unten gedrückt. Schätzt zehn bis fünfzehn Personen als Angreifer, habe diese aber nur bei deren Verlassen von hinten gesehen. Alle hatten dunkle Hosen, genauere Angaben seien ihm nicht möglich. Eine Person lag auf der Bowling Bahn, Z3 hatte zerschrammtes Gesicht. Z5 hatte Beule und Kratzer, nicht klar woher. Die Beule sei innerhalb einer Woche abgeklungen. Es gab keine Unterhaltung wer das gewesen sein könnte. Auf Nachfrage des Richters gibt Z5 an, Regionalgruppe war schon gegründet, es war dort nicht das erste Treffen. Staatsanwaltschaft wollte wissen woher Z5 vom Treffen wusste. Dieser gibt an, aus einer Chatgruppe. Da die Verteidigung keine Fragen hat, wird der Zeuge entlassen.

Z6 kommt mit seinem Vater, da dieser noch minderjährig ist. Zum Tatzeitpunkt war er 15 Jahre. Er erhielt keine Gefährderansprache, wurde nicht bedroht, somit wird die Anschrift verlesen.
Z6 schildert die Ereignisse. Er wurde von seinemVater hingefahren, spielt selbst im Fußballverein und wurde angesprochen mit Freunden etwas zusammen zu machen. Ca. 15 bis 20 Personen waren anwesend, hatte alle immer mal bei FCC-Spielen gesehen. Er weiß jedoch nicht, wer die Bahn angemeldet hatte. Es erklang ein Ruf wie „Alle rein“ und 15 bis 20 vermummte Männer kamen rein. Er habe zwei bis drei Schläge gegen den Kopf bekommen. Es gab Schläge und Tritte, Tische sind umgeflogen. Die Täter beschrieb Z6 als groß und breitschultrig. Es dauerte keine ganze Minuten bis Ruf erfolgte „Alle wieder raus!“. Z6 hatte Kopfschmerzen am Abend. Die Bowling Bahn wurde zugeschlossen, niemand weiter ging raus. Z6 sagt, er wurde von einer Person angesprochen zum Treffen zu kommen, Tag vorher hatte er eine andere Person getroffen, ddiese lud ihn ein.

Z6 hat sich nach dem Angriff sehr schlecht gefühlt, da er mitten in der Öffentlichkeit angegriffen wurde. Mittlerweile habe er aber damit abgeschlossen. Die Täter hatten Jogginghosen, Sturmhauben, aber er habe keine Erinnerung an deren Farbe. Z6 weiß nicht wer das war und will es nicht wissen. Z6 hatte Verletzung am Knöchel, da er in Glasscherben gefallen ist. Der Zeuge wird entlassen, es folgt eine Pause.

Z7 wird nach Fortsetzung belehrt. Er erhielt Gefährderansprache im November 2019, da jedoch keine weitere Bedrohung vorkam, wird Anschrift verlesen.

Zeuge war beim Bowling-Spiel, plötzlich sind zehn bis fünfzehn Personen hineingestürmt, haben angegriffen und sind wieder verschwunden. Die Gruppe war selbst 15 bis 20 Personen stark, alles Jena-Fans beim Regionaltreffen Saalfeld/Rudolstadt. Z7 saß vor der Treppe rechts, nah am Eingang. Sein Freund sah aus dem Fenster. Es kamen Vermummte mit verschiedenen Sturmhauben. Am Ende erklang der Ruf „Raus jetzt hier“. Z7 hatte nicht auf die Statur geachtet. Er selbst wurde nicht geschlagen. Er sah später Nasenbluten von Z3 auf Nachfrage.

Es folgte ein Vorhalt aus der Vernehmung. Z7 rannte Richtung Bowlingbahn, Tische mit Gläsern flogen um. Angreifer waren größere Gruppe und schlugen wahllos auf Leute ein. Z7 ging in Deckung. Kann sich nicht an weiße Shirts erinnern. Sturmhauben waren schwarz-weiß-rot, weiß eventuell mit Aufdruck, rot-weiß und schwarz. Z7 war geschockt, habe nicht damit gerechnet. Habe sich danach nicht unterhalten, wer das war. Seine Vermutung war Fanszene RWE, da Sturmhaubenfarbe Rückschlüsse zulässt. Z7 it Jena Fan. Es gäbe Rivalität, habe sonst aber nichts mitbekommen. Später fand Polizei seinen Pulli draußen in einer Hecke, dieser lag vorher auf einer Bank im Gebäude. Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft erklärt Z7, er sei auf Bowling Bahn gerannt, mit Bowling Schuhen. Der Zeuge wird entlassen.

Es folgt die Mitteilung, dass Zeuge Z8 krank sei.

Daraufhin folgt die Aushändigung eines Gutachten von Dr. Schenkel an alle Parteien.

Nach einer Pause erfolgt eine Erklärung der Verteidigung von Theo Weiland. Am 4. Dezember 2020 habe ihr Mandant Kontakt mit den Betreibern der Bowling Bahn aufgenommen. Der Schaden von 250,00 € wurden durch Theo Weiland bezahlt. Der Zahlungsbeleg und Erklärung werden der Akte beigefügt.

Z9, habe keine Gefährderansprache erhalten, die Adresse wird verlesen.

Es handelte sich um ein Treffen unter Freunden, sie wollten Bowling spielen. Es waren alles FCC-Fans der Regionalgruppe, ca. zehn bis fünfzehn Personen. Plötzlich kamen Leute rein, prügelten auf alle ein. Z 9 erhielt ein bis zwei Schläge auf den Kopf, jedoch keine Verletzungen. Die Angreifer waren vermummt. Z9 habe keine Erinnerung an Kleidung, nur schwarze Sturmhauben seien ihm erinnerlich. Es ist ihm außerdem unklar, wer die Bahn gestellt hat. Überall waren Glasscherben, umgeworfene Tische und Leute auf dem Boden. Eine Person hatte blutige Nase, die Z9 nicht kannte. Danach habe man sich nicht unterhalten, wer das war. Keiner habe laut Z9 die Bahn verlassen. Der Zeuge wird entlassen.

Z10 wird belehrt. Er habe Gefährderansprache bekommen, wurde jedoch nicht bedroht. Die Adresse wird verlesen. Er ist mit seiner Mutter da, da er noch minderjährig ist.

Er war auf der Bowlingbahn, die Tür ging auf und zwei richtig breite Typen haben auf alles eingeprügelt. Z10 saß auf länglicher Bank. Er habe drei Schläge auf den Hinterkopf, dann nochmal und dann nochmal drei Schläge bekommen. Insgesamt also neun Schläge. Z10 hat nichts gesehen, da er die Hände vor dem Gesicht hatte. Der Zeuge geht von Faustschlägen aus und hat bei den Tätern nur die Augen gesehen, da diese Sturmhauben trugen. Er war total perplex, hatte Angst, hat sich in die Hose gepinkelt. Z10 gibt es als einschneidendes Erlebnis an, habe mittlerweile keine Albträume mehr. Z3 hatte blutige Nase. Z10 selbst Kopfschmerzen. Täter hatten weiße Shirts, Es sei möglich, dass sie Handschuhe getragen haben. Der Zeuge vermutet RWE Fans als Angreifer. Auf Nachfrage StA gibt Z10 an, er habe sein Freizeitverhalten danach nicht geändert. Der zeuge wird entlassen.

Z11 gibt an, dass man hin sei um Bowling zu spielen und Spaß zu haben, ca. zwölf Leute seinen es gewesen. Alles FCC-Fans. Er saß oben am Fenster, sah mehrere Leute um die Ecke rennen. Er selbst sah erstmal nur fünf Leute. Z11 weiß es nicht mehr was genau gerufen wurde, sondern das er einen Warnruf abgegeben habe. Wie viele reinkamen, kann er nicht sagen, da er auf Bowling Bahn gerannt sei und hinten wo die Kegel stehen „reingejumpt“ sei. Er habe nichts gesehen, später nur Verletzungen. Schätzt Angriff auf drei Minuten. Bei Polizei sagte er 15 bis 20 Mann, maskiert mit Longsleeves. Z11 gibt an, er wisse nicht was das ist. Richter erklärt ihm, was ein Longsleev ist. Seine Vermutung über die Täter, waren Erfurter. „Wer sollte es denn sonst sein?“, fragt Z11 den Richter. Eine Fanfeindschaft besteht, es gehe darum, wer der Stärkere sei. Staatsanwaltschaft fragt, welche Rivalitäten er mitbekommen habe. Er gibt an, er habe es aus der Zeitung.

Z12 gibt an, man habe sich verabredet mal etwas zu unternehmen. Ca 15 Leute, alles FCC Fans, man habe ca. eineinhalb Stunden gespielt. Schnell sind Vermummte reingekommen und haben auf alles eingeschlagen. Es waren mehr als 15 Leute in weißen Klamotten, alle vermummt. Die Sturmhauben waren weiß und rot. Z12 bekam Schläge gegen Kopf und Körper. Er habe keine bleibenden Schäden. Die Verletzungen waren Beule an der rechten Stirn und dem Hinterkopf sowie ein Veilchen am linken Auge. Z12 beschreibt die Angreifer als breitgebaut. Angriffsgrund kann Z12 nicht sagen, seine Vermutung ist, dass es RWE Fans waren. Der Zeuge wird entlassen.

Kranker Zeuge Z8 wird auf 17.12. geladen. Die Sitzung wird beendet.

5. Prozesstag: 3. Dezember 2020

Am fünften Prozesstag geht es um den Komplex des Angriffs in der Bowlingbahn „Gorndorfer Treff“ am 22. Februar 2019. Als erste Zeugin wird die Angestellte der Bowlingbahn befragt. Sie sagt aus, dass sie sich hinter dem Tresen befand, als die Angreifer in den Raum kamen. Es handelte sich von ca. vier bis fünf Personen. Sie flüchtete sich in den Lagerraum und habe deshalb nichts weiter beobachten. Vom Lagerraum aus habe die Zeugin die Polizei gerufen. Sie habe lediglich Krawall gehört. Im Anschluss sei vieles kaputt gewesen und manche Gäste bluteten. Insgesamt gab es einen Gesamtschaden von 350,00 €. Laut der Zeugin wollten die Gäste keinen Krankenwagen und auch nicht die Polizei, sollen sich aber untereinander unterhalten haben über die Angreifer. Über was genau oder welche konkreten Namen, könne sich die Zeugin nicht erinnern.

Der zweite Zeuge ist Nachbar vom „Gorndorfer Treff“. Dieser gibt an, dass er mit dem Sohn seiner Freundin kurz vor 21:00 Uhr in der Stauffenbergstraße war. Gegenüber vom Gorndorfer Treff stand eine Gruppe Maskierter, welche sich auffällig umgeschaut haben. Dann sind diese in Richtung Bowlingbahn gerannt, sie trugen Trainingsanzüge, waren sportlich und mit rot-weißen Sturmhauben im Karomuster vermummt. Da es keine weiteren Fragen an den Zeugen gibt, wird dieser entlassen.

Richter Tonndorf teilt eine DVD mit Auswertungsberichten der KPI Saalfeld aus, welche von KHK Klemm erstellt worden sind. Die Verteidiger sollen dazu eine Erklärung unterzeichnen, dass sie die DVD nicht verändern oder veröffentlichen, was bei Rechtsanwalt Tuppat für Unmut sorgt.

Es folgt ein Antrag von Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., auf Aufhebung der Mittätertrennung zwischen Felix R. und Steve W..

Gefolgt wird der Antrag von einem weiteren, von Rechtsanwalt Held, welcher Marco K. vertritt. Dieser beantragt die Telekommunikationsüberwachung zwischen Marco K. und Louisa B. aufzuheben.

Die Zeugenbefragungen werden fortgesetzt. Als weitere Zeugin tritt eine Nachbarin vom „Gorndorfer Treff“ auf. Sie habe sich aufgrund einer Polizeimeldung im Nachgang selber bei der Polizei als Zeugin gemeldet. Sie gibt an, dass sie durch das Fenster Laufgeräusche einer Gruppe gehört habe und anschließend habe sie eine Gruppe von ca. acht bis zehn Personen gesehen. Von einem anderen Fenster aus konnte sie drei bis vier Personen sehen, welche zu den Garagen gerannt sind. Von dort aus kamen zwei PKW und ein weißer Kleinbus T5 oder T6. Der Richter hält der Zeugin ihre Aussage bei der Polizei vor, wo sie ausgesagt habe, vier bis fünf PKW sowie einen weißen Kleinbus gesehen zu haben, was die Zeugin bestätigt. Die Zeugin gibt außerdem auf Nachfrage an, dass die Personen untenrum dunkel gekleidet waren und weiße Oberteile trugen. Sie hörte ein „zurück!“, bevor sich die Gruppe dann zurückzog. Es seien anschließend alle mit ihren Autos in Richtung Ortsausgang gefahren. Da es keine weiteren Fragen gibt, wird die Zeugin entlassen.

Weiter gehen die Zeugenbefragungen zum Tatkomplex des Angriffs am Saalfelder Bahnhof vom 7. Dezember 2018. Der erste Zeuge dazu, war ein unbeteiligter Mitreisender, welcher im selben Zug wie die Jena-Fans saß. Er wurde am Bahnhof von seiner Freundin und einer weiteren Freundin erwartet, welche ihn mit dem Auto abholen wollten. Beim Verlassen des Bahnhofs, kamen mehrere Maskierte angerannt, woraufhin der Zeuge und seine Begleiterinnen flüchteten. Der Zeuge gibt, dass die Angreifer dunkel gekleidet und maskiert waren, teilweise in rot oder rot-weiß.

Der zeuge führt weiter aus, dass er nicht von den Jena-Fans im Zug belästigt worden ist. Auf dem Bahnhofsvorplatz haben die Angreifer gerufen: „Kommt her, ihr Fotzen, ihr Wichser!“ und „Die sind hinten lang, lasst uns da hinten lang!“, woraufhin die Angreifer umdrehten und die Jena-Fans verfolgten. Der zeuge wird entlassen, es folgt seine Freundin, welche die Schilderungen bestätigt.

Rechtsanwalt Pinkes kommt erneut auf Antrag auf Mittätertrennung in der JVA zwischen Steve W. und Felix R. zu sprechen. Seinem Mandanten falle die Decke auf den Kopf und er hätte keine Möglichkeit zu arbeiten. Aufgrund der umfassenden Überwachung, Observationen und Asservate aus Hausdurchsuchungen bestehe laut Pinkes keine Verdunklungsgefahr mehr, demnach kein Grund für weitere Trennung gegeben.

Auf diese Ausführung erwidert die Staatsanwaltschaft, dass diese Trennung nicht zwingend Beschluss des Gerichtes oder im Interesse der Staatsanwaltschaft sei, sondern auch aufgrund der JVA-internen Handhabung. Die Tätertrennung wäre jedoch dann sinnlos, wenn Felix R. in Tonna arbeiten könne, aber Steve W. in Hohenleuben nicht.

Der Richter kündigt eine Verständigung mit den JVAs an und will dort eine Stellungnahme abfordern.

Weiterhin wird angekündigt, dass Auswertungsberichte der Telekommunikationsüberwachungen im Selbstleseverfahren eingeführt werden sollen. Allerdings sollen Telefonate in der Hauptverhandlung abgespielt werden. Es werden Auswertungsberichte der Telefone von Theo Weiland, Marco K., Steve W., Robin B., Felix R. und Marcel T. ausgeteilt.

An dieser Stelle beanstandet die Verteidigung das Vorgehen, da die StPO-Vorschriften ein Selbstleseverfahren für Telekommunikationsüberwachungen nicht zulassen würde. Rechtsanwalt Held, Verteidigung Marco K., führt dazu aus, es verletze das Grundrecht auf ein faires Verfahren. Die Schöffen wären dadurch beeinflusst, dass sie die Auswertungsberichte lesen, ohne vorher den Auswertenden selber gehört zu haben. Nur so können die Schöffen einschätzen, nach welchen Kriterien Gesprächsinhalte für die Auswertung gewertet und verschriftlicht worden sind.

Damit endet dieser Verhandlungstag.

4. Prozesstag: 26. November 2020

Die Verhandlung am vierten Prozesstag beginnt erneut mit einem Wortgefecht zwischen Rechtsanwalt Pinkes und dem Richter. Es geht erneut um angebliche Unklarheiten bezüglich der Aktenvollständigkeit. Pinkes bemängelt, er könne die Ordner mit den Chatausdrucken nicht finden, woraufhin der Richter erklärt, er könne dies mit ihm im Anschluss an die Verhandlung gerne in der Geschäftsstelle prüfen. Der zweite Anwalt von Steve W., Rechtsanwalt Tuppat, wiederholt den Einspruch zur Verwertung der Durchsuchung bei seinem Mandanten. Der Einspruch wird zurückgestellt. Die Zeugenvernehmungen beginnen.

Als erster Zeuge soll Jan B. von der KPI Saalfeld aussagen. Er äußert sich zum Angriff vom 7. Dezember 2018 am Bahnhof in Saalfeld auf Jena-Fans. Der Zeuge gibt an, dass als erstes die Bundespolizei Saalfeld informiert habe, dass es zu dem Angriff gekommen sei. Im Anschluss habe die Polizei alle verfügbaren Streifen zum Bahnhof geschickt. Die Bundespolizei habe die Jena-Fans am Bahnsteig in Saalfeld empfangen. Die Fans haben anschließend den Bahnhof verlassen, dann seien einige zurück gerannt und haben die Bundespolizisten auf den Angriff angesprochen. Der Zeuge sagt, der Angriff habe sich auf dem Bahnhofsvorplatz ereignet. Laut dem Zeugen haben die Geschädigten sowie die eingesetzten Bundespolizisten von ca. 30 bis 40 Angreifern geredet, welche mit Sturmhauben, rot-weißen Schals und weißer Oberbekleidung auffielen. Die Nahbereichsfahndung ergab laut dem Zeugen keine Treffer. Man habe vermutet, die Täter seien mit Fahrzeugen geflüchtet. Die Fahndung wurde ausgedehnt. Der Zeuge wird ohne weitere Fragen entlassen.

Es folgt der zweite Zeuge, Polizeiobermeister Stefan S. von der LPI Saalfeld. Er äußert sich zum Angriff vom 7. Dezember 2018 am Bahnhof in Saalfeld. Der Zeuge gibt an, dass gegen 23 Uhr eine Meldung kam, dass am Bahnhof zwei Gruppen aufeinander getroffen seien und es zu einer Schlägerei gekommen sein soll. Alle Streifen seien daraufhin zum Bahnhof. Der Zeuge war mit als erstes vor Ort. Es wurden sechs Jena-Fans festgestellt, wovon ein bis zwei augenscheinlich verletzt waren. Ebenfalls wurden zwei Beamte der Bundespolizei angetroffen, welche den Vorfall beobachtet haben. Laut dem Zeugen seien auf dem Vorplatz 30-40 vermummte Personen, augenscheinlich Erfurt-Fans, zum Angriff übergegangen und anschließend geflüchtet. Man habe die Fahndung auf das Städtedreieck Saalfeld-Rudolstadt-Bad Blankenburg ausgeweitet, jedoch ohne Erfolg. Außer den angetroffenen Geschädigten und Zeugen war niemand mehr am Bahnhof. Der Zeuge wird ohne weitere Fragen entlassen.

Es folgen Lichtbilder vom Bahnhof in Saalfeld speziell Bahnhofsvorplatz, Bahnsteig und Bahnhofshalle.

Der Richter gibt bekannt, dass am 18. November 2020 die Berufungsverhandlung gegen Felix R. lief, dieser sei vom Angriff am Bahnhof in Saalfeld freigesprochen worden, zum Angriff in der Bowlingbahn sei er in der vorherigen Verhandlung verurteilt worden. Gegen dieses Urteil ist er in Revision gegangen.

Es folgt der Widerspruch von Rechtsanwalt Tuppat, Verteidigung Steve W., gegen die Verwertung der Ergebnisse der Durchsuchung am 28. April 2020, da der Zeuge Möller am 19. November in seiner Aussage den Beginn auf der Durchsuchung auf 05:47 Uhr terminierte. Dies sei gegen die geltenden Schutzvorschriften, dass Durchsuchungen zwischen 21 und 6 Uhr nicht rechtens sind. Es wird der Antrag gestellt, dass die erlangten Beweismittel der Durchsuchung unzulässig sind.

Es folgt eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft, allerdings zur Beanstandung von Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., zu der Telekommunikationsüberwachung gegen Felix R. und Eric H. in Bezug auf die Aktenvollständigkeit. Die Staatsanwaltschaft erklärt, dass alle Daten dazu auf DVD verfügbar sind und in Auswertungsprotokollen enthalten sind. Die Anträge der Verteidigung beziehen sich allerdings auf primäre Beweismittel und nicht auf die Auswertungsprotokolle. Zu keinem Zeitpunkt sei der Verteidigung eine Einsicht der Beweismittel verwehrt worden.

Nach einer kurzen Pause beginnt die Vernehmung des dritten Zeugen, Gerd P., Polizeihauptmeister der LPI Saalfeld. Er äußert sich ebenfalls zum Vorfall am 7. Dezember 2018 am Bahnhof in Saalfeld. Als der Zeuge am Bahnhof angekommen ist, waren die Beschuldigten nicht mehr vor Ort. Es wurde anschließend erfolglos eine Nahsuche durchgeführt und die Verletzungen der Geschädigten aufgenommen. Die Geschädigten haben die vage Vermutung geäußert, dass es sich bei den Angreifern um Erfurt-Fans gehandelt haben könne. Sie äußerten sich, dass die Geschädigten am Bahnhof angekommen seien, dort wurden sie von zehn bis fünfzehn Angreifern angegriffen, geschlagen und eine Jacke wurde entwendet. Ein Geschädigter, so der Zeuge, war kurzzeitig bewusstlos, die anderen hätten leichte Verletzungen davon getragen. Beim Eintreffen sei der Geschädigte wieder ansprechbar gewesen, eine weitere Person habe aus der Nase geblutet. Eine Zeugin habe im Auto gesessen, allerdings nicht viel gesehen. Auf die Frage, wie viele Angreifer es waren, äußerte der Zeuge P., dass es erst 30 bis 40 gewesen sein sollen, danach wurde die Zahl auf zehn bis zwölf korrigiert. Diese sollen sofort angegriffen haben. Der Zeuge ordnete die Geschädigten klar als Jena-Fans ein. Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, wie häufig so etwas vorkomme, sagte der Zeuge, trotz häufiger Einsätze beim Fußball am Bahnhof, sei so etwas nicht so häufig passiert. Der Zeuge wird entlassen.

Es folgt der vierte Zeuge, Gerald H., PHK der LPI Saalfeld. Er berichtet, dass am 7. Dezember 2018 die Meldung kam, dass ca. 20 bis 30 Angreifer Jena-Fans attackiert hätten und sich in unbekannte Richtung abgesetzt hätten. Er habe die Geschädigten am Bahnhof angetroffen sowie die Bundespolizei und eine weitere Streife. Die Geschädigten wurden dann zum Angriff befragt, die Anzahl jedoch schwankte. Letztlich seien es zehn bis fünfzehn gewesen. Der Richter möchte wissen, welche Verletzungen die Geschädigten hatten. Der Zeuge gibt an, dass eine Person kurzzeitig bewusstlos war, eine weitere Person habe eine Nasenbeinfraktur gehabt. Einer Frau sei auf das Auge geschlagen worden. Auf die Frage nach entwendeten Sachen, sagte der Zeuge, dass eine Mütze sowie eine Fanjacke entwendet worden sind.

Es folgen Lichtbilder der „Sektion 1“ Fanjacke.

Der Richter fragt nach einer Zeugenvernehmung im Krankenhaus. Der Zeuge gibt an, dass er eine Frau vernommen habe, die ihren Freund am Bahnhof abholen wollte. Sie sah im Rückspiegel dunkel gekleidete Angreifer und wie eine Person zu Boden ging. Sie ist ausgestiegen und sah das diese Person ihr Freund war. Es werden keine weiteren Fragen gestellt, der Zeuge entlassen.

Nach einer Pause beginnt die Vernehmung des fünften Zeugen, Ralf S., damals Oberkommissar, jetzt Hauptkommissar der Bundespolizei Erfurt. Er äußert sich, dass er als Streife am 7. Dezember 2018 am Bahnhof Saalfeld eingesetzt war um die Rückreise der FCC-Fans zu überwachen. Gegen 22 Uhr seien diese angekommen und hätten den Bahnhof zügig über den Personentunnel verlassen. Es sollen ca. 25 Jena-Fans gewesen sein. Als der Zeuge zum Ausgang ist, habe man einen Tumult mitbekommen. Einige Jena-Fans seien wieder in den Bahnhof gerannt, einige wieder auf den Bahnsteig. Eine Bierflasche sei geflogen. Mehrere Personen mit Skimasken, teilweise in rot-weiß, seien in den Bahnhof gerannt, den Jena-Fans hinterher. Zwei Angreifer standen vor dem Zeugen mit erhobenen Fäusten. Auf Kommando sind sie alle zurückgerannt. Vom Bahnsteig aus habe der Zeuge beobachten können, dass die Angreifer sich in Richtung Süden entfernten. Der Zeuge gibt an, dass sie sich koordiniert entfernt haben. Draußen habe der Zeuge festgestellt, dass es einen tätlichen Angriff gab, bei dem mehrere Personen verletzt worden sind. Zwei davon mussten ins Krankenhaus. Die Landespolizei wurde zur Unterstützung gerufen und der Fall übergeben. Es folgen weitere Fragen des Richters. Die Lage war für den Zeugen unüberaschaubar, er geht von 25 oder 40 bis 50 Angreifern aus. Sicher sei, dass es eine größere Personengruppe war. Gegen 19 Uhr erhielt der Zeuge den Auftrag die Rückreise zu sichern, woraufhin sich die Beamten der Bundespolizei auf Gleis 3 postierten. Dort stand man an der Treppe, beim Treppenaufgang wurde der Tumult wahrgenommen. Mehr als zehn Personen verfolgten die Jena-Fans in den Bahnhof. Die Angreifer hatten weiße T-Shirts und Handschuhe an, die Angreifer standen geschlossen und haben sich auf Kommando zurückgezogen. Aufgrund der Vermutung, dass ein Angriff über die Gleise kommen könnte, haben sich die Bundespolizisten auf den Bahnsteig begeben. Von dort habe man die Angreifer auf dem Parkplatz gesehen. Diese haben sich abgedreht und sich in Richtung Wasserturm entfernt. Es sei eine unüberschaubare Anzahl gewesen, ca. 40 bis 50 Personen. Auf dem Vorplatz habe es Verletzte gegeben, ihnen wurden Fanartikel entwendet, der Angriff geschah unvermittelt. Eine Person war bewusstlos, allerdings beim Eintreffen des Zeugen wieder bei Bewusstsein. Ein Rettungswagen war bereits durch die Geschädigten verständigt worden. Es folgen Lichtbilder vom Bahnhof, die der zeuge beschreibt sowie seine Position. Die Lichtsituation sei lediglich durch Straßenbeleuchtung bestimmt gewesen. Die Angreifer seien durch den seitlichen Eingang gekommen, der Personentunnel war zu diesem Zeitpunkt videoüberwacht. Der Zeuge stand auf der Höhe der Kamera, sein Kollege dahinter. Auf Nachfrage des Richters gibt der Zeuge an, er habe zwar gesehen, wie sich Angreifer zurückzogen auf Kommando, allerdings habe er ein tatsächliches Kommando nicht vernommen. Die Angreifer haben nichts weiter gerufen, Jena-Fans nur etwas, was für den Zeugen aufgrund der Schnelligkeit des Angriffs nicht zu verstehen war. Der Zeuge wird entlassen.

Es folgt der sechste Zeuge, Frank F., Oberkommissar der Bundespolizei Erfurt. Der Zeuge gibt an, er habe mit seinem Kollegen die Rückreise der Jena-Fans am 7. Dezember 2018 auf Bahnsteig 3 erwartet. Diese kamen kurz vor 23 Uhr an, man sei dann hinter den Fans hergelaufen. Die Beamten sind dann in den Personentunnel gegangen. Dort habe man Geschrei und Tumult gehört. Es sei ihm erst nicht ungewöhnlich vorgekommen, da Geschrei nach Fußballspielen normal sei. Im Tunnel kamen jedoch Jena-Fans entgegen, diese sind auf den Bahnsteig gerannt. Mehrere Personen haben diese verfolgt. Die Beamten haben versucht sich diesen entgegenzustellen, damit sie die Jena-Fans nicht verfolgen können, so der Zeuge. Ein Grund für die Verfolgung habe der Zeuge nicht feststellen können. Die Zahl wird auf vier bis sechs Verfolger geschätzt. Die Beamten sind auf das Gleis hoch, da ein Angriff über die Gleise vermutet worden ist. Außer den Jena-Fans war jedoch niemand weiter auf dem Gleis. Es wurde um Unterstützung gebeten. Da sich der Zeuge und der Kollege um die Fans auf dem Bahnsteig gekümmert hatten, konnten diese nicht mitbekommen, was draußen vor sich ging. Der Zeuge gibt an, dass sie ca. 30 Personen gesehen haben, welche in Richtung Wasserturm abmarschiert sind. Der Zeuge sagt „Das hatte fast eine militärische Formation.“ Zum Aussehen der Angreifer sagte der Zeuge aus, sie haben Jeans, weiße Sweatshirts sowie mehrfarbige Sturmhauben getragen. Auf dem Vorplatz seien laut dem Zeugen nur die Jena-Fans gewesen, wovon ein bis zwei Personen verletzt waren. Auf Nachfragen des Richters gibt der Zeuge an, dass ca. 20 bis 25 Jena-Fans aus dem Zug gestiegen sind. Als der Zeuge später die Gruppe Angreifer vom Parkplatz in Richtung Wasserturm gesehen hat, war der Weg auf dem diese sich befanden nicht beleuchtet, jedoch der Parkplatz. Der Zeuge gibt an, man habe die Jena-Fans auf dem Gleis zum Vorplatz begleitet und dort die Personalien aufgenommen. Der Zeuge wird entlassen, es folgt die Mittagspause.

Im Anschluss an die Pause die Vernehmung der Zeugin N. Sch.. Sie möchte nicht, dass ihre komplette Anschrift im Gericht verlesen wird. Die Verteidigung von Steve W. fragt, warum die Zeugin keine Personalien vollständig bekunden muss und ob es dazu einen Gerichtsbeschluss gäbe. Der Richter erwidert, dass es sich dabei um eine Vorsitzendenentscheidung handle und fragt die Zeugin, warum diese keine vollständige Adresse angeben möchte. Zeugin Sch. gibt an, sie und ihre Freund wollen dies nicht, da sie Angst haben und ihr Freund schon Opfer einer Körperverletzung wurde. Die Staatsanwaltschaft meldet sich zu Wort. Sie gibt an, dass es aufgrund von Telekommunikationsüberwachung Hinweise gab, ohne die Quelle genau benennen zu können, dass es bei FCC-Fans Aufrufe gab, keine Angaben beim Prozess zu machen.

Der Richter gibt an, dass es ihm reiche, wenn lediglich der Wohnort angegeben werde. Die Verteidigung von Steve W. beanstandet dies. Das Gericht unterbricht und zieht sich zur Kammerentscheidung zurück. Die Kammer beschließt daraufhin, dass nur der Wohnort angegeben werden muss, was dadurch bestätigt wurde, dass die Zeugin angab, ihr Freund sei Opfer einer Körperverletzung geworden. Die Verteidigung gibt an, dass es dafür einen konkreten Bezug der Körperverletzung zur Zeugenaussage geben müsse und ein konkretes Bedrohungsszenario, dies gehe nicht aus der Begründung hervor. Der Richter fragt die Zeugin Sch., ob sie in letzter Zeit bedroht worden ist. Sie verneint, die Anschrift wird verlesen.

Die Zeugin beginnt mit der Schilderung vom 7. Dezember 2018. Sie habe ihren Freund und dessen Sohn vom Fußballspiel abholen wollen. Die Zeugin saß im Auto, als ihr Freund mit einer Gruppe aus dem Bahnhof kam. Er habe etwas in das Auto gelegt und wollte anschließend noch eine Zigarette rauchen. Als er die Autotür geschlossen hatte, kamen vermummte Personen angestürmt und haben auf alle eingeschlagen. Die Zeugin stand unter Schock, habe gezittert und geweint. Es sei sehr schnell gegangen. Die Zeugin sah Faustschläge und das Entwenden einer Jacke. Die Zeugin gibt auf Nachfrage des Richters an, dass es mehr als zwei Angreifer war und nicht mehr als zehn. Bei dem Angriff habe sie etwas rot-weißes an der Kleidung wahrgenommen. Die Zeugin gibt an, dass weitere Personen angegriffen worden sind. Ein Freund, D., wurde angegriffen. Er sei plötzlich weggewesen. Als sie ausstieg, habe die Zeugin ihn liegen sehen. Ihr wurde gesagt, sie solle die Polizei rufen. D. war kurz bewusstlos. Dieser war nicht ansprechbar für ein bis zwei Minuten und lag hinter einem Polizeijeep. Am gleichen Abend wurde die Zeugin noch im Krankenhaus vernommen. Nach einem Vorhalt des Richters gibt die Zeugin an, dass sie S. Gesehen habe, wie auf ihn eingeschlagen wurde und ihm seine Jacke entwendet worden ist. Die Angreifer waren vermummt. Der Angriff sei blitzschnell gegangen. Die Zeugin denke noch häufig an das Erlebnis, sie habe so etwas noch nie erlebt. Die Zeugin wird entlassen.

Es folgt der achte Zeuge, C.D.. Der Zeuge bittet darum, dass seine Anschrift nicht verlesen werde. Da auch er auf Nachfrage angibt, nicht bedroht worden zu sein, muss die Anschrift verlesen werden.

Der zeuge beginnt mit seinen Schilderungen zum 7. Dezember 2018. Die Gruppe sei vom Fußball aus Jena gekommen. Als sie in das Auto einsteigen wollten, kamen von der Bushaltestelle maskierte Leute. Ein Kumpel des Zeugen wurde geschlagen und getreten. Er selbst wurde geschlagen. Er gibt an, dass die Angreifer schwarze Sachen trugen und rot-weiße Masken. Auf dem Vorplatz befanden sich sechs Personen, die der Zeuge namentlich kennt. Der Zeuge gibt an, dass die anderen Jena-Fans etwas geschrieen haben beim Verlassen des Bahnhofs. Die Gruppe sei selbst erst als letzte aus dem Bahnhof. Man habe sich laut dem Zeugen nicht auf die Situation konzentriert, sondern war müde vom Spiel und wollte nach Hause. Der zeuge gibt an, dass er auf das Ohr geschlagen wurde. Er habe außerdem gesehen, wie S. G. angegriffen worden ist und aus der Nase blutete, ebenfalls war seine Jacke weg. D. lag unter dem Polizeiauto, der Zeuge wollte ihm helfen. Wie D. geschlagen wurde, habe der Zeuge nicht gesehen. Er habe D. aufgeholfen, der wie bei Bewusstsein war. N. Sch. habe dann Polizei und Rettungswagen gerufen.

Auf Nachfrage gibt der Zeuge an, dass er FCC-Fan ist und Teil der Fangruppe „Sektion 1“ ist. Die Angreifer kamen von der Bushaltestelle, waren ca. 20 bis 30 Personen. Er selbst habe einen Angreifer von einem Freund weggedrückt und wurde anschließend von drei Personen geschlagen. Der Zeuge erlitt eine Verletzung am Ohr. Auf Nachfrage gibt der Zeuge an, er habe ein bis zwei Wochen Schmerzen gehabt. Der Zeuge wird entlassen.

Es folgt Zeuge Nummer neun an diesem Tag, D. L.. Er gibt ebenfalls an auf dem Rückweg vom Jena-Spiel gewesen zu sein. Am Bahnhof wollte man noch zusammen eine Rauchen. Er legte etwas in das Auto, dann kamen maskierte Leute und haben auf die Personen eingeschlagen. Bei dem Zeugen gingen nach eigenen Angaben direkt die Lichter aus. Er habe mit N. Sch. nach Hause fahren wollen. Er kam erst wieder unter dem Auto der Bundespolizei zu Bewusstsein. Es waren nach Angaben des Zeugen knapp 14 bis 15 Angreifer, die aus der Dunkelheit aus Richtung der Bushaltestelle kamen. Zwei bis drei Angreifer attackierten den Zeugen, dem später gesagt wurde, er wäre zwei bis drei Minuten bewusstlos gewesen. Im Krankenhaus wurde er untersucht. Er habe eine Schürfwunde am Rücken gehabt, jedoch keine Folgeschäden davon getragen. Lediglich zwei bis drei Tage Kopfschmerzen. Beim Röntgen wurde eine Fraktur festgestellt. Der Zeuge wurde stationär aufgenommen. Die Angreifer seien aus dem Nichts gekommen, ca. zehn Personen zwischen 1, 70 und 1,80 m groß. Ein Schal wurde ihm entwendet.

Die Staatsanwaltschaft möchte vom Zeugen wissen, wie viele Personen der Fangruppe angehörten. Der Zeuge gibt ca. 15 bis 20 Personen an. Zur Einordnung der Gruppe sagt der Zeuge, man sei weder rechts noch links, eher Ultras aber nicht gewaltbereit. Man sei nur am Fußball interessiert. Die Verteidigung von Theo Weiland fragt nach, was für ein Schal ihm entwendet worden sei. Der Zeuge gibt an, es handelte sich um einen „Südkurve“-Schal. Der Zeuge wird entlassen.

Es folgt der zehnte Zeuge, der Geschädigte S. G.. Da auch er in letzter Zeit nicht bedroht worden ist, wird seine vollständige Adresse verlesen. Der Zeuge gibt an, dass die Gruppe aus dem Bahnhof kam. Die Freundin N. Sch. habe sie abholen wollen. Als sie noch eine Zigarette rauchen wollten, wurden sie bereits angegriffen. Der Zeuge gibt an, dass er sich abdrehen und wegrennen konnte. Zum geschehen kann der Zeuge nicht viel sagen, da ihm zum Großteil die Erinnerungen fehlen. Zu seinen Verletzungen gibt der Zeuge an, dass er im Krankenhaus war und eine angebrochene Nase hatte. Später wurde vom Arzt festgestellt, dass diese komplett gebrochen war. Außerdem wurde nach seiner Jacke gegriffen, nachdem er einen Schlag bekommen habe, auf dieser stand „Sektion Saalfeld“, die für ihn einen hohen ideellen Wert habe. Der Zeuge gibt außerdem an, er habe sich aus der Sektion 1 zurückgezogen, er wolle nicht nochmal in eine solche Situation kommen.

Der Zeuge wird entlassen.

Nach einer Pause wird mit der elften Zeugin, F. K. fortgefahren. Sie gibt an, dass sie mit der Gruppe aus dem Bahnhof kam und sich verabschieden wollte. Dann erfolgte bereits der Angriff. Sie selbst habe einen Schlag aufs Auge bekommen und habe versucht den Angreifern auszuweichen. Zum Geschehen kann die Zeugin nur sagen, dass die Angreifer vermummt waren und anschließend vom Bahnhofsgelände weggeflüchtet sind. Sie selbst erlitt ein geschwollenes Auge. Die Zeugin gibt an, sie wurde von hinten angetippt und direkt geschlagen. Dann war ihre Mütze weg. Sie wurde angetippt und wunderte sich. Ein Angreifer stand vor ihr und wollte D. treffen. Dieser duckte sich ab und so wurde sie getroffen. Sie habe dann gesehen, dass drei bis vier Leute auf D. eingeprügelt haben. Sie selbst wurde zurückgehalten. Die Zeugin geht von ca. 15 Angreifern aus. Es folgt eine Tatortbeschreibung anhand von Lichtbildern. Die Zeugin fügt auf Nachfrage hinzu, dass sie seit diesem Vorfall nicht mehr zu Fußballspielen geht. Sie habe nun eine kleine Tochter, die ihr wichtiger sei. Den Vorfall habe sie noch genau vor Augen und ging ihr sehr nahe.

Die Zeugin wird ohne weitere Fragen entlassen.

Es folgt Zeuge Nummer zwölf, P. G.. Er gibt an, dass er aus dem Zug ausgestiegen sei, sich von seinem Vater verabschiedete und sich mit Bekannten unterhielt. Im Augenwinkel habe Personen vom großen Parkplatz aus kommen gesehen. Der Zeuge gibt an, dass 30 Personen waren, mit rot-weißen Sturmhauben und dunkel gekleidet. Auf dem Parkplatz gebe es zwar Lampen, aber es seien auch viele Büsche dazwischen. Der Zeuge habe versucht seinen Vater zu informieren. Als er sich umdrehte, sah der Zeuge, wie D. zusammengeschlagen wurde und umfiel. Seinen Vater habe er nicht gesehen, auch nicht wohin die Angreifer verschwanden. Da der Zeuge vereinbart hatte, dass dieser von seiner Mutter abgeholt werde, lief er Richtung Kreisverkehr. Dort habe er Rufe gehört, dass Leute kommen. Eine Gruppe kam vom Parkplatz durch das Bahnhofsgebäude zum Taxiparkplatz, ca. 20 Leute. Eine weitere Gruppe kam vom Busbahnhof mit ca. 10 Leuten. Am Kreisverkehr holte ihn seine Mutter ab. Der Zeuge gab an, dass er von den Verletzungen seines Vaters erst später am Telefon erfuhr. Auf Nachfrage gibt der Zeuge an, dass er weiterhin FCC-Fan sei und es sich bei der „Sektion 1“ um einen kleinen Haufen handle, der gemeinsam zum Fußball fahre. Da keine weiteren Fragen gestellt werden, wird der Zeuge entlassen.

Es wird beschlossen, dass der Zeuge Oberkommissar M., welcher für den 3. Dezember 2020 geladen wurde, abgeladen werden kann. Er könne laut dem Bericht keine neuen Erkenntnisse dazu liefern.

Der Richter verliest einen Aktenvermerk der Bundespolizei Erfurt und der KPI Saalfeld:
Verlesung von Aktenvermerken der Bundespolizei Erfurt und der KPI Saalfeld:

  1. Überwachungskamera-Auswertung Bahnhof Saalfeld, teilweise vermummte Personen zu sehen, keine identifizierbaren Personen oder konkreten Tathandlungen zu sehen
  2. Reifenspuren überprüft, Anfrage an die Tankstelle AGIP wegen Videoüberwachungsaufnahmen, Antwort von diesen, dass Aufnahmen nachts kaum bis gar nicht verwertbar sind
  3. AGIP aufgesucht, Mitarbeiterin telefonisch erreicht
  4. Videos von Bussen angefragt, Aufbewahrungsfirst von 48 Stunden überschritten → Videos nicht mehr gesichert
  5. Sicherung von kommunalen Videoaufnahmen Saalfeld zwischen 07.12. 20:00 und 8.12. 1:00
  6. Sichtung AGIP 7.12. 21:00 – 22:00 keine Feststellungen, Tankstelle schließt 22:00, Außenbereich danach unbeleuchtet.

Die Staatsanwaltschaft merkt an, dass lediglich ein paar vermummte Personen auf den Kameras zu sehen gewesen sind.

Die Verhandlung wird beendet.

3. Prozesstag: 19. November 2020

Nach der geständigen Einlassung von Theo Weiland am Vortrag erfolgte noch selben tag eine Haftprüfung. Weiland betritt in Begleitung seines Vaters auf freiem Fuß den Gerichtssaal. Alle weiteren Angeklagten befinden sich weiter in U-Haft.

Der Prozesstag geht mit den Zeugenvernehmungen von Polizeibeamten weiter.

Als erster zeuge wird Mario N., ein Oberkommisar der PI Erfurt in den Zeugenstand gerufen. Er sei Szenekundigerbeamter für den FC Carl-Zeiss Jena. Er begleitete die Fahrt der Jena-Fans ab Bahnhof Jena-West nach Münster. Die Fahrt sei laut dem Zeugen ohne große Vorkommnisse verlaufen. Nach 22 Uhr sei man mit dem Zug wieder in Thüringen gewesen. Der Zeuge gibt an, dass am selben Tag Rot-Weiß Erfurt gegen Victoria Berlin auswärts gespielt habe. Der Zeuge gab an, dass ihn ein anderer Szenekundigerbeamte angerufen habe. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass sechs oder sieben Erfurter nach Gotha gefahren seien, wo sie eigentlich nicht hingehören würden. Der Zeuge gibt an, dass er beim planmäßigen Aufenthalt von 10 Minuten am Bahnhof Gotha mit seinem Kollegen ausgestiegen sei. Dort habe man die rauchenden Jena Fans am Bahnsteig links gehabt und beim Blick nach rechts seien ca. 30-40 Vermummte mit rot-weißen Hauben angerannt gekommen. Sein Kollege habe noch versucht ein Foto zu machen, dies misslang. Der Angriff sei ca. fünf Minuten lang gewesen, dann habe Jena die Angreifer zurückdrängen können. Jedoch erfolgte nach 2- 3 Minuten ein erneuter Angriff von Erfurt. Jenaer schwärmten aus und suchten nach Angreifern. Laut Angaben des Zeugen seien auf der Hinfahrt 90 B-Fans sowie 15 C-Fans im Zug gewesen, insgesamt 177 Jena-Fans. Der Zeuge selbst habe keine Einzelheiten gesehen, lediglich Jagdszenen beobachtet. Der Zeuge gibt nach einem Vorhalt aus seinem Protokoll an, dass Erfurter auf Jena Fans eingeschlagen und getreten hatten. Weiter sagt der Zeuge aus, die Fans seien müde vom Tag gewesen, niemand habe eine Auseinandersetzung gewollt. Jedoch habe jemand, er vermutet der Capo der Jena Fans die Leute aufgefordert, man solle die Schals verstecken und kämpfen und aus dem Zug herauskommen. Beim Eintreffen der Polizei waren die Erfurter bereits geflüchtet.

Der Zeuge selbst habe zwei verletzte Jena-Fans gesehen. Einer habe eine offene Wunde mit viel Blut gehabt, bei einem weiteren habe ein Tropf angelegt werden müssen. Dieser lag am Bahnsteig. Weiterhin gab der Zeuge an, er habe im Nachgang noch mit älteren Jena-Fans geredet. Diese waren ebenfalls über das Ausmaß der Gewalt überrascht, so der Zeuge. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob der zeuge am Morgen mitbekommen habe, ob Fanutensilien entwendet wurden, verneint dieser.

Die Verteidigung schließt sich mit Fragen über die Pünktlichkeit des Zuges sowie der Aufenthaltsdauer des Zuges an. Auf die Frage, welcher Kategorie die Polizei den Capo von Jena einordne, antwortet dieser „C“. Die Verteidigung möchte vom Zeugen wissen, ob dieser die Jena Fans von einer Verfolgung abgehalten habe. Der Zeuge verneint und weißt daraufhin, dass der Fokus auf die Anforderung von Verstärkung lag. Noch einmal hakt der Richter nach. Er will wissen, woher die Feindschaft der beiden Fußballvereine komme. Der Beamte sagt, er vermute noch aus Oberliga-Zeiten und sie seine sehr verfeindet, auch spiele „links gegen rechts“ eine Rolle, so der Zeuge.

Nach seiner Entlassung folgt bereits der zweite Zeuge.

Dabei handelt es sich um PHK Tim H.. Er sei nach eigenen Angaben seit zehn Jahren Szenekundigerbeamter „im Nebenamt“. Er war ebenfalls zivile Begleitung nach Münster. Es sei alles problemlos verlaufen. In Gotha habe es dann eine Raucherpause gegeben. Beim Austreten aus dem Zug habe er links von sich die Jena-Fans gesehen, von rechts sei eine Personengruppe im Sprint auf ihn zugekommen. Diese habe rot-weiße Sturmhauben getragen. Er forderte Unterstützung an. Nach ca. zehn Minuten sei es vorbei gewesen. Es habe eine hohe Dynamik gegeben. Zum Zeitpunkt des Angriffs seien 20 – 30 Jenaer außerhalb des Zugs gewesen. Für zwei Verletzte kam ein Rettungsdienst, bei 5 – 10 weiteren waren Spuren zu sehen. Der Zeuge ist sich bei der Anzahl nicht mehr sicher. Auf die Frage, was die Ursache für die Rivalität sein könnte, äußerte der zeuge es habe vor fünf Jahren einen Angriff auf einen Zug mit RWE-Fans im Zug in Naumburg mit Steinen gegeben. Es sei aber unklar, ob das wirklich Jena-Fans waren. Ebenfalls verneint er die Frage, ob er sowas wie in Gotha schon mal erlebt habe. Der zeuge wird entlassen.

Es folgt der Zeuge Andreas V. von der LPI Gotha.

Er gibt an, dass er Informationen bekommen habe über eine Schlägerei am Bahnhof, er sah viele Leute wegrennen. Laut des Einsatzberichtes wurde die Polizei um 22:40 Uhr informiert und traf um 22:52 Uhr am Bahnhof ein. Er habe noch versucht Leute zu befragen, die haben jedoch ablehnend reagiert. Personalien wurden von drei Verletzten aufgenommen, der Zug sei dann abgefahren.

Der Zeuge wird wieder entlassen.

Es folgt der Zeuge D. S. aus Gotha. Dieser habe einen Kollegen zum Zug gebracht. Schließlich seien Vermummte angerannt gekommen. Er vermutet, er wurde zu den Fußballleuten gerechnet. Nach einem kurzen Wortgefecht, habe er einen Schlag bekommen, in dessen Folge er eine Abschürfung und eine 0,5 cm große Platzwunde davon trug. Auf Nachfrage gab er an, dass es zwei Personen waren. Eine vermummte und eine im roten Erfurt T-Shirt. Auf die Frage, ob ihm das öfter passiere, antwortete der Zeuge bejahend, es käme ab und zu vor.

Nach seiner Entlassung erfolgt eine Erklärung der Staatsanwaltschaft. Diese nimmt Bezug auf den Antrag auf Verwertungsverbot der Verteidigung von Steve W. vom Vortrag. Die Staatsanwaltschaft sehe bei Telekommunikationsüberwachung und Messenger-Überwachung kein Verwertungsverbot. Die Beschlüsse beziehen sich auf DVD mit Auswertungsprogramm und nicht auf Auswertungsberichte. Außerdem sei zu keinem Zeitpunkt der Verteidigung eine Einsicht der Akten verweigert worden.

Es erfolgt eine weitere Zeugenvernehmung der Geschädigten von dem Angriff. Der erste Zeuge, im Folgendem Z1, war beim Spiel in Münster. Er war bewusstlos und habe keine Erinnerung mehr an den Vorfall am Bahnhof. Er erlangte erst im Krankenhaus sein Bewusstsein wieder. Er habe wohl einen epileptischen Anfall erlitten, ein Schädel-Hirn-Trauma sowie Prellungen und retrograde Amnesie. Laut Aktenlage habe er mehrere Tritte gegen den Kopf bekommen.

Es folgt der zweite Geschädigte als Zeuge, folgend Z2. Er sei Jena-Fan, verließ den Zug zum Rauchen und bekam Schlag auf den Hinterkopf, er wisse davon jedoch nichts mehr und habe dann ins Krankenhaus gemusst. Er habe eine Platzwunde und einen gebrochenen Zeh gehabt. Es seien laut Z2 ca. zehn Personen ausgestiegen, warum eine Feindschaft zwischen RWE und dem FCC herrsche, könne er sich nicht erklären.

Nach seiner Entlassung als Zeuge meldet sich Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W. zu Wort. Dieser gibt an, dass sein Mandant im Knast arbeiten wolle, dies aber aufgrund von Beschränkungen nicht gehe. Diese wurde wegen Mittätertrennung beschlossen, das sich in der JVA Tonna ebenfalls der gesondert verfolgte Felix R. befindet. Außerdem gäbe es wohl bei Steve W. einen Vermerk zu Organisierter Kriminalität. Der Richter gibt an, er werde sich bei der JVA Tonna melden, dass nichts gegen Arbeit in Gemeinschaft sprechen würde.

Es folgt der Zeuge K.S., welcher sich auf dem Rückweg von Arbeit in dem besagten Zug befand. Eine grölende Menschenmenge sei aus der Böschung gestürmt. Sie waren vermummt. Der Zeuge gibt an, dass die Angreifer ihn aus dem Weg gebeten haben. Dabei soll der Satz gesagt worden sein „Ey du, mit dem gelben Fahrrad, mach dich aus dem Weg, hier gibts auf die Fresse!“. Der Zeuge geht auf Nachfrage davon aus, dass es sich um ca. mindestens 20 Angreifer handelte. Er habe einzelne Beteiligte nicht erkennen können. Beide Seiten seien über 20 Personen gewesen, für ihn sah es ausgewogen aus. Er habe Schläge gehört kann zum Zeitablauf keine eindeutigen Aussagen treffen.

Es folgte der dritte Geschädigte Jena-Fan als Zeuge, folgend Z3. Er gibt an, die Jena-Fans seien vom Auswärtsspiel gekommen, es sei bereits dunkel gewesen. Z3 vernahm Gerenne am Bahnsteig, dann gingen bei ihm die Lichter aus. Er habe wohl Schlag auf den Hinterkopf bekommen, weshalb ihm viele Erinnerungen fehlen. Am Bahnhof war er bewusstlos, sei aber dann mit dem Zug weitergefahren und habe sich erst in seinem Wohnort ins Krankenhaus begeben. Dort wurde ein Schädelbasisbruch festgestellt. Er wurde operiert. Bei dem Angriff wurden ihm Brieftasche und Handy abgenommen. Im Krankenhaus habe er die Brieftasche von einem Besucher wiederbekommen. Er erinnere sich noch, dass Fanfreunde am Tag darauf nach Gotha gefahren seien, um Klamotten zu suchen. Nach einer Inaugenscheinnahme der Narben am Hinterkopf wird der Zeuge entlassen und die Verhandlung für diesen Tag beendet.

2. Prozesstag: 18. November 2020

Der zweite Prozesstag beginnt mit der Ankündigung des Rechtsanwalt Fehse, Verteidigung Theo Weiland, dass sein eine Einlassung machen werde. Noch bevor es zur Einlassung kommt, wiederholt Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., seinen Aussetzungsantrag vom ersten Prozesstag, der nach einer kurzen Unterbrechung erneut abgelehnt wird.

Die Einlassung von Theo Weiland wird durch seinen Rechtsanwalt verlesen:

„Ich gestehe und räume die mir vorgeworfenen Taten ein.

1. Jungssturm

Ich war Mitglied der Fanvereinigung Jungsturm. Es handelt sich um eine lose Verbindung, die nicht vorrangig der Begehung von Straftaten dient. Es ist im Fußball üblich sich mit anderen Fanszenen zu messen. Meine Mitgliedschaft beim Jungsturm war ein Fehler. Ich habe ein Konto für den Jungsturm angelegt. Die darauf eingezahlten Gelder wurden nicht für Straftaten verwendet. Ich habe an Drittortauseinandersetzungen teilgenommen, diese aber nicht geplant. Vor Drittortauseinandersetzungen wurde ich gefragt, wer mitmachen solle, da ich Erfahrung im Kampfsport habe und war an der Planung der Taktik beteiligt. Der Jungsturm hat keine Statuten oder feste Hierarchien. Wer nicht mehr mitmachen wollte, konnte gehen. Wenn jemand neu dazukommen wollte, war dies möglich und wurde zwischen den Mitgliedern beraten. Ich habe Kampfsport betrieben und an gemeinsamen Trainings des Jungsturms teilgenommen. Ich war einige Male in Kirchheim und trainierte dort. Der Trainingsraum wurde jedoch nicht exklusiv durch den Jungsturm genutzt. Ich nahm an Feiern des Jungsturms teil und fühlte mich der Gruppe zugehörig. Wann die Gruppe genau gegründet wurde weiß ich nicht, allerdings gab es Ende 2019 eine 5 Jahresfeier.

2. Bahnhof Saalfeld

Ich habe an dem Angriff am Bahnhof Saalfeld teilgenommen. Es handelte sich um eine Reaktion auf eine Aktion der Jenaer Fangruppe Brancos. Der Jungsturm hatte damals weniger als 10 Mitglieder. Eine Gruppe, zu der ich gehörte, näherte sich von der Culmbacher Straße, eine zweite Gruppe kam vom Busbahnhof. Es war eine körperliche Auseinandersetzung geplant. Die Jenaer Fans zogen sich in den Bahnhof zurück. Daraufhin gingen einige Jungsturm-Mitglieder in den Bahnhof, was so nicht geplant war. Ich beging keine Körperverletzung und zog mich zurück. Die Entwendung von Kleidungsstücken von gegnerischen Fans ist so nicht üblich und war nicht geplant, kommt jedoch vor.

3. Bowlingbahn Saalfeld

Ich habe an dem Angriff auf die Bowlingbahn in Saalfeld teilgenommen. Er richtete sich gegen die Jenaer Fangruppe Brancos. Woher die Information stammte, dass sich die Brancos in der Bowlingbahn aufhalten, weiß ich nicht. Es handelte sich um eine Reaktion auf eine Aktion der Brancos. Meine Teilnahme an dem Angriff war ein Fehler. Ich war einer der ersten der die Bowlingbahn betrat und ich war vermummt. Ich schlug eine Person mit der Faust und traf diese. Ich erhielt einen Schlag gegen den Kopf und folgte der Person, die mich geschlagen hat. In der Bowlingbahn brach ein Tumult aus, Gläser und andere Gegenstände flogen. Ich habe das Gebäude über eine Treppe verlassen. Nach dem Angriff beteiligte ich mich an den Diskussionen darüber. Die Darstellung der Ereignisse in diesen Diskussionen war übertrieben. Für mich ist es inakzeptabel, dass Unbeteiligte durch den Angriff betroffen waren und ich bereue mich daran beteiligt zu haben.

4. Bahnhof Gotha

Ich habe mich am Angriff auf Jenaer Fans am Bahnhof Gotha beteiligt. Es war eine Reaktion darauf, dass angeblich Rot Weiß Erfurt Fanutensilien durch Jenaer Fans am gleichen Tag in Gotha entwendet wurden. Die Jenaer Fans waren bei Ankunft ihres Zugs in Gotha vorbereitet und standen bereits in den Türen des Zugs. Ich ging mit mehreren Personen auf den Bahnsteig. Die Erfurter und die Jenaer Fans waren vermummt. Der Bahnsteig war eng. Es kam zu einem Schlagabtausch. Ich schlug eine Person und wurde geschlagen. Die Aktion war kurz und wir sind nach wenigen Sekunden geflohen.

Drittortauseinandersetzungen

Drittortauseinandersetzungen werden nach den Regeln des MMA durchgeführt. Im Vorfeld werden die Anzahl und das Alter der Personen zwischen den Gruppen abgestimmt. Die Auseinandersetzungen dauern in der Regel zwischen 1 – 3 Minuten. Es dürfen keine schweren Schuhe oder verstärkte Handschuhe getragen werden. Es sind vor allem 1 gegen 1 Aktionen. Es ist wie ein Kampf im Ring nur mit mehreren Personen gleichzeitig. Alle Teilnehmer haben eingewilligt mitzumachen. Medizinisches Material wird bereitgestellt und alle Teilnehmer sind kampfsporterfahren. Es war mir wichtig, dass für die Auseinandersetzungen entlegene Orte gewählt werden, damit keine Unbeteiligten involviert sind. Für mich waren diese Auseinandersetzungen eine Möglichkeit, um mich mit anderen sportlich zu messen. Ich hatte keine Kenntnis davon, dass diese strafrechtlich relevant sind. Drittortauseinandersetzungen gibt es seit Jahrzehnten in der Fußballszene.

5. Drittortauseinandersetzung am 19.05.2019 in Frankfurt

Es handelte sich um eine Auseinandersetzung zwischen Fans des RWE und Eintracht Frankfurt. Es waren 10 Personen pro Team beteiligt. Wir bewegten uns aufeinander zu, um uns zu schlagen und zu treten. Ich habe mehrere Personen geschlagen und eine Person getreten. Wenn eine Person kampfunfähig ist, wird diese nicht weiter angegriffen. Nachdem der Jungsturm die Oberhand hatte, wurde die Auseinandersetzung abgebrochen.

6. Drittortauseinandersetzung am 12.05.2019 in Babelsberg

Es handelte sich um eine Auseinandersetzung zwischen Fans des RWE und Babelsberg. Die Fanszene von Babelsberg hatte den Jungsturm angesprochen und die Auseinandersetzung wurde spontan geplant. Es waren 5 Personen pro Team beteiligt. Der Ort wurde vom Gegner bestimmt. Wir bewegten uns aufeinander zu, um uns zu schlagen und zu treten. Ich habe eine Person geschlagen und er hat mich geschlagen. Als er kampfunfähig war, habe ich nicht weiter geschlagen. Ich habe weitere Gegner angegriffen. Mir war dabei bewusst, dass wenn ein Gegner kampfunfähig ist, ich diesen nicht weiter angreife. Die Auseinandersetzung wurde nach sehr kurzer Zeit abgebrochen, da der Jungsturm die Oberhand hatte.

7. Drittortauseinandersetzung gegen Bielefeld

Es handelte sich um eine Auseinandersetzung zwischen Fans des RWE und Bielefeld. Ich habe diese Auseinandersetzung nicht mit organisiert, sondern nur daran teilgenommen. Es kämpften 10 Personen pro Team. Wir haben uns aufeinander zu bewegt, um uns zu schlagen und zu treten. Ich habe mehrere Gegner geschlagen und getreten.

8. Drittortauseinandersetzung am 29.07.2018 in Koblenz

Es handelte sich um eine Auseinandersetzung zwischen Fans des RWE und Cottbus. Ich habe daran teilgenommen. Es kämpften 7 Personen pro Team. Wir haben uns aufeinander zu bewegt, um uns zu schlagen und zu treten. Ich habe einen Gegner angesprungen und geschlagen. Ich habe einen Regelverstoß begangen, da ich auf einen am Boden liegenden Gegner gesprungen bin und ihn dabei am Kopf getroffen habe. Ich habe mich danach bei ihm entschuldigt. Nach allen Kämpfen gab es gegenseitige Respektsbekundungen und Handreichungen.“

Der Richter fragt anschließend, wo die Drittortauseinandersetzungen stattgefunden haben sollen. Rechtsanwalt Fehse gibt an, dass eine im Hessisch-Lichtenhagener Wald stattgefunden haben soll.

Es erfolgt eine Unterbrechung, nach der keiner der Verfahrensbeteiligten eine Erklärung zur Einlassung abgibt.

Der erste Zeuge am zweiten Verhandlungstag wird in den Saal gerufen.

Bei dem Zeugen handelt es sich um Marco P., einem Kriminalhauptkommisar der Kriminalpolizei Saalfeld. Er war an zwei Durchsuchungen beteiligt, gegen Felix R. und Dominic B..

Die Wohnung von Felix R. befindet sich in Saalfeld. Felix R. wurde in der Wohnung angetroffen, in der er mit seinem Vater wohnte, welcher ebenfalls anwesend war. Ein Haftbefehl sollte vollstreckt werden. Felix R. machte von Zeugnisverweigerungsrecht gebrauch. Anschließend wurden Wohnung, Keller und KFZ durchsucht. In der Wohnung und im Keller wurden Fanartikel des FCC gefunden. Des Weiteren wurden Zufallsfunde gemacht, die einen Verdacht auf Verstoß gegen das Sprengstoffgesetzt und § 86a StGB festgestellt worden sind. Im Zimmer des Vaters wurden Gegenstände von Felix R. gefunden. Beispielsweise eine Sprühdose und ein Handy mit RWE-Logo als Hintergrundbild. Als Datenträger wurden USB-Sticks und SD-Karten beschlagnahmt. FCC-Fanartikel in der Wohnung sind von Vater, der selber Fan des FCC sei.

Zur Durchsuchung bei Dominic B. am 28. April 2020 berichtet der Zeuge, dass mehrere Telefone sichergestellt worden sind. Eines davon war im Sicherungskasten versteckt. Der Zeuge beschreibt, dass im Haus die Großeltern im Erdgeschoss wohnen, in der Mitte wohnen Dominic B. und sein Cousin, darüber die Mutter und ihr Lebensgefährte. Es handelt sich dabei um einen Häuserverbund, dieser sei über die Vorder- und Rückseite betretbar. Dominic B. gab freiwillig sein Handy heraus, ein zweites wurde am Körper sichergestellt. Es erfolgte die Aufteilung der Räume. Anschließend erklärt der Zeuge, dass die mittlere Etage durchsucht wurde und mehrere Datenträger sichergestellt worden sind. Aus einem Vorhalt des Richters aus der Akte, wird klar, dass außerdem ein Sweatshirt des FCC sowie eine schwarze Sturmhaube bei Dominic B. gefunden wurde. Es werden Lichtbilder gezeigt. Diese zeigen die Wohnung, das Haus, ein Firmenfahrzeug in dem Aufkleber des „Jungsturms“ gefunden worden sind. Ebenfalls eine Eintrittskarte für das TIWAZ, ein Zahnschutz sowie diverse beschlagnahmte Datenträger und Telefone.

Da es keine weiteren Fragen durch die Verfahrensbeteiligten gibt, wird der Zeuge entlassen.

Die Verteidigung von Steve W., merkt ihr Unverständnis an, dass Bilder einer Privatwohnung in einem öffentlichen Verfahren gezeigt werden.

Es folgt der zweite Zeuge an diesem Prozesstag. Der Kriminalbeamte Uwe Möller von der KPI Saalfeld. Er ist Kriminalhauptkommissar und leitete die Durchsuchungen am 29. Oktober 2019 und am 28. April 2020 bei Steve W.

zur Durchsuchung am 29. Oktober 2019 gibt der Zeuge an, dass Steve W. auf dem Weg zur Arbeit angehalten worden ist. Seine Person sowie sein PKW wurden durchsucht. Anschließend fuhr man zur Wohnung. Im Keller wurde nichts auffälliges gefunden. Es handelt sich um eine Einraum-Wohnung bis oben im Haus, welche laut dem Zeugen als unordentlich wahrgenommen worden ist. Nach Erinnerung des Beamten wurden folgende Gegenstände sichergestellt: Datenträger, Handys, Sturmhauben zum Teil mit Kennzeichen, Mundschutz, Neonazi-Flaggen (Hakenkreuz sowie eine mit dem Bild von Adolf Hitler). Eine weitere beinhaltete die Innschrift „Ruhe in Frieden“. Im Wohnzimmer habe man außerdem einen menschlichen Schädel gefunden, welcher ebenfalls sichergestellt worden ist. Ebenfalls gab es Zufallsfunde in Form von Böllern, Schlagringen, Butterflymessern. Dabei wurden mehrere Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz sowie das Waffengesetz festgestellt. Auf Nachfrage des Richters erklärt der Zeuge, der Beschuldigte habe ausgesagt, er habe mal zur Gruppierung gehört. Zum Zeitpunkt der Durchsuchung jedoch nicht mehr. In einem zweiten Auto, nach Angaben des Beschuldigten von einem Kumpel, wurde eine Mitgliedskarte von „La Familia“ aus Erfurt gefunden. Dort habe er Kampfsport gemacht, mache nun aber nur noch Kraftsport. Der Richter hält fest, dass es sich um eine Wohnung in einem Plattenbau in Erfurt Meckendorf handele und mehrere Fanschals anderer Fußballclubs in der Wohnung gefunden worden sind. Auf die Frage, ob sich der Beschuldigte zu den Gegenständen äußerte, antwortete der Zeuge, dass dieser gesagt habe, es handle sich um alte Sachen, die noch nicht entsorgt worden sind. Steve W. gab ebenfalls an nicht mehr in der rechten Szene aktiv zu sein.

Es sollen anschließend Lichtbilder gezeigt werden. Wieder entspinnt sich ein Streit zwischen Rechtsanwalt Pinkes und dem Richter. Pinkes versucht das zeigen der Bilder zu verhindern. Nach einer Beratung der Kammer ergeht ein Beschluss, dass die Bilder gezeigt werden sollen.

Auf den Lichtbildern sieht man ein großes Jungsturm-Logo als Tattoo auf der Brust von Steve W.. Außerdem trägt er den Schriftzug „Misanthrop“ über den Bauch. Es folgen Fotos seiner Wohnung. Im Regal befindet sich der menschliche Schädel. Im Kleiderschrank befand sich eine Hakenkreuzfahne sowie Aufkleber „Antifa-Gruppen zerschlagen“. Es findet sich außerdem ein Aufnäher der NS-Black Metal Band „Burzum“. Eine zweite Hakenkreuzfahne sowie eine Fahne mit dem Bild von Adolf Hitler. Es werden mehrere Sturmhauben sichergestellt u.a. in rot-weiß und eine mit Hakenkreuz sowie Fanschals. Es wird eine Fahne mit „Ruhe in Frieden“ und einem Porträt darüber gefunden sowie eine weitere Hakenkreuzfahne mit einem Reichsadler. Ebenfalls wurden mehrere zum Teil indizierte CDs sichergestellt sowie eine weiße Substanz, eine Patrone welche unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt.

Zur zweiten Durchsuchung am 28. April 2020 äußerte sich der Zeuge wie folgt. Aufgrund der anderen Ausgangslage mit einem zu vollstreckenden Haftbefehls, unterstützte das LKA die Maßnahme. Nach der Verhaftung beim Verlassen der Wohnung wurde das Fahrzeug des Beschuldigten durchsucht. Darin habe man ein Ei aus Plastik gefunden, in dem eine unbekannte Substanz gefunden worden ist. Der Beschuldigte sagte aus, es handele sich dabei um Melatonin, was er sich bestellt habe aufgrund von Schlafproblemen. Die Wohnung wurde erneut als unordentlich beschrieben. Die Beamten hätten zuerst ein bis zwei Säcke Pfandflaschen sammeln müssen, damit sie diese überhaupt erst betreten konnten. Es wurden mehrere Datneträger sichergestellt, weitere kapseln mit verschreibungspflichtigem Melatonin, für welche der Beschuldigte keine Rezept vorweisen konnte. Ebenfalls wurde ein Banner gefunden, welche nach Erinnerung des Zeugen die Aufschrift „Freie Kräfte Erfurt – Mut zum Widerstand“ trug. Anschließend erfolgte eine Erkennungsdienstliche Behandlung in der LPI Saalfeld sowie eine Vorführung vor den Haftrichter am Amtsgericht in Gera.

Anschließend folgten Lichtbilder von der Durchsuchung im PKW, einem schwarzen BMW, sowie aus der Wohnung. Darunter befanden sich Aufkleber und Kleidungsstücke mit Bezug zur Gruppe „Jungsturm“. Weiterhin gab es mehrere Schablonen, Vorlagen, Sturmhaube, Fahne mit schwarzer Sonne. Der Zeuge wird entlassen.

Die Verteidigung von Steve W. beanstandet das Zeigen seiner Tattoos, da dies nicht verfahrensrelevant sei. Bei den vorgeworfenen Taten, waren die Täter voll bekleidet und vermummt. Weiterhin wird beanstandet, dass die Durchsuchung um 05:47 Uhr zur Nachtzeit stattfand und damit nicht zulässig sei.

Nach einer kurzen Pause wird mit der dritten Zeugin an diesem Tag fortgesetzt. Es handelt sich dabei um Bettina M., welche Kriminalhauptkommisarin der KPI Saalfeld ist. Sie war mit einer weiteren Kollegin bei der Hausdurchsuchung bei Robin B. in Tabarz. Sichergestellt wurden zwei Handys, ein Laptop, Kamera, verschiedene SD-Karten und USB-Sticks. Im Keller wurde eine Kiste mit T-Shirts von Fußballclubs gefunden sowie eine Tasche mit Boxutensilien. Im Auto wurde Bixbekleidung sichergestellt sowie ein Aus vom Sicherheitsdienst „Guardian Force“ sowie Aufkleber. Der Beschuldigte habe laut Zeugin zur Sache nichts gesagt und keine PIN herausgegeben. Auf die Frage des Richters, ob Robin B. nicht überrascht gewesen sei über die Durchsuchung, antwortete die Zeugin, dass dieser schon gewusst habe, dass sie kommen. Er habe auf sein Handy gezeigt, was durch die Zeugin interpretiert worden ist, dass der Beschuldigte gewarnt worden ist. Es werden Lichtbilder der Durchsuchung gezeigt. Darunter finden sich Aufkleber „Juden Jena“ und der Gruppe „Jungsturm“. Außerdem ein Notizbuch, in dem ein Schriftzug zu sehen ist mit Fußballbezug. Ebenfalls werden Fotos des weißen Audis, T-Shirts von LOK Leipzig und „Jungsturm“ sowie vom Dienstausweis gezeigt.

Die Verteidigung von Steve W. hat mehrere Fragen zum Ablauf der Durchsuchung, welche durch die Zeugin kurz und knapp beantwortet werden. Anschließend wird die Zeugin entlassen.

Es folgt der dritte Zeuge am Verhandlungstag. Kriminalbeamter Carsten G. von der KPI Saalfeld leitete die Durchsuchung bei Richie B.. Der Zeuge gibt an, dass ihm eine Frau Sch., die Lebensgefährtin von Richie B., die Tür öffnete und den Polizisten Einlass gewährte. Richie B. wurde im Bett aufgefunden. Der Zeuge gibt an, dass über 60 Dinge sichergestellt worden sind. Darunter seien Datenträger, CDs, Fanutensilien, Sturmhauben und Unterlagen. Als Zufallsfunde wurden Böller und Nebeltöpfe sichergestellt. Nach einem richterlichen Vorhalt erklärt der Zeuge, dass es Unstimmigkeiten in Bezug auf einen Laptop gegeben habe. Dieser habe nach Angaben von Richie B. nur seiner Freundin gehört. Nach dem Einschalten sei jedoch ein Benutzerkonto von Richie B. angezeigt worden. Aufgrund dessen wurde der Laptop beschlagnahmt.

Es folgen Lichtbilder der Durchsuchung. In der Garage hing eine schwarz-weiß-rote Fahne, es wurden mehrere Sturmhauben, u.a. schwarz-weiß-rot, und Fanutensilien sichergestellt. Des Weiteren fanden sich tütenweise Jungsturm-Aufkleber und T-Shirts sowie Hakenkreuz-Aufkleber und Poster. Nachdem die Zeugin die Frage von Rechtsanwalt Pinkes, ob sie noch andere Tätigkeiten im Verfahren innehatte, verneinte, wird diese entlassen.

Nach der Mittagspause erfolgt die Vernehmung des fünften Zeugen an diesem Tag. Dabei handelt es sich um Mathias T., einem Kriminalhauptkommissar. Er war bei der Hausdurchsuchung bei Philipp P. in Erfurt anwesend. Laut dem Zeugen war Philipp P. Über die Hausdurchsuchung sehr erregt. Er übergibt feiwillig eine Sturmhaube. Bei der Durchsuchung werden mehrere Böller und Aufkleber der Gruppe gefunden sowie weitere Sturmhauben von LOK Leipzig und eine in schwarz-weiß-rot. Ebenfalls wurde das Auto von Philipp P., ein Jaguar, durchsucht.

Es folgte die sechste Zeugin, Katrin G., Kriminalhauptkommisarin der KPI Saalfeld. Sie war am 28. April 2020 bei der Hausdurchsuchung in Ilmenau bei Roy-Peter K. Hier habe man nicht nur die Wohnung in Ilmenau sondern auch sein Zimmer in der Bundeswehr-Kaserne in Bad Salzungen durchsucht. In seiner Wohnung wurde ein kaputtes Handy ohne SIM und SD Karte gefunden. Roy-Peter K. gibt an, er habe sie am Tag vorher aus dem Auto geworfen. Kommentiert dies aber nicht weiter. Weiterhin wurde Viagra sowie eine große Schießscheibe gefunden. Diese wurde den Feldjägern übergeben, da diese prüfen wollten, ob es sich um Diebstahl handele.

Die siebte Zeugin an diesem Tag ist Maja S., ebenfalls Kriminalhauptkommissarin der KPI Saalfeld. Sie war bei der Hausdurchsuchung bei Marcel T. in Kirchheim. Bei dem Objekt handelte es sich um einen vierseitigen Hof mit Scheune, Hotel und Wohnungen. Gefunden wurden im Objekt Baseballschläger, Pfefferspray, Messer sowie diverse Datenträger. Die Scheune wurde als Veranstaltungshalle ausgebaut, im Obergeschoss befindet sich ein Trainingsraum mit improvisiertem Boxring. Ebenfalls wurden Aufkleber mit Aufschrift „Sportgruppe Kirchheim“ sichergestellt. Die Frage des Richters an Theo Weiland, ob er hier trainiert habe, bejahte dieser.

Der achte Zeuge ist Bernhard P., ebenfalls Kriminalhauptkommissar. Er war bei der Hausdurchsuchung am 29. Oktober 2019 bei Eric H. anwesend. Dieser wohne bei seiner Familie. Es wurden mehrere Telefone, Sturmhauben, Fanutensilien, Baseballschläger sowie Speichermedien sichergestellt. Der Zeuge verweist auf ein umfangreiches Durchsuchungsprotokoll und wird entlassen.

Der vorletzte Zeuge ist Danny U., Kriminaloberkommissar der KPI Saalfeld. Er war bei der Durchsuchung bei Marco K. anwesend, welcher nach der Arbeit im Gelenkwellenwerk in Stadtilm verhaftet worden ist. In seinem PKW wurde ein Handy sichergestellt, in der Wohnung anschließend Laptop, Speichermedien, diverse Jungsturm-Klamotten sowie schwarz-weiß-rote Sturmhaube. Ebenfalls anwesend war die Lebensgefährtin Louisa B. in der Wohnung fanden sich ebenfalls ein Mobfoto mit dem Banner „Durchhalten Felix“ sowie diverse Zaunfahnen und Banner von „Jungsturm“. Weiter wurden T-Shirts von CSKA Sofia, der Band Confident of Victory sowie dem Imperium Fight Team sichergestellt sowie Aufkleber mit der Aufschrift „Juden Chemie“.

Als letzter Zeuge tritt Pierre B. von der KPI Saalfeld auf. Er war bei der Hausdurchsuchung am 29. Oktober 2019 in Halle bei Theo Weiland. Dort war seine Lebensgefährtin Frau U. anwesend. Weiland habe sein Telefon und Laptop ausgehändigt, weiterhin wurden Speichermedien und ein weiteres Telefon unter der Matratze gefunden.

Zur Durchsuchung am 28. April 2020 macht der Zeuge klar, dass diese Maßnahme aufgrund der Vorwarnung vorgezogen worden ist. Es wurde ebenfalls der Haftbefehl vollstreckt. Als Zeuge habe Theo Weiland den „La Familia Halle“ Trainer Mathias W. als Zeugen dazu gebeten, damit dieser seinen Anwalt kontaktieren kann. Es erfolgte ebenfalls eine Hausdurchsuchung bei „La Familia Halle“. In Weilands Wohnung wurde außerdem ein Telefon versteckt in einem Blumenkasten gefunden.

Nach Entlassung des Zeugen erfolgt ein Streit zwischen Rechtsanwalt Pinkes und dem vorsitzenden Richter über die Vollständigkeit der Akten. Im Anschluss an das Wortgefecht wird der Prozesstag beendet.

1. Prozesstag: 12. November 2020

Der erste Prozesstag beginnt mit der Verlesung der Anklageschrift.

Anklageschrift vom 23. Juli 2020, verlesen durch Staatsanwalt Knoblauch:

Der „Jungsturm“ wurde am 13. Juli 2014 durch Steve W. und Marco K. gegründet. 2016 stieß Theo Weiland hinzu, 2017 Robin B.. Der Vereinigung werden u.a. Schlägereien, Überfalle auf Anhänger des FCC Jena, Graffitis v.a. im Landkreis SLF-RU und in Südthüringen vorgeworfen. Ab dem 21.7.2017 werden Mitgliedsbeiträge erhoben und gemeinsame Trainings organisiert. Ab 2018 wurde eine Anwärterphase für Mitglieder des JS eingeführt. Im Hotel am Erfurter Kreuz in Kirchheim richteten Marco K. und der gesondert verfolgte Marcel T. einen Gruppenraum ein. Marco K. und Theo Weiland sind seit 2018 die Anführer der Gruppe; sie legten u.a. Termine fest und wählten die Kämpfer für Drittortauseinandersetzungen aus. Teilweise gab es bei weiteren Maßnahmen noch andere Mitsprecher. Als Steve W. und der gesondert verfolgte Richie B.Absichten zeigten, den JS zu verlassen, wurden sie zur Räson gerufen und blieben dabei. Theo Weiland war verantwortlich für die Finanzen der Gruppe, für das Verabreden von Drittortauseinandersetzungen, für Kontakte in die Fanszenen von Halle und Leipzig und für Kampfsporttrainings. Marco K. war der Vermittler der Gruppe und sorgte für den inneren Zusammenhalt. Robin B. nahm für den JS am Kampfturnier TIWAZ teil, leistete eine verschleierte Geldeinzahlung des JS auf das Haftkonto von Felix R., beseitigte nach Hausdurchsuchungen Beweismittel, überzeugte Steve W. zum Verbleib im JS und organisierte Gruppentreffen wie die Weihnachtsfeier etc.

7. Dezember 2018, 22.55 Uhr: Steve W., Theo Weiland und ca. 40 weitere Personen greifen auf dem Saalfelder Bahnhof FCC-Fans, die sich auf der Rückreise befanden, aus zwei Richtungen an. Teile der FCC-Fans sind der Gruppierung „Jena Branco“ zuzuordnen. Es gab Faustschläge und Tritte, wodurch u.a. jemand bewusstlos wurde. Es wurden u.a. eine Jacke und eine Mütze geraubt.

22. Februar 2019, 21.00 Uhr: Theo Weiland, Robin B. und weitere greifen in der Bowlingbahn in Saalfeld-Gorndorf 17 FCC-Anhänger an. Es gibt Schläge ins Gesicht, Tritte gegen den Kopf und es werden Fanartikel geraubt.

27. Juli 2019, 22.55 Uhr: Steve W., Theo Weiland, Marco K., Robin B. und ca. 35 weitere Personen greifen am Gothaer Bahnhof rückreisende FCC-Fans an. Durch Schläge und Tritte gegen den Kopf erleiden die Angegriffenen u.a. Hämatome, ein Schädel-Hirn-Trauma, Platzwunden und jemand wird bewusstlos. Ein unbeteiligter Zugreisender wird ebenfalls angegriffen und erleidet Hämatome.

19. Mai 2019, 14.00 Uhr: Theo Weiland, Marco K., Robin B. nehmen in Hessen an einem Ackerkampf teil, der ca. 2 Minuten dauert.

12. Mai 2019: Theo Weiland, Marco K. und der gesondert verfolgte Dominic B. nehmen in Babelsberg an einem Ackerkampf 5 VS. 5 teil. Die Gegner sind evtl. Anhänger des SV Babelsberg. Der Kampf dauert ca. 30 Sekunden.

11. Februar 2018 Theo Weiland, Marco K., Robin B., Steve W. und der gesondert verfolgte Roy-Peter K. nehmen in Hessisch-Lichtenau an einem Ackerkampf gegen Anhänger von Arminia Bielefeld teil.

29. Juli 2018 Theo Weiland, Steve W., Robin B. und die gesondert verfolgten Eric H. und Till M.nehmen in Hessisch-Lichtenau an einem Ackerkampf 7 VS. 7 gegen Anhänger des TUS Koblenz teil, der ca. 30 Sekunden dauert.

23. Januar 2018: Steve W. und Marco K. nehmen in Hessisch-Lichtenau an einem Ackerkampf 10 VS. 10 gegen Anhänger von RW Essen teil, der ca. 1 Minute dauert.

Theo Weiland hat sich wegen Gründung und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung gem. § 129 StGB, in Tateinheit mit Raub und gefährlicher Körperverletzung (in 6 Fällen) gem. §§ 129, 249, 223, 224 StGB strafbar gemacht.

Steve W. hat sich wegen Gründung und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung gem. § 129 StGB, in Tateinheit mit Raub und gefährlicher Körperverletzung gem. §§ 129, 249, 223, 224 StGB strafbar gemacht.

Marco K. hat sich wegen Gründung und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung gem. § 129 StGB, in Tateinheit mit Raub und gefährlicher Körperverletzung (in 5 Fällen) gem. §§ 129, 249, 223, 224 StGB strafbar gemacht.

Robin B. hat sich wegen Gründung und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung gem. § 129 StGB, in Tateinheit mit Raub und gefährlicher Körperverletzung (in 5 Fällen) gem. §§ 129, 249, 223, 224 StGB strafbar gemacht. Es kommt die Anwendung des Jugendgerichtsgesetzes in Betracht.

22. Februar 2019, 21.00 Uhr: Marco K. ist am Angriff des JS auf FCC-Anhänger in der Bowlingbahn in Saalfeld-Gorndorf beteiligt, gemeinsam mit ca. 25 weiteren Angreifern.

22. Oktober 2016: Robin B. ist in Hessisch-Lichtenau am Ackerkampf 10 VS. 10 gegen Anhänger von RW Essen beteiligt, der ca. 1 Minute dauert.

Rechtlicher Hinweis an SW, MK und RB, dass beim Anklagepunkt zum 23. Januar2018 als Tatzeitpunkt auch der 22. Oktober 2016 in Betracht kommt. Weiterer rechtlicher Hinweis an RB, dass im Falle des Tatzeitpunktes am 22. Oktober 2016 auch die Anwendung von Jugendstrafrecht in Betracht kommt.

Es hat bislang keinerlei Vorabsprachen zwischen den Prozessbeteiligten gegeben. Rechtsanwalt Fehse, Verteidigung Theo Weiland, teilte dem Gericht am 29. Oktober 2020 mit, dass ein Verständigungsversuch mit der StA erfolglos war.

Rechtsanwalt Pinkes, Verteidigung Steve W., beantragt die Aussetzung des Verfahrens, bis zur Vervollständigung der Ermittlungsakte. Er widerspricht damit der Beweimittelverwertung aller Beweise, welche infolge der Telekommunikationsüberwachung, Observation oder weiterer Zwangsmaßnahmen gewonnen wurden. Begründet wird dies wie folgt.

Die Ermittlungen nahmen ihren Ausgang am 5. Dezember 2018 durch die KPI Saalfeld, als Datenträger der gesondert verfolgten Felix R. und Eric H. sichergestellt wurden. Die Staatsanwaltschaft Gera beantragte 2019 Beschlüsse zur TKÜ von Steve W., weil sich in der Auswertung der Datenträger ein Verdacht gegen Steve W. ergab. Das AG Gera beschloss die TKÜ. Der Auswertungsbericht der Datenträger von Felix R. ist im TKÜ-Antrag nur auszugsweise enthalten. Zum Zeitpunkt des TKÜ-Beschlusses durch das AG Gera lag der Auswertungsbericht der KPI Rudolstadt noch nicht vollständig vor. Wenn Felix R. Auswertungsbericht erst nach dem Gerichtsbeschluss vollständig vorlag, können die Folgemaßnahmen und Ermittlungsergebnisse nicht verwendet werden, weil dies dem Grundsatz der Aktenvollständigkeit und einem fairen Verfahren zuwiderlaufen würde.

Gegen Steve W. lief außerdem eine Telegram-Überwachung infolge des TKÜ-Beschluss betreffend Theo Weiland.

Die Staatsanwaltschaft sieht eine Aussetzung als nicht geboten. Das Gericht weist den Antrag per Beschluss zurück.

Es folgt der erste Zeuge, Kriminalkommissar Pierre B. von der KPI Saalfeld. Er war seit dem Angriff 2018 am Bahnhof in Saalfeld Ermittlungsführer. Anfang 2019 habe es dann einen Übergriff auf den Betreiber der Johannisklause in Saalfeld gegeben durch Felix R. und Eric H., in dessen Folge die Telefone beschlagnahmt worden sind. Dadurch ergab sich eine Verbindung zu den Angriffen am Bahnhof in Saalfeld 2018. Nach der Sicherstellung weiterer Datenträger ergaben sich Hinweise auf den Angriff an der Bowlingbahn und beim Angriff von Felix R. und einen Mittäter am Bahnhof Rudolstadt auf einen FCC-Anhänger. Am 29. Oktober 2019 wurde das Ermittlungsverfahren wegen § 129 StGB eingeleitet und sieben Objekte durchsucht. Dabei wurden Datenträger bei Theo Weiland in Halle und Saalfeld sowie bie Steve W. und Felix R. gefunden. Ab diesem Zeitpunkt lief die Telekommunikationsüberwachung gegen die Beschuldigten. Aufgrund der Auswertung der Datenträger gab es Hinweise auf Beteiligung am Angriff am Bahnhof in Gotha. Außerdem wurden Videos von Ackerkämpfen gefunden. Am 28. April 2020 folgten dann Durchsuchungen in Bad Tabarz, Erfurt, Halle, Saalfeld und Ilmenau.

Im Zuge der Ermittlungen wurden ebenfalls die Orte der Ackerkämpfe vor Ort nachverfolgt.

Anfangs liefen die Ermittlungen gegen Theo Weiland, Steve W., Eric H. und Felix R., wobei Theo Weiland teilweise observiert wurde. Es folgten weitere Ermittlungen gegen Roy-Peter K., Marco K. und Dominic B..

Am 7. September 2019 fand laut dem Zeugen in Langewiesen die Fünf-Jahres-Feier der Gruppe statt, welche ebenfalls observiert worden ist.

Im Jahr 2016 eröffnete Theo Weiland ein DKB-Konto für den „Jungsturm“. Hier wurden Mitgliedsbeiträge eingezahlt, was sich durch eindeutige Verwendungszwecke erkennen ließ. Im Nachgang der Durchsuchungen am 29. Oktober 2019 gab es über die Überwachung Hinweise, dass Beweismittel vernichtet werden sollten und Chatverläufe gelöscht werden sollten. Die Observation am 1. und 2. November 2019 führte zu einem Krisentreffen der Gruppe in Kirchheim, an dem neben Theo Weiland, Steve W. und Marco K. ca. 20 Personen teilnahmen. Im Nachgang wurden Ermittlungsverfahren gegen Robin B., Till M., Benjamin St. und Kevin N. Eingeleitet. Außerdem wurde die Telekommunikationsüberwachung für Robin B. angeregt. Außerdem gab es am 19. Dezember 2019 eine Weihnachtsfeier im Objekt in Kirchheim.

Über die Telegram-Überwachung und Datenträger-Auswertung ergaben sich außerdem Hinweise in die Fanszene von CSKA Sofia, konkret zur dortigen Hooligangruppe „Animals“.

Nach den Durchsuchungen wurde die Auflösung der Gruppe diskutiert oder Wege, konspirativer zu agieren. Aufgelöst wurde die Gruppe jedoch nicht.

Nach der Verhaftung von Felix R. ergaben sich über die TKÜ bei Theo Weiland Hinweise darauf, dass er ein illegales Handy in der JVA besaß. Dieses wurde dann auch überwacht.

Im Januar 2020 wurden Ermittlungsverfahren gegen Philipp M., Dennis D., Marcel T. und Richie B. eingeleitet. TKÜ lief gegen sie nicht. Marcel T. ist mit der Tochter des Betreibers vom Hotel in Kirchheim liiert, organisiert die dortigen Trainings und wohnt auch dort, so der Zeuge.

Am 7. Februar 2020 traf sich der „Jungsturm“ anlässlich des Geburtstags von Felix R. in Kirchheim. Das Treffen wurde polizeilich observiert. Von dort fuhr man gemeinsam ins Steakhouse Erfurt, von wo Felix R. angerufen und reihum zum Geburtstag gratuliert wurde.

Videos von den Ackerkämpfen fanden wir auf den beschlagnahmten Handys und auf USB-Sticks, u.a. auf dem Handy von Theo Weiland, auf einem USB-Stick bei Felix R. und auf dem Laptop von Richie B..

Die Messenger-Überwachung lief so, dass das BKA die Daten aus bestimmten Telegram-Chats zuarbeitete. Begonnen wurde damit zunächst bei Steve W.. Allerdings war diese Maßnahme letztlich obsolet, da bei der Sicherstellung der Handys dieselben Chatverläufe auch direkt von den Datenträgern gesichert werden konnten.

Auf Videos und Fotos, u.a. auf dem Handy von Theo Weiland, ergaben sich jeweils Hinweise auf die Lage der Orte, u.a. durch im Hintergrund sichtbare Schilder.Mit der Polizei von vor Ort wurden die Plätze in Hessisch-Lichtenau, Eisenberg und Babelsberg besucht und die Örtlichkeiten fotografiert. In Hessisch-Lichtenau wurde außerdem der örtliche Jagdpächter vernommen, der entsprechende Beobachtungen gemacht hatte. Unter anderem waren ihm blutige Mullbinden aufgefallen, deren Herkunft er sich bis dato jedoch nicht erklären konnte.

Theo Weiland hatte bei seiner Durchsuchung ein Handy freiwillig herausgegeben, ein zweites konnte jedoch unter seiner Matratze versteckt gefunden werden.

Am 28. April 2020 liefen dann Hausdurchsuchungen bei Theo Weiland, Steve W., Marco K., Roy-Peter K., Till M., Sch., Richie B., Robin B., Marcel T., Dominic B., Philipp P..

Richie B. war laut dem Zeugen eine Art Merchandising-Verantwortlicher des „Jungsturm“. Er produzierte die Videos der Ackerkämpfe, die er auch gut zusammengefasst und beschriftet in Ordnern auf seinem Laptop gespeichert hatte. Außerdem entwarf er T-Shirts für die 5-Jahres-Feier, auf denen u.a. Screenshots von Kampfszenen der Mitglieder aufgedruckt waren. Auch Schlüsselbänder entwarf er.

Vor den Hausdurchsuchungen am 28. April 2020 gab es Warnungen an Mitglieder des JS. Die Durchsuchungen waren eigentlich für später geplant. Als durch die TKÜ bekannt wurde, dass die Beschuldigten vorgewarnt wurden, sind die Maßnahmen vorgezogen worden.

Bei der Durchsuchung bei Robin B. am 29. Juli 2020 gab dieser freiwillig sein Handy inklusive Pin-Code heraus.

Rund um den Überfall auf die Bowlingbahn in Saalfeld und um das Krisentreffen am 1.11.2019 in Kirchheim gab es auch Funkzellenabfragen.

Der Zeuge wird entlassen.

Es folgt die Verlesung der Aussage von Theo Weiland bei dessen Haftprüfung:

„Der JS besteht, aber ich habe ihn nicht gegründet und bin auch nicht im JS organisiert. Der JS wollte sich mit meinem Namen schmücken, weil ich ja im Kampfsport einen relativ großen Namen habe. Das habe ich leider nicht erkannt. Weil die Gruppe chaotisch organisiert war, wollte ich ihnen mit ihren Finanzen helfen und habe daher ein Konto für Gelder für u.a. Fahrten eröffnet. Außerdem habe ich mit meinen Kontakten zu anderen Fangruppen, u.a. zum HFC, ausgeholfen und Fantreffen organisiert. Für mich war der Name „Jungsturm“ zu martialisch und ich hätte mir einen anderen Namen gewünscht. Die Auseinandersetzungen mit FCC-Anhängern fand ich bedauerlich. Ich wollte die Gruppe weg von der Gewalt führen. Ich gebe zu, an Ackerkämpfen teilgenommen zu haben. Ich habe diese jedoch nie selber organisiert. Aber wenn ich nach meiner Teilnahme gefragt wurde, habe ich manchmal mitgemacht. Bei den Kämpfen galten klare Regeln und alle Beteiligten nahmen freiwillig teil. Später habe ich von den Kämpfen abgesehen. Ich hatte auch Kenntnis von den geplanten Überfällen auf FCC-Fans und war selber in Gorndorf dabei. Danach habe ich mich jedoch davon abgekehrt. Es stimmt, dass ich als erster da reingegangen bin und nachher mit Tritten und Schlägen geprahlt habe, die es aber eigentlich gar nicht gegeben hat. Zum Ablauf drinnen kann ich nichts sagen, weil alles so chaotisch war. Namen von anderen Beteiligten nenne ich nicht. Bei den Kämpfen galten jeweils die Regeln der MMA.“

Der Richter verliest anschließend einen Brief, welcher in der JVA Untermaßfeld beschlagnahmt worden ist:
„Franjo, `Morsche! (…) Wenn man gerade frisch drin ist, ist es auf jeden Fall schwerer. So war das bei mir auch. Such dir am besten gleich Arbeit, dann geht der Tag schnell rum. Wenn du den ganzen Tag nur drin hockst, machst du dir bloß sinnlos eine Platte. (…) Und meld dich auch zum Sport an. Da stehste dann zwar erst nur auf der Warteliste, aber irgendwann wird was frei. (…) Lass dich nicht von anderen provozieren. Gibt viele Idioten drinnen. Das bringt nichts außer Stress und nachher kriegst du bloß Einschluss. (…) Guck, dass du korrekte Leute findest, die gibts auch. Hier ist einer mit einem HK auf der Brust. Bester Mann :-). (…) Wir lassen uns nicht unterkriegen und halten zusammen! (…) Der Fabrizio hat wohl die Polizistin bei der Durchsuchung ordentlich gefüttert (*schlecht verständlich*). (…) Guck mal, ob du Wege findest, mir was nach Goldlauter zu schicken. Dann geht das am Staatsanwalt vorbei. (…)

Coach“

Nach der Verlesung der zwei Dokumente wird der erste Verhandlungstag beendet.